Im Aileswasensee in Neckartailfingen gilt die Wasserqualität nur noch als „gut“, nicht mehr als „ausgezeichnet“. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner

Die Seen rund um Stuttgart haben nicht den besten Ruf. Aber in den meisten Badestellen der Region ist die Wasserqualität sehr gut. Das Problem liegt eher woanders.

Bei aller Liebe zu Stuttgart und der Region muss man so ehrlich sein: Als Schwimm- und Planschfan hat man es in anderen Gegenden Deutschlands leichter. In München hat man die Wahl zwischen Isar, Schwabinger Bach und Seen in der Stadt und rund herum. In Leipzig ist man stolz auf den längsten Sandstrand Sachsens am Cospudener See. Berlin hat zusätzlich zu mehreren Badeseen in der Stadt auch noch die Havel. Und Stuttgart? Nun ja, Stuttgart hat einen Fluss, dessen schöne Stellen man suchen muss. Geschwommen werden darf im Neckar nicht. Badeseen hat Stuttgart keine.

 

Um in einem natürlichen Gewässer zu baden, müssen von Stuttgart aus einige Kilometer zurückgelegt werden, meist im Auto, weil die öffentliche Anbindung an die Seen in der Region schlecht ist. An idyllische Naturseen erinnern diese selten, oft sind Parkplätze und Liegewiesen überfüllt. Dazu passen Schlagzeilen wie die aus dem vergangenen Sommer: „Gefährliche Blaualgen führen zu Badeverbot im Plüderhausener See“ oder „Gemeinde rät vom Baden ab: erhöhte Mengen von Fäkalbakterien im Aileswasensee“.

Tiere und Badegäste sind das Problem

Aber sind die Badeseen in der Region Stuttgart wirklich so mies? Und wie passt dazu, dass bei Wasserproben die Badeseen in der Region Stuttgart stets gut abschneiden, oft sogar ausgezeichnet?

Das Problem sind meist nicht die Gewässer selbst, sondern die Menschen und Tiere, die darin baden. So wurde die hohe Konzentration von Fäkalbakterien im Aileswasensee im vergangenen Sommer vor allem auf die Ausscheidungen einer Entenfamilie am See zurückgeführt. Und dass im See in Plüderhausen seit mehr als drei Jahren immer wieder Blaualgen blühen, zuletzt sogar auch im Winter, könnte einerseits an der Zunahme von Grau- und Nilgänsen am See liegen. Andererseits sind die Badegäste ein Problem: Wer vor dem Sprung ins Wasser nicht zur Toilette geht und duscht, bringt Schuppen, Hautteilchen, Sonnencreme sowie andere Kosmetika in den See, manchmal auch Urin.

Im Aileswasensee gilt Wasserqualität nur noch als „gut“

Dennoch betont Martina Keck, eine Sprecherin des Landratsamts in Waiblingen: „In mikrobiologischer Hinsicht sind alle Badeseen im Rems-Murr-Kreis von sehr guter Wasserqualität.“ Zwischen Juni und September würden alle offiziellen Badestellen im Landkreis einmal pro Monat mikrobiologisch untersucht. Weil im Plüderhausener See in den vergangenen Jahren Cyanobakterien, also Blaualgen, festgestellt worden waren, seien zusätzliche Untersuchungen gemacht worden, daraufhin wurden zeitlich begrenzte Badeverbote ausgesprochen.

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Auch im Kreis Esslingen werden die Badeseen zwischen Mai und September jeweils neunmal untersucht, die Proben danach im Landesgesundheitsamt ausgewertet, informiert eine Sprecherin des dortigen Landratsamts. Denn die Wasserqualität im Bissinger See, im Unteren See der Bürgerseen bei Kirchheim/Teck sowie im Aileswasensee in Neckartailfingen sei EU-meldepflichtig. Bei der ersten Probe in diesem Jahr am 9. Mai hätten sich die drei Seen „im ausgezeichneten Bereich“ befunden.

Davon unabhängig sei die Wasserqualität im Aileswasensee vergangenes Jahr von „ausgezeichnet“ zu „gut“ herabgestuft worden. Grund dafür waren erhöhte Keimzahlen und die Wasserqualität der vergangenen vier Badesaisons. Voraussichtlich von Juni an sollen die detaillierten Werte für die Badegewässer in Baden-Württemberg wieder auf einer interaktiven Karte des Landesgesundheitsamts im Internet veröffentlicht werden.

Auch in Naturfreibädern gibt es Probleme

Wer sich dennoch unsicher ist, ob er in hiesigen Seen schwimmen und sich erfrischen möchte, kann auch in eines der vielen Freibäder ausweichen. Dann kommt man allerdings um Chlor im Wasser nicht herum. Es sei denn, man besucht eines der Naturfreibäder in der Region. Das Naturfreibad in Herrenberg (Kreis Böblingen) wird beispielsweise ohne Chlor aufbereitet. Für sauberes Wasser im Becken sind biologisch-mechanisch arbeitende Filter verantwortlich.

Allerdings scheint auch dies nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein: Die Saison im Herrenberger Naturfreibad war dieses Jahr gerade einmal eine Woche jung, da wurde der Pfützenkeim im Wasser nachgewiesen. Die Konzentration überschritt den Grenzwert um das Vierfache. Das Schwimmerbecken wurde geschlossen, es musste aufs Hallenbad ausgewichen werden. Inzwischen ist das Außenbecken wieder geöffnet, doch der Badespaß könnte von kurzer Dauer sein. In den vergangenen Jahren waren mehrere Schließungen nötig.

Keine Probleme sind im Ziegelei-Seebad in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) bekannt. Dabei handelt es sich aber auch um einen See, der von Quellwasser gespeist wird.

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