Moderatoren-Duo Zietlow/Bach. Foto: RTL

Ab Januar reist RTL wieder in den australischen Urwald. Wir haben uns das Lager angesehen.

„Die Prominenten leben im realen und echten australischen Dschungel – und dieser ist der gefährlichste der Welt.“ Sagt RTL. Und weil der Sender das ab dem 13. Januar wieder täglich bis zu acht Millionen Zuschauern vorführt, hat er sicher nichts dagegen, wenn man mal vor Ort im Camp vorbeischaut zum Kurzbesuch bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“. Etwa, um wichtige Fragen zu klären: Warum hat der Camp-Tümpel „im realen und echten australischen Dschungel“ eine Teichfolie? Oder: Wieso stehen die Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach im strömenden Regen, während die Promis wenige Meter weiter knochentrocken am Lagerfeuer lungern? Vor allem aber: Welche Tiere und Pflanzen machen den australischen Dschungel eigentlich so gefährlich?

Um den realen und echten Dschungelfaktor des 90 Autominuten südlich von Brisbane gelegenen Camps beurteilen zu können, sind eigene Erfahrungen bestimmt gut. Andy Ruddock hilft gern dabei, 1900 Kilometer nördlich vom Camp im subtropischen Regenwald. Er schippert seine Gäste im Motorboot über den Daintree River – das Revier von „Scarface“ und „Fat Albert“. Zwei Krokodil-Machos, die den Fluss beherrschen – mit Prügeleien, gerne und oft gefilmt von Touristen. Beide Krokodile sind so inzwischen Medienstars bei YouTube, in Zeitungen und im TV, auch weil „Fat Albert“ im November 2009 an einem Ausflugsboot hochstieg und neben den verschreckten Touristen in die Reling biss, wie Andy vergnügt erzählt.

Seine Gäste rücken instinktiv enger zusammen. Ob Krokodile immer so aggressiv seien, fragt einer. „Nun ja“, sagt Andy, Jeremy, ein fünfjähriger Junge, sei im Februar 2009 von einem Croc gefressen worden, ein paar Flussbiegungen weiter oben. Aber aggressiv seien die bis zu fünf Meter langen Echsen nur während der Brutzeit. Ebenso wie die grüne Baumschlange, die sich – „Guckt mal da“ – gerade über den Köpfen auf einem Ast entlangschiebt. Tierische Begegnungen, spannender als jede KakerlakenDusche im Dschungelcamp.

Einige Gäste wollen erfahren, was es wirklich heißt, im Dschungel zu campen

Weiter geht’s in Richtung Camp mit Zwischenstopp im Örtchen Mossman zur Nachhilfe in einheimischer Pflanzenkunde bei Roy Gibson. Der heute 64-jährige Aborigine ist ein Dschungelkind. „Garrnar“ („kleiner Dingo“) war sein Spitzname, weil er als Junge stets mit den Stammesältesten in den Regenwald stromerte. Heute führt er Touristen durch und warnt sie vor unscheinbaren Bäumen mit grünen Blättern. Wer den „Black Tar“ anfasst, wird Sekunden später von höllischem Jucken und Schwitzen gepeinigt. Der Stinger-Tree daneben löst brennenden Schmerz aus, allein zu lindern mit Urin, sagt Roy: „Bloß kein Wasser drauf, das macht alles nur noch schlimmer.“ Deutsche Dschungelcamp-C-Promis könnten bei Roys Ausflügen auch lernen, wie die Ureinwohner regendichte Hütten aus Baumrinde bauen und dem sogenannten „Wait-a-while“-Strauch wieder entkommen. Der heißt so, weil man – einmal in seinen Tentakeln verheddert – schon eine Weile warten muss, bis eine kräftige Heckenschere die Befreiung bringt.

Noch etwa 80 Kilometer Luftlinie bis zum Dschungelcamp – O’Reillys Guesthouse, eine rustikale Ferienanlage, 1000 Meter hoch gelegen, fast auf dem Dach des Regenwaldes. Wilde Papageien hautnah beobachten, seltsame einheimische Tiere wie den tapsigen Tüpfelbeutelmarder erleben oder auf dem „Tree Top Walk“ – schwankenden Hängebrücken zehn Meter über dem Boden – durch Regenwaldwipfel pirschen: Dafür fahren viele die enge, einspurige Serpentinenstraße hoch. Und einige Gäste wollen hier erfahren, was es wirklich heißt, zehn Tage im Dschungel zu campen – gezwungenermaßen. „Stinson Walk“ heißt dieser anstrengende 35-Kilometer-Tagesmarsch zur Absturzstelle eines Stinson-Propellerflugzeugs. 1937 krachte es infolge eines Wirbelsturms in den Regenwald. Von insgesamt sieben Menschen an Bord krochen nur drei lebend aus dem Wrack. Rettungsdienste suchten tagelang in falschen Regionen des undurchdringlichen Dschungels und gaben schließlich auf.

