Furchtloser Geselle: Der Kater Abatutu hat als Amsterdam-Führer einen aufregenden Job. Foto: EMS FILMS

Der Doku-Zweiteiler „Amsterdam: Streifzug auf Katzenpfoten“ entdeckt die erstaunlich vielfältige Tierwelt der niederländischen Metropole. Der Clou: eine Katze gibt den Reiseführer!

Stuttgart - Katzenbesitzer brennen darauf zu erfahren, wo sich ihre Samtpfoten Tag und Nacht herumtreiben. Für gewöhnlich bleibt dies das wohlgehütete Geheimnis der freiheitsliebenden und verschwiegenen Tiere. Eine ungewöhnliche Tier-Doku knüpft an diese Neugier von Katzenhaltern (und anderen Tierfreunden) an: Mark Verkerk und Ignas Van Schaick setzen in ihrem Zweiteiler „Amsterdam: Streifzug auf Katzenpfoten“ eine Stadtkatze als Reiseführer ein. Sie folgen dem etwas pummeligen, aber überaus sympathischen Kater namens Abatutu bei seinen Streifzügen durch die niederländische Großstadt Amsterdam und stoßen dabei auf eine erstaunlich robuste und vielfältige Tierwelt.

Denn so multikulturell die Bewohner der niederländischen Metropole sind – 180 Nationalitäten sind hier vertreten – , so bunt kommt die Fauna der Grachtenstadt daher. 10 000 verschiedene Arten von Pflanzen und Tieren sind in Amsterdam zuhause, und der Stubentiger, der sich da morgens auf Erkundungstour macht, auf Dächern balanciert, Kanäle und Gassen abklappert und über Friedhöfe huscht, weiß, wo Eichhörnchen, Blesshühner, Tauben, Ratten und Bienenvölker zu finden sind.

Eine Taube im Metro-Waggon

Dass der fellige Stadtführer ein furchtloser, abgebrühter Geselle ist, zeigt sich schnell, zielstrebig steuert Abatutu den Bahnhof an und schreckt auch vor dem Gedränge und Lärm am Bahnsteig nicht zurück. So kriegt Abatutu im Gegensatz zu den Smartphone verliebten Passanten auch mit, wie ein besonders wagemutiges Exemplar der dort zahlreich vertretenen Tauben in einen Waggon hüpft und eine Freifahrt unternimmt. Die Taube versteht es, zwischen den vielen Menschenbeinen unentdeckt zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen – eindrucksvoll wird aus Taubenperspektive gefilmt.

Ungewöhnliche Blickwinkel, Zeitraffer-Stadtansichten, Slow-Motion-Sequenzen, schnelle Schnitte: Die vorgestellten Tierarten mögen wenig exotisch sein, die visuelle Machart der beiden rund vierzigminütigen Folgen macht dieses Manko mehr als wett, wobei bei der musikalischen Untermalung ein wenig zu dick aufgetragen wird. Reizvoll aber, wie die Filmemacher die Symbiose von Mensch und Tier in der Großstadt herausarbeiten und zudem Parallelen sichtbar machen. Menschen- und Verkehrsströme beschleunigen sie zum hyperaktiven, sirrend-schwirrenden Großstadt-Wimmelbild, das im Bienenstock-Getümmel seinen Spiegel findet.

Pommesreste für die Nager in der Unterwelt

Wie der Mensch und sein Müll den Tieren in der Stadt ein nahrungsreiches Zuhause bieten, wird besonders einprägend am Beispiel der Ratten sichtbar: Von weggeworfenen Essensresten profitiert auch der Nager-Nachwuchs unterm Asphalt, wenn ein Vorkoster ein Pommesstäbchen auf Verzehrbarkeit geprüft und in die Unterwelt geschleppt hat.

Umgeben von Backstein, Beton und Glas, umtost von Autos, Bahnen und Lkws – (Über)-Leben in der Stadt ist für Stockenten, Mauersegler, Kröten und Füchse kein leichtes Unterfangen. Beim jährlichen „koningsdag“, dem Königs-Geburtstag, wandelt sich ganz Amsterdam zur Partyzone, was für die Tiere aber nicht nur Nachteile hat. Vor dem Lärm würden sie am liebsten flüchten, doch die Gelegenheit, sich über die Müllreste herzumachen, lassen sie sich nicht entgehen.

Die Katze bleibt passiver Beobachter

Fressen und gefressen werden: Das Naturgesetz schont auch die tierischen Stadtbewohner nicht, erst recht nicht die Jungen. Den ersten Stadtausflug von jungen Wasserhühnern inszenieren die Filmemacher als Krimi, der nicht für alle gut endet – eines der Küken erwischen die auf leichte Beute lauernden Möwen.

Solche Erzählungen halten den Zuschauer bei der Stange – was Abatutu Tag und Nacht in der Stadt so treibt, das erfährt er aber nicht wirklich. Denn der Stadtführer auf Pfoten, der in Wahrheit ein geschultes Filmtier ist, das früh an Lärm und Großstadthektik gewöhnt wurde, kommt nur punktuell ins Bild, wenn er von einem Biotop zum nächsten schleicht, dabei bleibt er nur passiver Beobachter. Hier lockt der Filmtitel den Zuschauer ein wenig auf die falsche Fährte. Das könnte man bemäkeln, genauso wie die Kommentare, in denen sich die Filmemacher wenig originell als Katzengedanken-Leser betätigen. Bilder von hochdramatischen nächtlichen Rattenduellen und Mäusen, die im Müllauto auf Spritztour gehen, lassen aber leicht darüber hinwegsehen.

Arte, 13. August, zwei Folgen, ab 20.15 Uhr

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