Vor allem im Berufsverkehr benützen viele Autofahrer die Marktstraße als Abkürzung. Foto: Uli Nagel

Immer öfter wird beobachtet, dass Autofahrer die Fußgängerzone der Altstadt als Abkürzung benützt. Damit soll jetzt Schluss sein. Der Technikausschuss stimmte für eine Pollerlösung.

Bad Cannstatt - Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat dem Antrag von der Gemeinderatsfraktion SÖS/Linke/PluS zugestimmt, mit einer Pollerlösung dem zunehmenden illegalen Fahrzeugverkehr in der Altstadt einen Riegel vorzuschieben.

 

„Die Altstadt ist mit dem berechtigten Liefer- und Anwohnerverkehr schon genug belastet“, sagte Siegfried Deuschle, Bezirksbeirats-Sprecher der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke/PluS im März, als er im Bürgergremium Werbung für den Antrag machte. Er könne sich elektrische Poller im Kampf gegen die vielen illegalen Schleicher sehr gut vorstellen, zumal viele Städte schon längst zu dieser Maßnahme gegriffen hätten und das Thema bekanntlich auch im Stuttgarter Gemeinderat für die Innenstadt diskutiert wurde.

Illegale Abkürzung

Beobachtet wird der „Abkürzungsverkehr“ vor allem von der Brunnenstraße vorbei an der Stadtkirche hin zur Ausfahrt in Richtung Wilhelmsbrücke. Aber auch von der Badstraße durch die Brählesgasse am alten Rathaus vorbei und weiter Richtung Wilhelmstraße hatte Deuschle schon Autofahrer beobachtet. Das Problem: In der Fußgängerzone seien auch viele Kinder unterwegs, spielen in der Marktstraße oder auf dem Marktplatz herum und rechnen nicht mit Autos. Eine Pollerlösung sei deshalb die einzige Möglichkeit, den Schleichverkehr durch die Fußgängerzone zu unterbinden.

Während die SPD und die Grünen sehr wohl mit elektrischen Durchfahrtsperren leben könnten, gab es vor allem Kritik von der CDU. Die Christdemokraten haben die Befürchtung, dass sich Poller negativ auf die Einkaufsstraße auswirken und so der Trading-Down-Effekt noch verstärkt werde. Zudem sieht die CDU Probleme bei der Berechtigung.

CDU und Freie Wähler gegen Poller

Wie bei der Abstimmung im Bezirksbeirat fand sich jedoch auch im Ausschuss für Umwelt und Technik eine klare Mehrheit für eine Pollerlösung. Nur CDU und die Freien Wähler stimmten dagegen. Wann die jedoch umgesetzt wird, ist offen. Denn laut der Straßenverkehrsbehörde beim Amt für Öffentliche Ordnung liegt für die Cannstatter Fußgängerzone kein dringender Handlungsbedarf vor. „Uns sind keine Beschwerden über Autofahrer bekannt, die die Marktstraße als Schleichweg benutzen“, sagte Susanne Scherz, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde. Dagegen gebe es jedoch Gelbe Karten von Bürgern, die das Nichtabsteigen von Radfahrern in der Fußgängerzone monieren.

Neuland für die Stadt

„Mit einer Pollerlösung für die Cannstatter Altstadt würde die Stadt Neuland betreten“, sagte Scherz, denn so etwas gebe es in der Landeshauptstadt noch nicht und sei auch etwas ganz anderes als die Poller, die in der City gebaut werden. „Sie dienen der Gefahrenabwehr, sind im Boden versenkt und werden nur bei Veranstaltung hochgefahren“, so Scherz. Bei den geforderten Pollern für die Cannstatter Altstadt sei es genau andersherum: Sie sind oben und werden nur im Bedarfsfall heruntergefahren, entweder von Anwohnern, von Lieferanten oder von Rettungsfahrzeugen. „Eine Pollerlösung ist schon von der großen Anzahl von berechtigen Fahrzeugen, die in der Fußgängerzone heute täglich unterwegs sind, nicht einfach“, so die Leiterin der Straßenverkehrsbehörde. Für eine zügige Umsetzung im Doppelhaushalt 2020/21 wären einige Schritte erforderlich: unter anderem eine Analyse der Verkehrsstrukturen sowie ein Planungs- und Betriebskonzept. Zudem müssen natürlich die Kosten ermittelt werden, denn solch eine „Polleranlage“ muss auch entsprechend betreut werden. „Man darf auch nicht vergessen, dass es aktuell einen Planungswettbewerb für das Gestaltungskonzept Marktstraße gibt“, so Susanne Scherz. Mit dessen Ergebnis rechne die Verwaltung Ende 2019. Was zudem berücksichtigt werden müsse: der neue Verkehrsstrukturplan für Bad Cannstatt.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen hält die Verwaltung es für realistisch, eine Umsetzung der Poller erst mit dem Doppelhaushalt 22/23 anzustreben. Sollte noch in diesem Jahr eine Entscheidung zur baulichen Umsetzung getroffen werden, wäre eine Finanzierung aus dem sogenannten Investitionsprogramm Fußverkehr im kommenden Jahr möglich. „Dann stehen 800 000 Euro zur Verfügung“, so Scherz.