Weshalb Märklin seine Baukasten-Linie in den 70ern recht schnell wieder einstellte, ist laut dem Ausstellungsleiter nicht bekannt. Foto:  

Eine Ausstellung in Ebersbach stellt eine wenig bekannte Produktlinie des Spielzeugherstellers aus Göppingen vor. Das Unternehmen stellte 1977 die Herstellung der unter dem Namen „Märklin plus“ verkauften Baukästen nach nur vier Jahren wieder ein.

Damals in den 70ern: Karel Gott singt „O Tannenbaum“, Hermann Prey „Stille Nacht“. Die Nadel des Plattenspielers kratzt etwas, unterm Tannenbaum liegen bunt eingepackte Märklin-Kartons. Oft ist eine Eisenbahn drin, manchmal aber auch „Märklin plus“. „Märklin plus“? „Kannte ich gar nicht“, sagt Uwe Geiger, Leiter des Stadtmuseums „Alte Post“ in Ebersbach. Also hat er die Baustein-Serie des vor allem für seine Modellbahnen berühmten Herstellers aus Göppingen nach Ebersbach geholt, zur traditionellen Weihnachtsausstellung.

 

Die „Klemmbausteine“ von Märklin plus kamen 1973 auf den Markt, und wer sie heute sieht, dem fallen zuerst die Steine des dänischen Baustein-Imperiums Lego ein. Die gab es schon seit 1949, sind aber etwas anders, niedriger, „eckiger und härter“, sagt Geiger. Tatsächlich fassen sich die Märklin-plus-Steine etwas weicher an. Und sie klemmen anders, unten in den Bausteinen sind viele dünne Rippchen, die sie auf den Noppen des darunter liegenden Steins halten, anders als bei Lego, dort sind es so eine Art Röhrchen.

Die Konkurrenz ist mit Lego und Fischertechnik stark

Märklin geht gleich zum Start in die Vollen, nicht nur mit bunten Steinen, auch mit Zahnrädern und Elektromotoren – mit einem Adapter-Stein lässt sich „Märklin plus“ auch mit den Teilen aus den Metallbaukästen kombinieren. Also ein technisches Spielzeug, einige Teile erinnern an die grau-rote Fischertechnik, die es damals schon unter die Bäume und in die Kinderzimmer geschafft hatte. Lego, Fischertechnik – die Konkurrenz ist damals groß, und Märklin hat bei „Märklin Plus“ keinen langen Atem.

Schon 1977 ist wieder Schluss, in den letzten Jahren werden die Bausteine – Zahnräder und Elektroantriebe gibt es da schon nicht mehr – in knallorangen Packungen unter dem Namen „Minex“ verkauft. Ob „Märklin plus“ einfach zu teuer war oder ob es im Hintergrund Patent-Streitigkeiten mit der Konkurrenz gab, die Gründe für das schnelle Aus sind letztlich „nicht bekannt“ sagt Museumschef Geiger.

Und wo hat er das alles her, das bestens ausgeleuchtet in den Vitrinen steht? Von Roland Schramm. Der sammelt alles rund um Weihnachten. „Tannenbaum, Bescherung und alles, was dazu gehört“, sagt Schramm. Tannenbaum und Bescherung – dazu gehörte ein paar Jahre lang auch Märklin plus.

Und wenn Schramm mal anfängt mit dem Sammeln, dann macht er das auch ordentlich. Er hat nicht nur verschiedene Packungen mit Steinen, Zahnrädern und Elektromotoren zusammengetragen, auch Plus-Prospekte aus den wilden 70ern hängen an der Wand, und eine Kopie der Patent-Schrift, mit der Märklin die Klemmbausteine beim Patentamt angemeldet hat.

Verzweifelt gesucht: der Märklin-Pullover von 1973

Gleich daneben liegt ein „Fix-und-Foxi“-Heft vom Sommer 1973, darin startete Märklin die Werbekampagne zur neuen Serie „Märklin plus“. Wer den dort abgedruckten Gutschein zu Märklin in „732 Göppingen“ schickte, bekam ein Tütchen mit ein paar Bausteinen. So ein Tütchen, noch geschlossen, hat Schramm natürlich auch.

„Nur der Pulli fehlt.“ Märklin hatte damals 10 000 Pullover unter den Einsendern verlost, aber so ein Ding hat Schramm bisher nicht gefunden – nicht mal in der Märklin-Zentrale in Göppingen wissen sie noch, wie dieser Pulli aussah, erzählt Schramm. Wer es weiß oder gar noch einen hat: bitte melden, bei Museumsleiter Uwe Geiger, unter geiger@stadt.ebersbach.de. Der Pulli kommt dann in die Ausstellung, und bei Roland Schramm unter den Baum.

Ausstellung zieht ehemalige Mitarbeiter an

Wiedersehen
 Vor den Vitrinen im Obergeschoss des Ebersbacher Stadtmuseums drückten sich die Besucher ihre Nasen platt – und die Hände. Zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend kamen auch einige ehemalige Märklin-Mitarbeiter. Thomas Schork war früher für das Qualitätsmanagement bei Märklin verantwortlich, führt heute noch Besucher durch das „Märklineum“ und arbeitet ehrenamtlich auch im Ebersbacher Stadtmuseum mit. Vor einem großen Kranwagen aus Märklin-plus-Steinen und Metallbaukasten-Teilen trifft er auf Helmut Röther. Der ist nicht irgendwer im Märklin-Kosmos, war fast 40 Jahre im Unternehmen und hat die Spur Z entwickelt – die rollt immer noch unter den Weihnachtsbäumen.

Ausstellung
 Die Schau „Märklin mal anders“ läuft bis zum 3. März 2024. Das Ebersbacher Stadtmuseum in der Martinstraße 10 ist donnerstags und sonntags von 14 bis 17 geöffnet, der Eintritt ist frei.