Reine Herrensaunen gibt’s noch nicht überall. Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com

Das Thema Geschlechtergerechtigkeit erreicht nun auch die Freizeitbäder. Es gibt zwar Saunen speziell für Damen, doch Zeiten nur für Männer werden eher selten angeboten.

Bad Cannstatt - Männer mal ganz unter sich – und zwar in der Sauna. Das wünscht sich ein 72-Jähriger aus Esslingen. Doch seit der Wiedereröffnung des Merkel’schen Bads im Jahr 2005 gibt es keine separaten Saunatermine für Männer mehr. Frauen hingegen können dort dreimal pro Woche ganz unter sich saunieren. Der Mann fühlt sich deshalb diskriminiert – und klagt. Er fordert nun rechtlich ein separates Angebot beim Saunabetreiber ein.

Fühlt sich der Mann zurecht ungleich behandelt? Und welche Folgen hätte es für andere Schwitzbäder, würde er sich vor Gericht durchsetzen? Müssen Stuttgarter Bäder reagieren? Ursula Matschke von der Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Stadt Stuttgart sagt: klipp und klar „Wenn es in dem Bad eine Frauensauna gibt, dann sollte es dementsprechend auch eine Herrensauna geben.“

Wie sieht es denn mit Herrensauna-Angeboten in und um Bad Cannstatt aus? Herrensaunen sind hier zumindest kein Fremdwort und der Wunsch danach nicht gänzlich ungewöhnlich: „Im Hallenbad Heslach und im Mineralbad Bad Cannstatt gibt es Saunazeiten nur für Männer“, sagt Jens Böhm, der Pressesprecher der Bäderbetriebe Stuttgart (BBS). Auch im Mineralbad Berg, das noch bis mindestens im Frühjahr 2020 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen bleibt, können Männer unter ihresgleichen saunieren. „Es ist schon eine Seltenheit, dass es dort täglich eine reine Herrensauna gegeben hat und nach der Sanierung wieder geben wird“, sagt BBS-Sprecher Jens Böhm.

Im Leuze geht es nur gemischt

Im Mineralbad Leuze sieht es anders aus. Dort kann nur gemischt sauniert werden. Der Grund: Es gibt nur einen Tarif und zwar für beides, also fürs Schwimmbad und für die Mineralsauna. „Wer schwimmen will, der kann auch in die Sauna und umgekehrt, es ist alles in einem Preis inbegriffen“, sagt Böhm. Im Sommer ändert sich aber der Tarif, „denn einige Badegäste wollen nur schwimmen gehen und deshalb nicht für die Sauna bezahlen.“ Auch im F.3 in Fellbach gibt es keine Saunazeiten nur für Herren. Die Sauna sei ein Unisex-Bereich, sagt Birgit Steinegger vom F3. Frauen können jedoch jeden Mittwoch in einem Bereich der Saunalandschaft unter sich sein. „Beim Bau des F3 im Jahr 2013 haben wir die Frauensauna-Zeiten des ehemaligen Fellbacher Hallenbads übernommen. Wir führen das Angebot weiter, es hat sich nun mal etabliert“, sagt Birgit Steinegger. Wie in jedem Unternehmen seien solche speziellen Angebote stark von der Nachfrage abhängig – und die Damensauna sei immer gut besucht.

Wirtschaftlichkeit ist ein Thema

Die Stadtwerke Esslingen haben unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen keine Herrensauna im Merkel’schen Bad mehr. Vom 13. September bis 30. Dezember 2005 testeten sie ein separates Männer- und Frauenangebot, mit dem Ergebnis, dass die Frauensauna fast doppelt so gut belegt gewesen sei wie die Herrensauna. „Die Wirtschaftlichkeit darf man nicht unterschätzen“, räumt Matschke ein. Sie findet aber auch, dass man dem Angebot ein halbes Jahr lang Raum geben und nach dieser Testphase erneut entscheiden könnte. Dem Mann rät sie, sich an die Anti-Diskriminerungsstelle des Landes Baden-Württemberg zu wenden. Die Stelle würde dann direkt Kontakt mit dem Betreiber aufnehmen. Matschke hat aber nicht nur Spannungen zwischen den Geschlechtern erlebt, sondern auch innerhalb: So fühlten sich einige heterosexuelle Männer in der Herrensauna unwohl, weil auch Homosexuelle sie nutzten.

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