Da machte Bernard O’Reilly, damaliger Chef des Gästehauses, sich auf, schlug sich allein mit einer Machete durch, zu der von ihm vermuteten Absturzstelle. Und tatsächlich: Nach gut einem Tag fand er zwei Schwerverletzte, abgemagert und völlig erschöpft, nachdem sie nur mit selbst geschöpftem Wasser und Beeren überlebt hatten. Tim O’Reilly, Großneffe des Retters Bernard, führt heute auf dessen Spuren Gäste über kaum markierte, verwilderte Pfade, Geröll und durch schlammige Täler zum Gedenkstein an der Absturzstelle – nur 30 Kilometer Luftlinie vom Dschungelcamp-Drehort entfernt. Dabei erzählt Tim die Geschichte dieser in ganz Australien bekannten Helden-Saga. Möchtegern-Dschungelcamper lernen hier, dass es für die Verunglückten zwar eklig, aber überlebenswichtig war, sich von Maden bekrabbeln zu lassen, denn die fraßen den gefährlichen Wundbrand weg.

Hotels und Gaststätten leben sehr gut von dem TV-Spektakel


Ankunft in Murwillumbah, 8000 Einwohner, eine Durchgangsstraße. Zum Dschungel-Camp? Die Antwort kennt hier jeder, Hotels und Geschäfte leben sehr gut vom TV-Spektakel im Ort: „Fahrt die Dungay Creek Road hoch, bis zum Ende.“ Diese schmale Straße schlängelt sich nun keineswegs durch Dschungel, sondern eher durch ein hügeliges Heidi-Land mit Kühen, Laubwald und Lichtungen, vorbei an Einzelgehöften und Wohnhäusern. Plötzlich eine Schranke, mit grüner Holzbude daneben. Heraus springt ein Türsteher in Tarnuniform mit Funkgerät und Schlagstock, notiert das Auto-Kennzeichen und bellt: „Whaduyuwant?“ – „Das Camp besichtigen.“ Er faucht ein grimmiges „No!“ dazwischen, befiehlt sofortiges Umdrehen und Abhauen! Deutschlands Urwald-Big Brother für Hobby-Voyeure, dieses Pfadfinderlager der Schaben-Freude – so verschlossen wie eine Sträflingskolonie.

Um so offener dagegen die Erzählungen von ehemaligen Camp-Mitarbeitern in Murwillumbah: Eine alte Bananenfarm sei das Camp, umgebaut zum Schummel-Dschungel, mit Nebelmaschinen, künstlichen Teichen, einer Plastikplane gegen Regen und garantiert nur mit völlig ungefährlichen Tieren, von RTL-Mitarbeitern persönlich ausgesetzt.

Australien

Anreise
Mehrere Fluggesellschaften wie Cathay Pacific (www.cathaypacific.com) oder Quantas (www.qantas.com) fliegen von Frankfurt nach Brisbane und Cairns im Norden des australischen Ostküstenbundesstaats Queensland.

Übernachten
Besonders gediegen wohnt man in der Franklin Villa, einem Bed & Breakfast im viktorianischen Herrenhaus in Brisbane. Doppelzimmer ab 80 Euro pro Nacht (www.franklinvilla.com). Wer schlafen möchte wie die Dschungelstars vor und nach dem Camp-Aufenthalt, steigt im Palazzo Versace an der Gold Coast ab. Das Hotel im venezianischen Stil mit reichlich Mosaiken und Säulen, Plüsch und Riesenpool bietet Doppelzimmer ab 330 Euro (www.palazzoversace.com).

Reisezeit
In ganz Queensland, vom tropischen Norden bei Cairns bis in den gemäßigten Süden bei Brisbane, gilt: Die Monate Januar bis März, manchmal sogar April, sind schwülheiß und regnerisch. Von Mai bis November, also vom australischen Herbst bis Frühjahr, ist die ideale Reisezeit. Selbst im Winter (Monate Juni bis August) kann man an sonnigen Tagen in Queensland in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs sein. Aber: unbedingt die Haut mit hohem Lichtschutzfaktor vor Sonnenbrand schützen!

Attraktionen
Daintree River Experience mit Andy Ruddock täglich ab 16 Uhr. Etwa 37 Euro pro Person (www.daintreecruises.com). Rainforest Walking Tour in Mossman inklusive Hin- und Rückfahrt von Port Douglas ab 36Euro pro Person (www.btstours.com.au).

Stinson-Touren: O’Reillys Rainforest Retreat bietet ein Paket mit zwei Übernachtungen, Frühstück, geführter Tageswanderung, Rücktransport und Dinner für etwa 375 Euro pro Person an. Dafür ist extrem hohe Fitness eine Grundvoraussetzung (www.oreillys.com.au). Kürzere und leichtere Wanderungen bietet unter anderem der Guide Martin Worth (www.martinworth.com).

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