Nach einer Spende: Volker, Thomas, Margit und Armin Trinkner (von links) Foto: DRK

Vier Geschwister aus Löchgau spenden so viel Blut, dass selbst das Rote Kreuz staunt. Wer sich mit ihnen unterhält, kann viel lernen – und fragt sich, warum es nicht mehr Spender gibt. Und das hat nichts mit dem guten Essen zu tun, das es bei den Terminen immer gibt.

Löchgau - - Keine blauen Flecken an den Armen, keine bleichen Gesichter, kein schleppender Gang: Die Geschwister Trinkner aus Löchgau sind topfit und sehr unterhaltsam– die perfekten Botschafter für den Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die drei Brüder und ihre Schwester sind zusammenaddiert seit 129 Jahren Lebensretter. Ein Gespräch über die Bedeutung ihres Engagements, Vorurteile und gutes Essen.

Inzwischen könnten sich die Trinkners selbst Blut abnehmen, so erfahren wie sie sind. Aber das kommt nicht in die Tüte, auch deshalb, weil sie gerne zu den offiziellen Terminen gehen. Wenn es passt, sogar alle zusammen. Mehr als 400 Spenden hat das DRK bis jetzt von diesen ganz speziellen Blutsgeschwistern bekommen, also mehr als 200 Liter Blut. „Das ist eine vorbildliche Leistung“, lobte Thomas Grüninger vom DRK, als er die vier jüngst ehrte.

