Vor der Anschlussstelle Böblingen/Sindelfingen soll auch ein 850 Meter langer Lärmschutzdeckel gebaut werden. Foto: factum/Weise

Nach Angaben des Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle (CDU), werden die Pläne für den sechsspurigen Ausbau der A81 in Böblingen noch im Mai abgesegnet. Mit dem Baustart ist allerdings wohl erst im Jahr 2019 zu rechnen.

Böblingen - „Bei uns hat sich Ungeduld ausgebreitet. Was man uns in Berlin zumutet, das ist schon lange nicht mehr nachvollziehbar“, schreibt Hans Ambros, der Sprecher der Bürgerinitiative Leise A81 in einer Mail an den CDU-Bundestagsabgeordneten Clemens Binninger. Im Mai vergangenen Jahres waren die Pläne für den Ausbau der Autobahn 81 zwischen Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost zur Genehmigung in Berlin eingereicht worden.

Acht bis neun Monate Zeit zur Prüfung der Unterlagen hatte Binninger jüngst als „normal“ bezeichnet. Nun wird es doch wieder ein wenig später. Norbert Barthle, der Bundesstaatssekretär im Verkehrsministerium, ließ kürzlich verlauten, dass die Pläne in diesem Mai genehmigt werden sollen. Das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) geht nun von einem weiteren zeitlichen Verzug von rund vier Monaten aus, so dass der Baustart nun wohl erst im Jahr 2019 möglich wird.

„Für alle überraschend“, so der grüne Landtagsabgeordnete Bernd Murschel, hatte Barthle jüngst die Kunde übermittelt, dass der Bund nun grünes Licht für den Ausbau gebe. „Das ist ein positives Signal“, stellt Murschel fest. Jedoch müssten die Pläne erst wieder dem RP vorliegen, bevor es weitergehen könne. „Wenn das der Fall ist, benötigen wir erneut ein paar Monate, um das Planfeststellungsverfahren einzuleiten“, sagt RP-Sprecher Robert Hamm. Das könne bis Ende des Jahres dauern.

Den Streckenabschnitt passieren täglich im Schnitt 120.000 Fahrzeuge

Danach setzt er ein weiteres Jahr an, bis die Pläne von den Behörden geprüft und mögliche Einwände der Bürger berücksichtigt worden sind. Ende des Jahres 2016, so der neue Zeitplan, könne die internationale Ausschreibung der Bauarbeiten erfolgen. Nach etwa einem weiteren guten Jahr solle dann alles unter Dach und Fach sein, so dass mit den Bauarbeiten voraussichtlich Anfang 2019 begonnen werden könne.

Der erste Entwurf für die Verbreiterung der 7,1 Kilometer langen Strecke auf sechs Spuren mit jeweils einem Standstreifen in jede Richtung sowie für den Bau eines 850 Meter langen Lärmschutzdeckels hatte bereits im Jahr 2009 vorgelegen. Die Planer im RP hatten die Entwürfe immer wieder überarbeitet. Zum Beispiel wurden letztlich auch Standstreifen unter dem Deckel als notwendig angesehen. Überdies mussten für den Bau, der bei fließendem Verkehr erfolgt, Ersatzspuren ausgetüftelt werden. Und nicht zuletzt waren die Pläne auch längere Zeit liegen geblieben, weil Stuttgart 21 Vorrang hatte, wie der Regierungspräsident Johannes Schmalzl einmal selbst eingestanden hatte.

„Der Landkreis wartet seit Jahren auf einen echten Fortschritt bei diesem Projekt“, schrieb Landrat Roland Bernhard am Dienstag an Barthle. Daher tue dessen Ankündigung gut, dass die Pläne nun auf den Weg gebracht würden. „Unsere Wirtschaft leidet seit Jahren an diesem Nadelöhr mit Auswirkungen, die weit über den Kreis hinaus zu spüren sind. Das sehen auch die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer so“, so Bernhard weiter. Den Streckenabschnitt passieren täglich im Schnitt 120 000 Fahrzeuge. Oft kommt es zu Staus. Rund 10 000 Anwohner haben Lärm und Auspuff­gase zu ertragen. „Bei uns wächst das Unverständnis“, sagt Ambros. Aus den Ministerien war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

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