So funktioniert die Umgehung der schlüssellosen Systeme für Autodiebe Foto: ADAC

Immer öfter geraten Porsche-Besitzer ins Visier organisierter Autodiebe. Offenbar haben die Täter nun auch bei der Sportwagenmarke die Achillesferse gefunden.

Stuttgart - Und wieder passiert es auf dem Killesberg. Wer weiß, wo der rote Porsche 911 im Wert von 120 000 Euro gelandet wäre, wenn am Mittwoch um 2.50 Uhr nicht ein Spaziergänger unterwegs gewesen wäre. Der sichtet nachts in der Menzelstraße einen Porsche-Fahrer, der bei laufendem Motor aussteigt und in einem Grundstück verschwindet. Der Zeuge alarmiert die Polizei, die nach wenigen Minuten erscheint und den Fahrzeughalter im nahen Adolf-Fremd-Weg aus dem Schlaf reißt. Schnell stellt sich heraus: Der Porsche sollte gestohlen werden!

Wieder ein Porsche. Bereits am 24. Januar war ein paar Straßen weiter, in der Hermann-Pleuer-Straße, ein Porsche Panamera für 160 000 Euro verschwunden. Der Wagen wurde an einer Autobahn in Tschechien gefunden. Am vergangenen Mittwoch ließen Unbekannte auf dem Fleckenweinberg auf der Feuerbacher Seite des Killesbergs einen Porsche Macan Turbo mit einem Zeitwert von 70 000 Euro mitgehen.

Wie verschwinden Autos vor der Haustür?

Eine Serie von Porsche-Diebstählen zieht sich seit wenigen Wochen quer durch die Region, die Tatorte sind freilich über ganz Deutschland verteilt. Am Ostersonntag etwa verschwindet ein Porsche Macan S in Heilbronn. Der Wagen war vor dem Wohnhaus abgestellt. Am Wochenende davor drangen Unbekannte in Ostfildern-Kemnat (Kreis Esslingen) in ein Autohaus ein, fanden die Originalschlüssel, nahmen gleich zwei Porsche mit – einen 911 Carrera 4 S und einen 911 Turbo. Gesamtwert: etwa 140 000 Euro.

Doch wie konnten die Sportwagen vor der Haustüre verschwinden? „Dazu können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben ­machen“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Andere Dienststellen sind da ­offener: „Das Problem sind die sogenannten Keyless-Go-Systeme“, heißt es bei der Polizei in Osnabrück, wo zwei Porsche verschwanden. Schlüssellos und weg. Das Phänomen reicht von Erlangen bis Soest, von Recklinghausen bis Bergisch Gladbach.

Einsteigen, losfahren – ohne Schlüssel in der Hand

Bei Porsche heißt die Technik: Entry & Drive, einsteigen und losfahren. Um ins Auto zu kommen, muss niemand den Schlüssel in die Hand nehmen. Die Signale in der Hosentasche reichen dem Auto aus, um den Besitzer zu erkennen. Ein Porsche-991-Besitzer ist begeistert: „Schlüssel rausholen ist so was von Steinzeit und unpraktisch – geht gar nicht mehr.“ Doch dieser Auffassung sind offenbar auch die Auto­diebe. Denn mit der Funkschlüsseltechnik lassen sich Autos so einfach wie nie öffnen und wegfahren. Die Masche: Ein Täter stellt eine Tasche mit einem Funkreichweiten-Verstärker an die Haustür. Das schwache Signal vom Schlüssel hinter der Tür wird aufgenommen und nach draußen verstärkt. Dort steht der Komplize mit einem Empfänger, der dem Auto den richtigen Code vortäuscht.

„Die Berichte nehmen wir sehr ernst“, sagt Porsche-Sprecherin Elena Storm, „wir analysieren das sehr genau und tauschen uns mit Polizei und Versicherungswirtschaft aus.“ Freilich ist nicht nur Porsche betroffen: Die Sesam-öffne-dich-Technik wird auch bei anderen Herstellern eingesetzt – von BMW bis Mercedes. „Wir haben 19 Fälle in Baden-Württemberg“, sagt Ulrich Heffner vom Landeskriminalamt. Die Hitliste hier: 13 Mercedes, fünf Porsche, ein Audi. Schutzlos sei man nicht, sagt Heffner. Wird der Funkschlüssel in Alufolie, einer Metalldose oder im Kühlschrank aufbewahrt, können die Signale nicht nach außen dringen.

Der Porsche-Dieb wird kurz gesehen

Auf dem Killesberg sollte man die Garage benutzen. Dort verschwanden auch zwei AMG-Mercedes für insgesamt 250 000 Euro.

Der gescheiterte Porsche-Dieb vom Mittwoch wurde von der Polizei noch kurz gesichtet: Helle, mittellange Haare, 1,75 bis 1,80 Meter groß, dunkel gekleidet. Er rannte in den Höhenpark Killesberg, entkam trotz Hubschrauberfahndung. Hat ihn jemand gesehen? Hinweise an 07 11 / 89 90 - 57 78.

Von Audi bis Mercedes: Diebestouren in der Region

25. März – Vorsicht, Kamera: In der Straße Fleckenweinberg auf dem Stuttgarter Killesberg wird ein Porsche Macan gestohlen, der am Fahrbahnrand geparkt war. Um nicht erkannt zu werden, verdrehen die Diebe die Überwachungskamera, die auf den Porsche gerichtet war.

16. März – Spurlos, ratlos: Ein schwarzer Range Rover verschwindet in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg). Der schwarze Wagen im Wert von 40 000 Euro war im Finkenweg abgestellt. Die Polizei rätselt: Wie die Täter vorgingen, ist nicht bekannt.

10. bis 12. März – Wie am Fließband: In der Lenbachstraße in Stuttgart-Nord wird ein AMG-Mercedes für 120 000 Euro gestohlen. Die Täter schlagen auch in Möhringen zu. Beute: Ein Mercedes ML 500 für 89 000 Euro und ein Mercedes E 63 AMG für 80 000 Euro.

7. März – Verschlossen, kein Problem: In Weissach, Kreis Böblingen, verschwindet ein Audi Q 5 mit einem Zeitwert von 30 000 Euro. Der Wagen stand verschlossen vor einem Haus, niemand merkte was.

27. Februar – Sie kamen wieder: In Sillenbuch werden zwei Mercedes für 150 000 Euro gestohlen. Bereits im Januar verschwand hier ein Mercedes für 90 000 Euro.

31. Januar – Markenwechsel: Ein AMG-Mercedes wird im Adolf-Fremd-Weg auf dem Killesberg entwendet. Der Wagen ist 130 000 Euro wert. Später, am 30. März, wird in dieser Straße ein Porsche-Dieb auftauchen.

24. Januar – Wieder da: Ein Porsche Panamera wird in der Hermann-Pleuer-Straße im Norden gestohlen und bleibt in Tschechien stehen.

13. Januar – Spritmangel: Ein in Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) gestohlener Mercedes für 140 000 Euro kommt bis Heilbronn. Dann geht ihm der Sprit aus.