Erneut wird über die Preise im Leuze diskutiert. Foto: //Piechowski

Ein schwerbehinderter Stammgast fühlt sich im Mineralbad an der Kasse gegenüber Wertkartenbesitzern benachteiligt. In anderen Stuttgarter Bädern haben Behinderte eine Preisvorteil von bis zu 51,5 Prozent.

Stuttgart - Peter Tannenberger ist enttäuscht. Der Sachsenheimer ist nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Stammgast im Berg und jetzt im Leuze, fährt mehrmals in der Woche die knapp 40 Kilometer von seiner Wohnung in das Mineralbad und musste im Juni bei der drastischen Tariferhöhung von bis zu 53 Prozent beim Einzeleintritt erst einmal kräftig schlucken. Peter Tannenberger, der gerne viele Stunden in Sauna und Mineralwasser verbringt, traf die Erhöhung nicht ganz so hart wie andere, da er 100 Prozent schwerbehindert ist und deshalb eine Reduktion von 20 Prozent auf den Eintrittspreis des Mineralbads bekommt. Den Aufschlag von sechs Euro für die Sauna muss er aber voll bezahlen.

Und das ärgert den Mann, er werde „als Behinderter betraft“, er finde das Tarifgefüge „beschämend“, schrieb er an die Bäderbetriebe. Der Grund seines Ärgers: Während er für einen Tag im Leuze plus Sauna 17,20 Euro bezahlen muss, kann jedermann durch den Kauf einer Geldwertkarte über 400 Euro die gleiche Leistung für 16 Euro bekommen, also günstiger. Der Hintergrund: Bei der Wertkarte wird auch der Saunaanteil um 20 Prozent reduziert, beim Tarif für Behinderte ist die Sauna außen vor. Für Tannenberger ist das eine Missachtung gegenüber behinderten Menschen. „Ich fühle mich betrogen“, sagt er.

An vergleichbaren Thermen und Bädern im Umland orientiert

Ein Vorwurf, den die Bäderbetriebe Stuttgart so nicht stehen lassen wollen. Sprecher Jens Böhm verweist darauf, dass sich die beiden Mineralbäder beim Ermäßigtentarif an vergleichbaren Thermen und Bädern im Umland orientieren. Im Übrigen habe man die tarifliche Situation für Behinderte in Stuttgart seit einem Jahr stark verbessert, indem man nun den Nachlass allen gewährt und nicht wie bis 2018 nur Behinderten, die zusätzlich eine Stuttgarter Bonuscard haben. Bis dahin hatte auch Tannenberger als Gast aus dem Umland keinerlei Anspruch auf eine Ermäßigung gehabt.

Zudem sei die Gewährung eines reduzierten Eintritts für Behinderte „eine freiwillige soziale Leistung, auf die kein Rechtsanspruch besteht“, sagt Jens Böhm. Die Reduzierung von 20 Prozent in Stuttgarts Mineralbäder muss sich tatsächlich vor dem Umland nicht verstecken. In den Thermen von Böblingen, Beuren oder Bad Boll haben Behinderte sogar weniger Vorteile. Erlebnisbäder liegen dagegen im Bereich des Leuze. Das F3 in Fellbach gewährt bei vergleichbarer Leistung (Schwimmen und Sauna) etwa 18,3 Prozent Nachlass, das Fildorado sogar 24 Prozent, allerdings erst bei einem Behindertengrad von 50 Prozent.

Wie ließe sich das Ungleichgewicht lösen?

Peter Tannenberger ist trotzdem nicht zufrieden mit dem Angebot des Leuze. Er könnte sich natürlich auch eine Wertkarte kaufen, als häufiger Gast wäre das durchaus sinnvoll. Er sieht aber nicht ein, dass er gegenüber den gesunden Wertkartenkäufern als Behinderter nicht zumindest gleichgestellt ist. Und auch die Antwort der Bäderbetriebe, dass die Wertkartenreduzierung „nicht als Schlechterstellung aller zu Ermäßigung berechtigten Gäste zu verstehen sei“ und eine „Belohnung für treue Stammkunden“ sei, befriedet ihn nicht. „Ich komme bis zu fünfmal pro Woche, ich bin auch Stammgast“, sagt Tannenberger. Lösen ließe sich das Ungleichgewicht, wenn die Bäderbetriebe Behinderten auch auf den Saunaanteil 20 Prozent Nachlass gewähren würden. Dann wäre Gleichstand. Andere Bäder wie das F3 oder das Fildorado machen das so.

Ansonsten genießen Behinderte in Stuttgarts Bäder durchaus große finanzielle Vorteile. So ist zum Beispiel für Inhaber eines Ausweises unabhängig vom Grad der Behinderung der Einzeltarif in den Hallen- und Freibädern 40 Prozent auf den Einzeleintritt günstiger, bei der Saisonkarte für die fünf städtischen Freibäder sind es sogar stolze 51,5 Prozent. Der Unterschied zu den geringeren Reduzierungen bei den Mineralbädern erklären die Bäderbetriebe damit, dass Hallen- und Freibäder auch „der Daseinsvorsorge dienen“ und somit die Ermäßigungen höher sein sollten. Die beiden Mineralbäder müssen „aber einen gewissen Kostendeckungsgrad erwirtschaften, wie auch andere Thermal- und Mineralbäder des Umlands“, erklärt Böhm. Für Peter Tannenberger ist das nur ein schwacher Trost.

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