Viele Menschen lockt der Sommer in den Bodensee – beim Baden muss man aufpassen Foto: dpa

Insgesamt 21 Badeunfälle, davon 14 tödliche, hat der Bodensee dieses Jahr schon zu verzeichnen. Vor allem über 70-Jährige sind davon betroffen, erst am Mittwoch ertrank eine 93-jährige Frau. Grund dafür seien oft schon bestehende Herz-Kreislauf-Probleme, sagen Experten.

Radolfzell/Friedrichshafen - Wieder ist eine Seniorin im Bodensee ums Leben gekommen. Die 93-jährige Frau ist diesen Mittwoch im Strandbad Iznang in der Nähe von Radolfzell mit ihrer 66-jährigen Tochter Schwimmen gegangen. Nach wenigen Minuten verlor die Tochter ihre Mutter aus den Augen, ging daraufhin an Land und rief die Polizei. Rettungskräfte begannen sofort mit der Suche, konnten die Seniorin wenig später aber nur noch tot bergen.

Die Frau ist bei weitem nicht die einzige Tote im Bodensee in diesem Jahr. Die Fälle häufen sich, insgesamt gab es länderübergreifend 21 Badeunfälle, davon 14 mit töd­lichem Ausgang. Allein auf baden-württembergischer Seite starben zehn Personen.

Christoph Mandalka, Stationsleiter der Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen, macht das heiße Wetter für die vielen Todesfälle im Bodensee verantwortlich. „Vor allem für ältere Menschen ab 70 Jahren ist die extreme Witterung gefährlich“, betont er. Laut Hans-Peter Eckstein, Pressesprecher des DLRG Landesverbands Württemberg, kommt die erhöhte Gefahr bei Senioren insbesondere von deren Vorerkrankungen. „Ältere Menschen haben oft schon im Vorfeld Herz-Kreislaufprobleme“, erklärt er. Dies sei auch hauptsächlich die Todesursache der über 70-Jährigen gewesen.

Badepersonal für Unglücksfälle verantwortlich?

Dass sich gerade am Bodensee die Todesfälle häufen, liege aber nicht daran, dass der See grundsätzlich gefährlicher sei als andere Badeseen, betont Eckstein: „Der Bodensee hat dieselbe Aufheizung wie jeder andere Badesee auch. Allerdings besuchen gerade ältere Menschen den Bodensee häufiger als andere Seen, weil sie sich dort zur Reha oder Kur aufhalten.“ Ihm zufolge sind Badeunglücke jedoch keine Seltenheit, sondern ereignen sich immer wieder: „Es ist traurig, aber wenn das Thermometer über 30 Grad steigt, rechnen wir schon damit, dass es zu solchen Vorfällen kommt“.

Das Badepersonal für die Unglücksfälle verantwortlich zu machen, hält Eckstein allerdings für falsch. „Der Badestrand ist stets gut besucht, man verliert dort leicht den Überblick. Das hat nichts mit Unaufmerksamkeit zu tun, das Personal weiß schon um seine Verantwortung“, verteidigt er die Badeaufsicht. Mandalka stimmt ihm in diesem Punkt zu: „Das Personal wird auch in Zukunft nicht weiter aufgestockt. Solche Badeunfälle lassen sich auch mit mehr Leuten einfach nicht verhindern“, versichert er.

Um Badeunglücke zu vermeiden, appellieren Eckstein und Mandalka an die Badegäste, selbst auf ihre Sicherheit zu achten und die gängigen Baderegeln zu beachten: „Man sollte langsam und nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen und sich davor gut abkühlen“, rät Mandalka. Gerade für ältere Leute sei dieses intensive Abkühlen unverzichtbar. Dass Senioren aufgrund der bei ihnen erhöhten Gefahr generell das Wasser meiden sollten, hält er aber für übertrieben. „Bei älteren Leuten macht es allerdings Sinn, im Vorfeld mit dem Hausarzt abzuklären, ob Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen“, rät er. „Wagt man sich dann ins Wasser, lohnt es sich außerdem, eine andere Person darum zu bitten, ein Auge auf einen zu haben“, sagt Mandalka. Zu empfehlen sei außerdem, stets in Zonen zu bleiben, in denen man noch stehen kann.

„Immer mehr kleine Kinder allein im Wasser“

Auch solle man nie allein, sondern immer in Begleitung ins Wasser gehen – das gilt nicht nur zwingend für die über 70-Jährigen, sondern genauso für Kinder, betont Eckstein. „Wir beobachten aber immer häufiger, dass kleine Kinder allein im Wasser sind“, kritisiert er. Dabei sei dies besonders problematisch: „Kinder können nicht einschätzen, dass Wasser auch gefährlich sein kann“. Leichtsinnig seien jedoch die wenigsten Badegäste, versichert Mandalka. „Es sind Einzelfälle, die sich viel zu weit raus auf den See wagen“. Vor allem Senioren achteten sehr darauf, sich nicht zu weit vom Ufer zu entfernen, hat er beobachtet.

Dadurch vermeiden die Badegäste automatisch den Kontakt mit möglichen Gefahrenstellen: Strömungen, Fischernetzen, Motorjachten oder dem plötzlich steil abfallenden Seegrund könne so im Normalfall entgangen werden.

Trotzdem lohne es sich , egal welchen Alters, auch in Ufernähe Vorsicht walten zu lassen – schließlich sei ein kühner Sprung ins kalte Nass für eine gelungene Erfrischung nicht zwingend notwendig.

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