Das Württemberg-Haus zeigt Kunst über Endersbach und Strümpfelbach. Foto: G. Stoppel

Zum 50-Jahr-Jubiläum des Zusammenschlusses der Weinstädter Teilorte zeigt das Württemberg-Haus Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Schau bietet kostenfreie Einblicke in die Geschichte.

Relativ unscheinbar wirkt die Vitrine in der Mitte des großen Ausstellungssaals im Obergeschoss des Württemberg-Hauses – auf den ersten Blick. Denn ihr Inhalt bildet den Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Sonderausstellung „Endersbach und Strümpfelbach im Bild“, für das der Stadtarchivar und Kurator der Schau zahlreiche Zeichnungen und Gemälde von den beiden Ortschaften aus städtischen Beständen hervorgeholt hat. Zudem dokumentiert sie die zarten Anfänge des heutigen Weinstadt durch den Zusammenschluss von Endersbach und Strümpfelbach, der sich in diesem Jahr zum 50. Mal gejährt hat.

 

Am 29. Dezember 1972 war es, dass die damaligen Bürgermeister der beiden Ortschaften sowie jeweils die gesamten Gemeinderäte die Vereinbarung zur Eingliederung von Strümpfelbach unterzeichnet haben. Das Original ist in der Vitrine ausgestellt. Die Eingliederung solle ein erster Schritte sein für den Zusammenschluss der fünf Gemeinden im Unteren Remstal, ist darin unter Paragraf zwei zu lesen. Das Ziel sei es diesen nicht zu hemmen, sondern zu fördern. „Das war bewusst nur ein Zwischenschritt“, kommentiert Breyvogel. Zum 1. Januar 1973 trat die Vereinbarung dann in Kraft – wobei von einer Liebesheirat der zwei Orte nicht die Rede sein kann.

Wie wurde den Kommunen die Fusion schmackhaft gemacht?

Durch größere Verwaltungseinheiten Kosten zu sparen, sei das Credo seit der 1960er Jahre gewesen, erklärt Breyvogel. Für diese Gemeindeverwaltungsreform habe das Land eine „Strategie von Zuckerbrot und Peitsche“ gefahren. Dabei winkten den Kommunen einerseits Fördergelder, wenn sie sich frühzeitig zusammen taten. Machten sie dies nicht, drohten ihnen andererseits Zwangszusammenschlüsse. „Die Förderung war sicher Treiber für den frühzeitigen Zusammenschluss von Endersbach und Strümpfelbach.“ Zumal die Enderbacher diese als „entscheidendes Argument“ eingesetzt hätten. „Sie versprachen den Strümpfelbachern, dass sie die Prämie komplett bekommen.“ Zuvor habe nämlich Stetten bereits im Jahr 1971 Strümpfelbach ein Eingliederungsangebot gemacht, das jedoch politisch nicht durchsetzbar gewesen sei.

Der Ruf eines wirtschaftsstarken Ortes klang verlockend

Für das damals hoch verschuldete Strümpfelbach war die Offerte des wirtschaftlich gut dastehenden Endersbach offenbar verlockend. „Das hat die Entscheidung erheblich beschleunigt und auch den Bürgerentscheid beeinflusst.“ 58 Prozent der Strümpfelbacher stimmten bei einer in etwa eben so hohen Wahlbeteiligung am 26. März 1972 für den Zusammenschluss – kurz bevor die Förderung im April 1972 geendet hätte, merkt Breyvogel an. Das Ergebnis des monetären Arguments ist noch heute in Strümpfelbach sichtbar: der Kindergarten Hauptstraße, der ebenfalls sein 50-Jahr-Jubiläum feiern kann.

Derweil spiegeln die Gemälde und Grafiken rund herum in den beiden Ausstellungsräumen wider, welchen Niederschlag Endersbach und Strümpfelbach künstlerisch gefunden haben. Bewusst habe er Fotografien außen vor gelassen und sich auf Werke aus dem 20. Jahrhundert beschränkt, erläutert Breyvogel. Bezeichnend sei hierbei, dass von Strümpfelbach mehr Bilder entstanden seien – was indes angesichts von dessen Ruf als „malerisches, gut erhaltenes Fachwerkdorf“ nicht verwundere. Die Ausstellungskonzeption gebe dies wieder, indem die Bilder von Strümpfelbach den größeren der beiden Räume füllten.

Gemälde von Hobbyzeichnern und namhaften Künstlern

Reizvoll für den Betrachter ist, dass sich neben den Werken professioneller Künstler auch welche von Hobbymalern finden. So hängen Zeichnungen des Endersbacher Malermeisters Eugen Rühle wie selbstverständlich nebst Gemälden von Fritz Kaiser, Hermann Umgelter und Fritz Nuss an den Wänden, sind Bilder aus dem Strümpfelbacher Heimatbuch des Schulmeisters und künstlerischen Autodidakten Walter Nimmerrichter in einer Vitrine gemeinsam ausgestellt mit den professionellen Zeichnungen, die der Künstler Erich Pörner im Auftrag der Gemeinde gefertigt hat. Bei manchen Gemälden könne er indes wegen schwer lesbarer Signaturen nur mutmaßen, von wem sie stammten, sagt Breyvogel, bis hin dazu, dass ihre Urheber unbekannt blieben.

Kostenfreie Einblicke

Öffnung
Die Ausstellung „Endersbach und Strümpfelbach im Bild“ ist im Württemberg-Haus, Stiftstraße 11 in Beutelsbach, bis zum 5. November zu sehen. Geöffnet ist sie samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr sowie auf Anfrage unter der Nummer 0 71 51/9 85 47 98 oder per E-Mail an wuerttemberg-haus@weinstadt.de. Der Eintritt ist kostenfrei. Es können Führungen gebucht werden für 3 Euro pro Person.

Termin
Der Stadtarchivar und Kurator der Schau, Bernd Breyvogel, stellt am Donnerstag, 12. Oktober, von 19 Uhr an die Ortsansichten vor. Das Angebot ist kostenlos.