Die Baden-Württemberger zahlen so wenig für die Müllentsorgung wie nie zuvor. Auf einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt entfallen jährlich 148,69 Euro Müllgebühren. Foto: dpa

Nirgendwo sonst produzieren die Menschen pro Kopf so wenig Abfall wie in Baden-Württemberg. Dafür werden sie mit den niedrigsten Müllgebühren belohnt. Der BUND mahnt aber: Da muss noch mehr kommen.

Stuttgart - Die Baden-Württemberger zahlen so wenig für die Müllentsorgung wie nie zuvor. Auf einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt entfallen jährlich 148,69 Euro Müllgebühren. „Das ist ein neuer Tiefstand“, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Inflationsbereinigt gebe es seit 2002 einen Rückgang der Gebühren um fast 30 Prozent, sagte der Minister am Montag bei der Vorstellung der Abfallbilanz 2012 in Stuttgart. Im bundesweiten Vergleich dürfte dies nach seiner Einschätzung wieder die Spitzenposition sein. Die Menschen in Baden-Württemberg produzieren auch immer weniger Müll. Mit 142 Kilogramm an Haus- und Sperrmüll pro Einwohner gebe es einen historischen Tiefstand. Im vergangenen Jahr lag die Menge noch bei 144 Kilogramm pro Einwohner.

Untersteller sagte: „Die Entwicklung ist ein weiterer Beleg dafür, dass eine moderne und vorbildliche Kreislauf- und Abfallwirtschaft nicht automatisch bedeuten muss, dass die Bürger hierfür auch mehr zahlen müssen als anderswo. Ganz im Gegenteil.“ Die drastische Reduzierung der Menge und die bessere Rückgewinnung von Wertstoffen seien Gründe dafür, dass auch die Kosten und Gebühren zurückgingen. Insgesamt fielen im Südwesten im Jahr 2012 knapp 3,8 Millionen Tonnen Hausabfälle an, davon waren rund 1,53 Millionen Tonnen Haus- und Sperrmüll - 20 000 Tonnen weniger als im Jahr davor.

Hingegen kritisierte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Pro-Kopf-Menge an Hausmüll, Bioabfällen und Wertstoffen insgesamt sei in der langfristigen Betrachtung seit 1996 praktisch unverändert geblieben. BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender bemängelte, die frühere, CDU-geführte Landesregierung habe das Thema Abfall 15 Jahre lang verschlafen. „Gerade vor diesem Hintergrund erwarten wir von einem grünen Umweltminister mehr, als das Verharren auf dem Status Quo als Erfolg zu verkaufen.“ Selbst das Ziel der Landesregierung, die pro Kopf und Jahr insgesamt anfallende Müllmenge von derzeit 349 Kilogramm auf 331 Kilogramm im Jahr 2015 zu senken, sei in Gefahr. „Derzeit ist kein Trend zu erkennen, der auf eine Senkung der Abfallmenge hindeutet“, meinte die BUND-Landeschefin.

Am wenigsten Haus- und Sperrmüll produzierten mit 64 Kilogramm pro Kopf die Bewohner im Landkreis Freudenstadt. Den höchsten Wert hat der bei den Landkreisen der Hohenlohekreis mit 220 Kilogramm je Einwohner und Jahr. Eine Erklärung dafür ist nach Angaben von Untersteller, dass im Hohenlohekreis - wie in zehn weiteren Stadt- und Landkreisen der Bioabfall bislang nicht getrennt erfasst wird. Bei den Städten liegt Freiburg mit 112 Kilo je Einwohner und Jahr vorne, während die Stadt Mannheim mit 241 Kilo die rote Laterne hält.

Nach den bundesweiten Regelungen im Kreislaufwirtschaftsgesetz ist von 2015 eine getrennte Erfassung Pflicht - dann muss überall auch eine Biotonne angeboten werden. Ohnehin sieht Minister Untersteller bei der Verwertung von Bioabfall noch Luft nach oben. Zwar konnte die Menge im Vergleich zum Jahr 2011 um ein Kilogramm auf 43 Kilogramm je Einwohner gesteigert werden. Es wird aber angestrebt, diese Menge um weitere 17 Kilogramm auf dann 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr zu erhöhen. „Der gesammelte Bioabfall stellt eine hochwertige Ressource da, die wir energetisch oder stofflich nutzen wollen“, sagte der Minister.

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