Für eine ähnliche Anlage sucht Backnang jetzt einen Käufer (Symbolbild). Foto: dpa

Die Stadt Backnang hat den Kooperationskommunen gekündigt und sucht nun nach einem Interessenten, der die Klärschlammtrocknungs-Anlage kaufen will.

Backnang - Eigentlich war mit dem Landkreis verabredet gewesen, dass die Klärschlamm-Trocknungsanlage in Backnang-Neuschöntal kostenfrei mit Wärme versorgt wird. Diese Wärme entsteht quasi als Abfallprodukt der Biovergärungsanlage des Kreises gleich nebenan. Doch bei diesem Spiel macht das Finanzamt nicht mehr mit. Die Wärme muss seit diesem Jahr bezahlt werden.

Deshalb rechne sich die Klärschlamm-Anlage nun nicht mehr, sagt der Leiter des Backnanger Stadtbauamts, Hans Bruss. Die Kommune suche nach einem Investor, der die vor sieben Jahren eröffnete Anlage, die rund 3,8 Millionen Euro gekostet hat, übernimmt. Er sei recht zuversichtlich, dass sich ein Käufer finde, so Bruss. Viel mehr will er indes nicht rauslassen – weder welchen Preis die Stadt erzielen könnte, noch mit wem verhandelt wird.

Aspach hat einen Vertrag mit der Stadt Stuttgart

Es gehe um die Höhe des Restwerts der Anlage, „es wäre schön, wenn wir den bekommen würden“. Bei Käufern solcher Anlagen handelt es sich oft um Entsorgungsunternehmen, die laut Bruss „genügend Schlamm haben“. Sprich, die rund ein Dutzend Kommunen aus dem Raum Backnang, die ihren Klärschlamm bis dato in Backnang-Neuschöntal entsorgen, müssen sich umschauen. Backnang jedenfalls hat den Nachbargemeinden jetzt außerordentlich gekündigt – mit Verweis auf die Mehrkosten wegen der Wärme.

Als erste Kommune hat nun die Gemeinde Aspach beschlossen, den Klärschlamm künftig andernorts zu entsorgen: Die Stadt Stuttgart habe ein gutes Angebot vorgelegt, sagt die Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff. Vom kommenden Jahr an an werde Aspach statt rund 113 00 Euro für den Transport und die Entsorgung von etwa 800 Tonnen Klärschlamm nur noch rund 86 000 Euro bezahlen müssen. „Wir haben einen Vertrag für drei Jahre und könnten diesen auf insgesamt fünf Jahre verlängern“, sagt die Rathauschefin. Sollte sich eine neue interkommunale Lösung ergeben, dann sei Aspach gerne bereit wieder mitzumachen, so Welte-Hauff – wenn ihrer Kommune keine Nachteile entstünden. Die Bürgermeisterin sagt, sie habe gehört, dass der Verkauf der Anlage in Backnang längst noch nicht in trockenen Tüchern sei. Backnang, sagt Bruss, müsse auch per Ausschreibung nach einem Abnehmer für den Klärschlamm aus der Stadt suchen.

Über den Plan B will der Amtsleiter noch nicht sprechen

Was passiert, falls kein Käufer gefunden wird? Dann, so Bruss auf Anfrage, greife Plan B oder Plan C, aber diese Alternativen seien noch kein Thema, über das in der Öffentlichkeit geredet werden sollte.

Der Backnanger SPD-Kreisrat Gernot Gruber sagt, die Abwärme der Biovergärungsanlage – „ein im Land viel beachtetes Vorzeigeprojekt“ – müsse unbedingt weiter genutzt werden. Entweder für die Klärschlammtrocknung oder für ein noch zu errichtendes Wärmenetz.

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