Grüntöne spielen eine Hauptrolle in der aktuellen Ausstellung des Kunstraums Weinstadt Foto: Gottfried Stoppel

Seit rund sechs Jahren spornen sich die Mitglieder der Gruppe Kunstraum Weinstadt gegenseitig zum kreativen Arbeiten an. In Beutelsbach sind nun passend zum Gartenschau-Jahr bis zum 10. März Arbeiten unter dem Titel „Grün erleben“ zu sehen.

Weinstadt - Die Vielfalt auszuhalten, das mache den Kunstraum Weinstadt aus, charakterisiert Simone Scharmann-Schäfer das wesentliche Element der Weinstädter Künstlergruppe. Scharmann-Schäfer ist eines von derzeit elf Mitgliedern. Dass diese die Vielfalt nicht nur aushalten, sondern dass diese auch ihre Kreativität anspornt, das zeigt die aktuelle Ausstellung der Gruppe in der Galerie des Rathauses Beutelsbach eindrücklich.

„Grün erleben“ haben die Freizeitkünstler ihre Schau genannt. „Sie soll ein Türöffner zur Gartenschau sein“, erklärt Bernhard Wanzel die Idee dahinter. Vor einem halben Jahr haben sich die Gruppenmitglieder gemeinsam dieses Arbeitsthema gestellt. „Einmal im Monat treffen wir uns zum Stammtisch. Da wird dann diskutiert, was geplant ist“, führt Gertrud Deppe aus. Zudem biete der Treff Gelegenheit, den anderen seine Bilder zu zeigen, Fragen zu stellen und über Techniken zu reden, ergänzt Scharmann-Schäfer: „Und manchmal macht man dann in der Technik auch einen Sprung“ – so wie sie bei einem ihrer Werke für die Ausstellung zum Auftakt des Gartenschaujahrs.

Ölgemälde, Acrylbilder, Skulpturen

„Eigentlich bin ich Malerin, doch ich wollte einmal etwas anderes machen“, sagt die 36-Jährige aus Schnait und deutet auf ihre erste plastische Arbeit. Aus einer Nussschale, die von einer grünen Hand über einem Meer aus Cent-Münzen gehalten wird, sprießt ein Pflänzchen, das sich wiederum nach unten zu verwurzeln versucht. „Ich wollte zeigen, dass man erst etwas investieren muss, damit etwas entsteht“, erläutert Scharmann-Schäfer ihr Werk, das unverkennbar Parallelen zur Remstal-Gartenschau und ihren Projekten aufweist. Die Fruchtbarkeit des Remstals war auch Gertrud Deppe ein Anliegen, indes auf völlig andere Art und Weise. Einem Stillleben gleich hat die 78-jährige Beinsteinerin von hellem Grün eingefasstes Obst und Gemüse in Acryl auf die Leinwand gebracht.

In Kontrast zu Gertrud Deppes sehr gegenständlicher Malweise steht Bernhard Wanzels Bild „164/16“. In einem mosaikhaften Netz aus Planquadraten hat der 68-Jährige, der aus Beinstein kommt, die an 164 Tagen stattfindende Gartenschau und die 16 Teilnehmerkommunen dargestellt. Für Eugen Hensle, der in Endersbach ein eigenes Atelier hat und sich neben der Akt- vor allem der Landschaftsmalerei verschrieben hat, war das Arbeitsthema gewissermaßen ein Heimspiel. So laden die Ölgemälde des 76-Jährigen dazu ein, in ihrem tiefen Grün abzutauchen und den Alltag hinter sich zu lassen.

Kreative Amateure

Die Vielfalt auf den Leinwänden entspricht auch der Vielfalt an Künstlerpersönlichkeiten, die sich im Kunstraum Weinstadt zusammengeschlossen haben. Da ist beispielsweise Bernhard Wanzel als gelernter Grafiker, Eugen Hensel, der eine Firma für Sortiertechnik und Sondermaschinenbau leitete, die fünffache Mutter und zwölffache Oma Gertrud Deppe, die sich über ein Fernstudium künstlerisch weitergebildet hat, oder Simone Scharmann-Schäfer als Steuerfachangestellte, die jetzt als Mutter Zeit gefunden hat, sich mehr der Kunst zuzuwenden. Nur eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle sind Amateure.

Genau das sei das Ziel des Kunstraum-Initiators Mohammed Hbabcha gewesen, sagt Wanzel: „Er wollte Leuten, die Kunst nur als Hobby machen, eine Plattform bieten, ihre Kreativität der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Zudem habe der mittlerweile verstorbene Porträtmaler, der aus Marokko stammte, mit dem 2013 in Weinstadt neu gegründeten Kunstverein eine Lücke schließen wollen.

Inzwischen haben die Kunstraum-Mitglieder indes das Korsett der Vereinsbürokratie abgeworfen und firmieren nun als offene Gruppe mit wechselnden Mitgliedern. Die freie Organisationsweise, bei der jeder verantwortlich sei, habe sich bewährt, sagt Scharmann-Schäfer. Der Beweis sind die regelmäßigen Ausstellungen der Gruppe. Die nächste Schau ist bereits in Planung. Dann will der Kunstraum in der Vinothek Traube in Strümpfelbach seine Farbenvielfalt präsentieren.

Wo und wann man die Bilder sehen kann

Die aktuelle Ausstellung des Kunstraums Weinstadt „Grün erleben“ ist bis zum 10. März in der Galerie im Rathaus von Weinstadt-Beutelsbach, Marktplatz 1, zu sehen. Die Ausstellung kann montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 19 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden. An den Sonntagen sind Vertreter des Kunstraums vor Ort.

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