Ausstellung in Geislingen Kunst wirbt für Frieden

Von Corinna Meinke 

Die  „Spur“ der Stadt Geislingen ist nur eine von 50 „Spuren“ im Alten Bau. Foto: Dietewich/Veranstalter
Die „Spur“ der Stadt Geislingen ist nur eine von 50 „Spuren“ im Alten Bau. Foto: Dietewich/Veranstalter

Alles begann mit einer Radtour von Lissabon nach Warschau, seither sammelt die Stuttgarter Künstlerin Klaudia Dietewich Zeichen aus Städten weltweit, die jetzt in Geislingen gezeigt werden.

Geislingen - Mit dem Friedens- und Kunstprojekt „50 Städte, 50 Spuren“ der Stuttgarter Künstlerin Klaudia Dietewich startet der Kunst- und Geschichtsverein Geislingen ins Ausstellungsjahr. Weil sich die Unterzeichnung des internationalen Atomwaffensperrvertrags 2018 zum 50. Mal jährt, möchte Dietewich die Ächtung von Atomwaffen mit ihren künstlerischen Mitteln unterstützen. Dietewich hat sich als Partner Städte ausgesucht, die dem internationalen Bündnis „Bürgermeister für den Frieden“ angehören. Deutschlandweit sind das 548 Kommunen – auch Geislingen gehört dazu.

Bürgermeister für den Frieden sind die Partner

Es liege wohl an Frank Dehmers Tempo, dass die Wanderausstellung „50 Städte, 50 Spuren“ ausgerechnet in Geislingen beginnt, vermutet Raimund Menges, der für die Aktion „Bürgermeister für den Frieden“ das Projektbüro Stuttgart leitet. „Da waren der Oberbürgermeister und seine Mitarbeiter wohl bei den Ersten, die sich beworben haben“ erklärt der Stuttgarter.

Der Organisation Bürgermeister für den Frieden war schon Dehmers Vorgänger Wolfgang Amann 2013 beigetreten. Das Bündnis, dem weitere zehn Kreiskommunen angehören, will die Verbreitung von Atomwaffen verhindern und deren Abschaffung erreichen. Die Wanderausstellung verändere immer wieder ein wenig ihr Gesicht, erklärt Menges, denn die Künstlerin verwende an jedem Ort eine andere Zusammenstellung von Spuren.

Das Projekt soll 2020 in einer Schau bei der UNO gipfeln

Tatsächlich verfüge Dietewich über einen großen Fundus solcher Spuren aus Städten von Hiroshima bis Mutlangen und von Tiflis bis Paris, heißt es im Begleitheft zu der Geislinger Schau. Das ganze Projekt, zu dem auch Schauen in europäischen Nachbarländern und in Übersee zählen, soll schließlich 2020 in einer Ausstellung bei der Uno in New York gipfeln.

„Soll das wohl ein Hundekopf sein?“ und „Wie kommt denn der Baum zustande?“ mögen sich Besucher der Ausstellung im Alten Bau fragen, sollten sie Deutungen für die Kunst von Klaudia Dietewich suchen. Auf den 50 Spurentafeln, die die Stuttgarterin aus 50 Städten weltweit zu dieser Schau zusammengestellt hat, laden die Zeichen ein, entdeckt zu werden. Je nach Lichteinfall ergeben sich dabei ganz unterschiedliche Farbeindrücke, und dank der gebürsteten Oberfläche der Aluminiumplatten, die Dietewich als Träger nutzt, schillert und glitzert es teilweise verheißungsvoll.

Öllachen, Farbspuren und Kaugummireste

Trotz dieser Effekte stimmt die Künstlerin eher leise Töne mit ihren Fotografien an, auf denen sie Spuren im urbanen Umfeld festhält. Egal, ob die Stuttgarterin Kaugummireste, Öllachen, Markierungen oder Ausbesserungen im Asphalt ins Bild setzt, immer sind es für sie „Schauplätze des Lebens, getränkt mit Erinnerungen. Durch die geografische und die zeitliche Fixierung gewinnen sie dokumentarischen Charakter und erhalten darüber hinaus als Symbol Bedeutung und Dauer“, erklärt Dietewich in einem Begleittext zu der Schau in der Geislinger Galerie.

Gleichzeitig spiegelten die Spuren auch den Zustand unserer Welt wider und das allmähliche Verschwinden der Motive durch Witterung und Abnutzung ziehe eine spannende Parallele zu unserer eigenen Existenz, behauptet die Künstlerin. Sie möchte anregen, genau hinzuschauen und die Welt mit ihrer Schönheit, Geschichte und ihren vielfältigen Hinterlassenschaften zu respektieren und zu bewahren.

Alles begann mit einer Radtour von Lissabon nach Warschau

Auf Spurensuche hat sich Dietewich erstmals bei einer Radtour von Lissabon nach Warschau begeben, als ihr eher zufällig die Zeichen auf Straßen und Plätzen ins Auge fielen. Später befasste sich die Künstlerin mit der Frage, welchen Beitrag Kunst zu einem gesellschaftlich und politisch relevanten Dialog leisten könne. Anlass war 2014 Dietewichs Teilnahme an dem trinationalen Kunstprojekt „Underground“ in der Maginot-Festung Schoenenbourg im Elsass. Damals beschloss Klaudia Dietewich, den bevorstehenden 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags zwischen den USA, Großbritannien und der damaligen Sowjetunion mit einem künstlerischen Projekt zu begleiten und auf diese Weise für mehr Frieden in der Welt zu werben.

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