Die Lambert Typewriter mutet wie ein Telefon mit Wählscheibe an. Foto: Gottfried Stoppel

Eine Ausstellung im Beutelsbacher Württemberg-Haus zeigt historische Schreib- und Rechenmaschinen. Darunter ist auch ein Modell, das berittenen Soldaten im Ersten Weltkrieg gedient hat.

Weinstadt - Die Lambert Typewriter, Modell 3, ist eines der ungewöhnlichsten Exemplare in der Sammlung von Manfred Rommel. Die Tasten der Schreibmaschine, die irgendwann zwischen 1902 und 1904 in den USA hergestellt worden sein muss, sind auf einer drehbaren Scheibe angeordnet, die Leertaste ist in der Mitte platziert. Über eine doppelte Umschaltung werden die Typenträger aus Hartgummi ausgelöst, die auf einem kleinen Amboss mit einem Farbkissen letztlich Buchstaben zu Papier bringen. „Bürotauglich war diese Maschine natürlich nicht – aber optisch und technisch etwas ganz Besonderes“, sagt der Sammler aus Welzheim, der sich im Internationalen Forum Historische Bürowelt (IFHB) für die Erhaltung mechanischer Hilfsmittel und das Wissen um die Zeit vor der EDV-Revolution engagiert.

Für die Jugend ist die telefonwählscheibe schon unbekannt

Schreib- und Rechenmaschinen, Fernschreiber, Stempel oder Kopierpressen aus Manfred Rommels Sammlung sowie der des Waiblingers Arno Weber sind seit diesem Sonntag in einer Sonderausstellung im Württemberg-Haus in Weinstadt-Beutelsbach zu sehen – der Titel: das PC-freie Büro. Er habe kurz überlegt, ob das Thema nicht eines für Spezialisten sei, als die beiden Sammler mit ihrer Idee auf das Museum zugekommen seien, räumt der Weinstädter Stadtarchivar Bernd Breyvogel ein. Dann aber sei ihm schnell klar geworden: „Mit der Bürowelt ist fast jeder von uns schon in Berührung gekommen.“ Für die einen sei die Ausstellung eine Möglichkeit, sich an vergangene Zeiten zu erinnern, für die Jugend, historische Errungenschaften neu kennen zu lernen. Für viele sei schon heute ein Telefon mit Wählscheibe nicht mehr zu erkennen – und eine Rechenmaschine mit Handkurbel ein Utensil aus der bürotechnischen Steinzeit.

Eine Schreibmaschine zum Tippen hoch zu Ross

Doch auch Eingeweihte können in der Schau Raritäten bestaunen. Etwa die Viro­typ aus dem Jahr 1910, die einst einem französischen Offizier gehört hatte: Das etwa 500 Gramm leichte Gerät, das gut in die innere Rocktasche passte, war mit einem Lederriemen ausgestattet, der es im Ersten Weltkrieg ermöglichte, hoch zu Ross sauber getippte Depeschen zu verfassen. Zum Schreiben wurden die alphabetisch auf einem Ring angebrachten Buchstaben mit einem Zeiger anvisiert, beim Drehen mittels Farbröllchen eingefärbt und im Oberaufschlag auf das Papier gedrückt.

Die Büromaschinen aus der Zeit zwischen 1890 und 1970 sind noch bis zum 14. Mai im Beutelsbacher Württemberg-Haus, Stiftstraße 11, zu sehen: Samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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