Jürgen Kaisers Buch über knitze Schwaben und der Autor selbst beim Höflesmarkt in Feuerbach, als er über den Förderpreis informierte. Foto: Susanne Müller-Baji

Jürgen Kaiser legt sein neues Buch vor und hat den Förderpreis „Feuerbacher Biber“ initiiert.

Stuttgart-Feuerbach - Schwaben findet man auf der ganzen Welt und die besonders pfiffigen haben viel bewirkt. Von ihnen handelt Jürgen Kaisers neues Buch „Wie knitze Schwaben die Welt veränderten“. Und weil man von so viel Einfallsreichtum nur lernen kann, hat Kaiser zusammen mit der Stiftung „Zeit für Menschen“ der Samariter-Stiftung den Gemeinwohlpreis „Feuerbacher Biber“ initiiert, der knitze Feuerbacher Projekte fördert.

Vor dem Erfolg stand für viele Schwaben der Weg in die Fremde. „Seine Heimat gibt man nicht ohne Not auf“, schreibt Kaiser aber im Vorwort: Das viel gerühmte Tüftler-Gen sei ein Produkt der hiesigen Real-Erbteilung, die zwar gerecht war, aber schnell für keinen mehr genug zum Leben abwarf. Hinzu kam die frühe Einführung der Schulpflicht. Hunger und Bildung, eine explosive Mischung, auf die Adel und Obrigkeit mit totaler Überwachung reagierten. Die Folge war der Typus des misstrauischen, „verhockten“ Schwaben. Andere aber suchten ihr Glück in der großen weiten Welt, wo mit einem Mal alles möglich war.

Jürgen Kaiser hat nach dem ersten Band der Serie „Daheim verkannt – in der Welt bekannt“ wieder eine Reihe von verblüffenden Erfolgsgeschichten zusammengetragen: Zum Beispiel von Jakob Mayer (1813 bis 1875) aus Dunningen bei Rottweil. Sein Wissen über die Stahlherstellung eignete er sich im englischen Sheffield an, zurück in Deutschland brachte er seinen erbitterten Konkurrenten Alfred Krupp zur Weißglut. „Hart wie Kruppstahl“? Mayer hätte damals müde gelächelt. Oder Arthur Carl Victor Schott (1814 bis 1875), der Stuttgarter, der die noch heute gültige Grenzlinie zwischen den USA und Mexiko vermessen hat. Von einer Mauer sei da aber keine Rede gewesen, kann sich Kaiser einen Seitenhieb auf den amerikanischen Präsidenten nicht verkneifen: „Nur weiß Trump das wohl nicht. Es wäre ihm vermutlich auch egal.”

Erzählen liegt dem Wahl-Feuerbacher im Blut. Schon in jungen Jahren sei es ihm gelungen, „hundert Jungscharler zweieinhalb Stunden bei der Stange zu halten“, sagt er – was ihm den Achtungstitel „Jungscharpapst von Kirchheim“ einbrachte. Danach lag eine Laufbahn als Pfarrer und Journalist nahe – lange leitete er das Evangelische Medienhaus in Stuttgart. Jetzt im Ruhestand bleibt ihm mehr Zeit für sein Steckenpferd: das Wesen der Schwaben historisch zu erkunden. Und der Nachfolgeband ist bereits für den kommenden Herbst angekündigt: Kaiser hat so viele knitze Schwaben recherchiert, dass es nun gleich für zwei Bücher reicht.

So findet er auch Zeit für seine zweite Herzensangelegenheit: Jürgen Kaiser hat zusammen mit der Samariter-Stiftung den Gemeinwohlpreis „Feuerbacher Biber“ initiiert. Bewerben können sich Initiativen, Gruppen oder Einzelpersonen, die etwas bewirken in Feuerbach oder die vom Stadtbezirk in die Welt hinaus strahlen. Das beste Projekt wird mit einem Preisgeld von 1000 Euro belohnt und erhält eine Biber-Trophäe. Ein ähnlicher Preis, der „Kornwestheimer Löwe“, den er mit dem dortigen Lions Club angeschoben hat, habe für spannende Vorschläge gesorgt, freut sich Jürgen Kaiser auf Bewerbungen.