Violinistin Mayumi Hirasaki und die Cembalistinnen Arianna Hadaelli und Michaela Hasselt (von links) beim Konzert im Neuen Schloss Foto: Holger Schneider

Die Internationale Bachakademie gratuliert ihrem Namensgeber zum 339. Geburtstag im Neuen Schloss – und serviert dazu Gebackenes.

Ein Barockkonzert mit Eventcharakter: gegeben im atmosphärisch repräsentativen Weißen Saal des Neuen Schlosses, inklusive Geburtstagskuchenbüfett und Weinausschank – im Eintrittspreis inbegriffen, versteht sich. Schoko, Nuss-Kirsch oder Käse-Mohn lachten das Publikum in der Pause an: fein säuberlich in wohlschmeckende Würfel geschnitten und adrett auf Etageren drapiert. So feierte die Internationale Bachakademie Stuttgart in diesem Jahr den 339. Geburtstag ihres Namensgebers.

 

Der fröhliche Funke springt über

Auf dem Programm: keine Überraschungen. Vielmehr ausschließlich Werke des alten Bachs, einschließlich der Ouvertüren BWV 1067 und 1068, die zwei seiner größten Konzertsaalhits enthalten: das schwer melancholische „Air“ und die quirlige Traversflöten-„Badinerie“ (mit Georges Barthel als Solisten). Auf der Bühne: 13 Mitglieder der hauseigenen Gaechinger Cantorey oder ihr nahestehend.

Wie es sich für ein Geburtstagsständchen gehört, war das Spiel der historisch informiert aufspielenden Gruppe eher von Spontanität geprägt als von langer Vorbereitung. Das geht aber aus Gründen des Anlasses in Ordnung. Und jenseits aller barocken Berieselung war dann der fröhliche Funke, den sichtbare Spielfreude stets zu entzünden weiß, spätestens nach dem Violindoppelkonzert BWV 1043 und seinem schön rau heruntergefetzten Finale aufs Publikum übergesprungen. Viel Jubel für die Solopartie von Mayumi Hirasaki, die den Abend auch leitete, und Jonas Zschenderlein – und ab in die Pause ans Kuchenbüfett.

Mehr musikalische Aufklärung wäre wünschenswert

Dort werden dann hier und da Diskussionen hörbar, was „skordiert“ bedeute, bezogen aufs Solostreichinstrument in der Sonate für Traversflöte, Violine und Continuo BWV 1038, die zuvor erklungen war. Man vernimmt allerlei Vermutungen, aber nicht, dass eine Skordatur das Umstimmen der Instrumentensaiten zwecks Veränderung der Klangfarbe ist. Schade, dass die gute alte Bachakademie-Kultur der musikalischen Aufklärung sehr löchrig geworden ist. Ein vierseitiger Programmzettel mit Ablauf plus gleichförmigen PR-Bios der Solisten und Solistinnen – das ist läppisch.

Der Gepard unter den Tasteninstrumenten

Weswegen sich auch die merkwürdige BWV-Nummer 1061.2 nicht erschließen will, die eine Bach’sche Bearbeitung einer Bearbeitung (1061a) eines ursprünglich vermutlich für zwei Cembali ohne Orchester geschriebenen Werks (BWV 1061) meint. Allein durch diese Information wäre zumindest angedeutet, warum das Orchester in diesem Stück so hörbar unterbelichtet und im Adagio-Mittelsatz gar ganz stumm blieb. Die beiden Cembalistinnen Michaela Hasselt und Arianna Radaelli jedenfalls machten deutlich, warum das Cembalo als der Gepard unter den Tasteninstrumenten gilt, was auch an diesem Abend zum sportiven Geschwindigkeitsrausch führte, weswegen strukturelle Klarheit und atmendes Phrasieren aus den glitzernd-klirrenden Klangkaskaden der beiden Zupfflügel kaum herauszuhören waren. Das Publikum hatte mit solchen Nörgeleien nichts am Hut, freute sich riesig und erjubelte sich entsprechend Zugaben.