Hochwertige Destillate liegen wieder im Trend. Einer der bekanntesten Hersteller mit Sitz in der Region wehrt sich jetzt gegen Attacken von verschiedenen Seiten Foto: dpa

Die Destillerie Gansloser aus Bad Ditzenbach hat in den vergangenen Jahren bundesweit einen steilen Aufstieg hingelegt. Doch jetzt beschuldigen ehemalige Geschäftspartner die Brennerei, dabei zu fragwürdigen Methoden gegriffen zu haben.

Bad Ditzenbach - Das Jahr 2012 ist laut der Destillerie Gansloser in Bad Ditzenbach-Auendorf das erfolgreichste in der über hundertjährigen Firmengeschichte gewesen. Die hochpreisigen Produkte aus dem malerischen kleinen Ort am Trauf der Schwäbischen Alb haben ihren Weg mittlerweile in die besten Restaurants und Geschäfte gefunden. Die Edelbrennerei mit ihren Geisten, Bränden und Likören, heißt es in einer Pressemitteilung, sei „aus der absoluten Weltspitze der Destillerien nicht mehr wegzudenken“. Doch jetzt gibt es Gegenwind.

Mehrere PR- und Werbeagenturen, die mit der Destillerie zusammengearbeitet haben, behaupten unter anderem im Internet, die Firma zahle in großem Stil Rechnungen nicht und stelle viele ihrer Produkte nicht nur selbst her, sondern kaufe sie auch bei der Konkurrenz zu. Letzteres ist zwar erlaubt, würde aber nicht dem Selbstverständnis und dem öffentlichen Auftreten des Edel-Betriebs entsprechen.

Die Destillerie wehrt sich gegen die Vorwürfe

Leonhard Fromm etwa, PR-Berater aus Göppingen, gibt an, Gansloser schulde ihm noch 20 000 Euro. „Das Vorgehen ist immer dasselbe“, sagt Fromm. Erste kleine Rechnungen würden von Holger Frey, einem der Geschäftsführer, beglichen, danach komme nichts mehr. Mit der Bezahlung und dem Unterzeichnen von Verträgen sei er immer wieder vertröstet worden.

Mehrere Agenturen, die für Gansloser gearbeitet haben, sind vor Gericht gezogen. Ein Verfahren läuft aktuell, in dem es um eine Forderung von 45 000 Euro geht. Die Werbeagentur Projekt E, die unter anderem Kartonagen für die Destillate herstellte, hat sich einen Vergleich erstritten. 15 000 Euro hat es gegeben statt der geforderten 45 000. „In unserer Branche läuft viel auf Vertrauensbasis“, sagt Geschäftsführerin Maren Huber. Deshalb habe man erst spät die Reißleine gezogen, als man nicht mehr auf Gansloser als Geschäftspartner bauen wollte.

Die Destillerie wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Nichts davon ist wahr“, sagt Geschäftsführer Holger Frey. Er gehe davon aus, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens, der fristlos entlassen worden sei, hinter der Kampagne stecke. Überrascht sei er davon nicht: „Wir haben unseren Umsatz im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, dass da auch mal Sperrfeuer kommen, ist fast klar.“

Mit Fromm, sagt Frey, habe man nur ganz kurz Kontakt gehabt. Das Verhältnis sei aber kompliziert gewesen, so dass man sich wieder getrennt habe. Fromm habe lediglich kurzzeitig geringe Aufgaben für die Destillerie erledigt, die bezahlt worden seien. Danach habe er eine Pauschale über 20 000 Euro angeboten, die man aber abgelehnt habe. Das sei auch dokumentiert, betont Freys neuer Sprecher Markus Bartha. Er meint, alle Beteiligten, die nun gegen die Firma schießen, stünden in Verbindung mit Fromm und hätten oftmals ohne Beauftragung gearbeitet – in der Hoffnung auf neue Aufträge. Das sei „marktunüblich und naiv“.

Dass Destillate von außerhalb zugekauft werden, bestreitet Frey

In einer Erklärung der Destillerie heißt es zu Fromm: „Es gab keine Zusammenarbeit, und es gibt daher auch keine Rechnung der PR-Agentur.“ Die Behauptungen seien unwahr. Frey sagt, er habe Anzeige gegen Fromm und eine weitere Agentur wegen Beleidigung und übler Nachrede erstattet sowie eine Rechtsanwaltskanzlei mit Abmahnungen beauftragt.

Dass Destillate von außerhalb zugekauft werden, bestreitet Frey ebenfalls. Man stelle alles selbst her. Bartha betont, die Firma Gansloser habe eine lange Familientradition. Das Unternehmen kaufe lediglich überall in Europa Zutaten ein. Ihre Produkte würden an Gourmetabteilungen, Hoteliers und Spitzengastronomen in ganz Deutschland geliefert. Der gute Ruf des Unternehmens stehe auf dem Spiel. Deshalb seien die Vorwürfe geschäftsschädigend.

Dem stehen die Aussagen mehrerer Konkurrenten und früherer Geschäftspartner gegenüber. Ihr Spitzenprodukt Black Gin beziehe die Firma aus der Nähe von Dortmund, sagt etwa Enrico Müller, der ebenfalls eine Zeit lang Pressearbeit für Gansloser gemacht und nach eigenen Angaben noch Forderungen haben will. Auch das bestreitet das Unternehmen.

Hubertus Vallendar von der gleichnamigen Brennerei in Rheinland-Pfalz bestätigt: „Frey hat auch bei uns Destillate gekauft.“ Es habe sich dabei um große Tanks mit Haselnuss- und Tonnen von Orangengeist gehandelt. Zwar sei das Abfüllen und Etikettieren solcher Zukäufe erlaubt, aber dann dürfe man sich nicht hinstellen und behaupten, man sei Alleinhersteller und beliefere die anderen.

Die Gansloser-Produkte seien „Weltklasse“, heißt es bei einem Händler

Nachdem Frey nicht bezahlt habe, seien die Lieferungen eingestellt worden. „Frey kommt mir nicht ehrlich vor“, sagt Vallendar, „wie er sich benimmt, ist beschämend für die ganze Branche.“ Kollegen Vallendars berichten ebenfalls von Zukäufen Freys.

Die Gansloser-Produkte seien „Weltklasse“, heißt es dagegen bei einem Händler. Aus dem Sortiment genommen hat er sie trotzdem – nach angeblichen Ungereimtheiten bei der Verrechnung der Lieferungen.

PR-Mann Fromm hat Holger Frey inzwischen seinerseits angezeigt. 2013, so viel scheint festzustehen, könnte in die über hundertjährige Geschichte der Edel-Destillerie als das Jahr der rechtlichen Auseinandersetzungen eingehen.

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