Thomas Bei uns liegt das Blutspenden im Blut. Unser Opa hat gespendet, unser Vater, der Onkel, die Tante. So kamen wir dann auch dazu. Unser Vater hat zu jedem, als er 18 wurde, gesagt: Jetzt gehen wir Blutspenden. Das war ganz selbstverständlich. Und wenn unsere Kinder alt genug sind und gesund, gehen sie hoffentlich auch spenden.
Margit Das erste Mal war natürlich spannend: Wie das wohl wird? Mit Nadeln, Ärzten oder Schwestern hatten wir bis dahin nichts zu tun gehabt. Aber letztlich war es überhaupt nicht weltbewegend. Ein kurzer Pieks – und gut war’s.
Armin Früher habe ich einfach nur so Blut gespendet, ohne mir viele Gedanken zu machen. Das hat sich geändert, als die Tochter eines Freundes an Leukämie erkrankt ist. Damals hat die DKMS Knochenmarkspender gesucht – und ich habe zum ersten Mal realisiert, was das für ein Segen ist. Man kann anderen Menschen ohne viel Aufwand so viel helfen. Damals habe ich beschlossen, so viel Blut wie möglich zu spenden: Sechs Mal pro Jahr. Öfter geht nicht.
Das Engagement der Löchgauer Geschwister ist auch deshalb außergewöhnlich, weil es viel zu wenig Blutspender gibt. Laut Umfragen halten zwar fast 100 Prozent der Bürger Blutspenden für wichtig, aber lediglich 3,8 Prozent der rund elf Millionen Baden-Württemberger tun das nach DRK-Angaben tatsächlich, bundesweit sind es noch weniger. In Deutschland werden pro Tag etwa 15 000 Blutspenden benötigt.
Thomas Ich kann es nicht fassen, dass nur rund drei Prozent Blut spenden. Bestimmt kennt doch jeder Mensch jemanden, der mal auf eine Blutkonserve angewiesen war. Meine beiden Brüder hatten vor vielen Jahren einen schlimmen Motorradunfall. Dabei haben sie sehr viel Blut verloren – und waren sehr froh, dass es genug Konserven gab. Täglich passieren so viele Unfälle, davor kann man doch nicht die Augen verschließen.
Volker Ich würde mir wünschen, dass man vor allem Fahrschüler mehr anleitet. Dass sie zum Beispiel im Ersthelferkurs lernen, wie wichtig Blutspenden sind. Es bleibt ganz bestimmt nicht ohne Wirkung, wenn man sagt: Stell dir mal vor, du liegst auf dem OP-Tisch und es ist kein Blut da. Oder dein Vater oder dein Kind. Diese Vorstellung ist doch schrecklich.
Armin Bei den Spendeterminen gehöre ich mit meinen 57 inzwischen schon zu den Älteren. Und so richtig viele Ältere gibt es halt nicht. Logisch: Im Alter wird man eher mal krank – und dann ist man draußen. Klar kriegen wir auch mal junge Blutspender zu Gesicht – aber oft nur einmal. Man muss die Leute dazu irgendwie bringen, dass sie regelmäßig spenden.
Wer Blut spenden will, muss mindestes 18 Jahre alt sein und darf höchstens 72 sein. Erstspender können aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht älter als 64 sein. Eine Aufwandsentschädigung zahlt das Rote Kreuz seinen Spendern nicht. Ein finanzieller Nutzen dürfe kein Grund sein, Blut zu spenden, so das Argument der gemeinnützigen Gesellschaft, die an den Konserven eigenen Angaben zufolge nichts verdient. Kliniken, die eigene Blutspendeaktionen organisieren, zahlen Beträge um die 20 Euro. Das Abzapfen dauert nur ein paar Minuten, aber inklusive Anmeldung, ärztlichem Check davor und einem Imbiss danach sollten DRK-Spender mit mindestens einer Stunde Aufenthalt kalkulieren.
Margit Das sind immer schöne Termine, familiär – und das nicht nur, weil wir oft zusammen gehen. Man kann ein Schwätzle mit den Leuten halten, und das Vesper hinterher ist echt toll. An Ostern zum Beispiel gab es in Walheim Maultaschen mit selbst gemachtem Kartoffelsalat und g‘schmelzten Zwiebeln, zum Nachtisch Schokolade. Das hat hervorragend geschmeckt. Noch toller soll es in Sersheim sein. Das Buffet dort hat einen hervorragenden Ruf.
Volker In Besigheim gab es zur Stärkung nach der Spende früher sogar Wein. Aber das ist lange her und heute nicht mehr möglich. Zum Spaß haben wir mal unseren eigenen Wein eingeschmuggelt, aber als die Ärzte das mitbekamen, war es aus mit dem Spaß. Die sind da – zurecht – sehr streng!
Armin Dafür gibt’s ja Wein bei der Blutspenderehrung im Gemeinderat. Also, wenn man oft genug gespendet hat. Ich habe von der Zehner- bis zur 125er-Ehrennadel alle. Außerdem gibt es eine Urkunde vom DRK und – wenn man möchte – ein Foto im Gemeindeblatt. Aber dafür machen wir es bestimmt nicht.
Manchen Menschen bekommt schon der Anblick von Blut nicht, wie soll der Körper dann den Entzug eines halben Liters verkraften? Tatsächlich wird die abgegebene Menge Blut vom Organismus schnell ausgeglichen. Es gibt Hinweise darauf, dass regelmäßige Blutspender einem geringeren Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ausgesetzt sind. Unterm Strich lässt sich festhalten: Blutspenden sind für den Spender weder besonders gesund noch ungesund – von Ausnahmen abgesehen.
Margit Ich habe als junges Mädchen immer Nasenbluten gehabt. Seit ich Blut spenden gehe, ist das völlig verschwunden. Natürlich gibt es manchmal Spender, die klappen zusammen, weil der Kreislauf nicht stabil ist. Aber wenn das zu oft passiert, dürfen sie eh kein Blut mehr abgeben.
Volker Das DRK hat selbst ein großes Interesse daran, dass sich niemand schadet. Zwischen zwei Spenden müssen mindestens acht Wochen liegen. Wenn Sie nur einen Tag zu früh kommen, werden Sie nach Hause geschickt. Das ist uns auch schon passiert. Außerdem bekommt man als Vielfachspender Eisentabletten.
Thomas Ich sehe das so: Gewisse Blutwerte werden beim Blutspenden überwacht. Unregelmäßigkeiten können so frühzeitig erkannt werden. Unseren Vater hat das DRK nach einer Blutspende mal angeschrieben, dass er zum Hausarzt gehen soll, weil ein Wert von der Norm abwich. Worum es ging, weiß ich nicht mehr, aber er wurde behandelt, und danach war alles wieder gut.
Armin Wenn ich mit der Nadel auf dem Bett liege, fühle ich einen regelrechten Fluss durch meinen Körper ziehen. Das fühlt sich wie eine Erleichterung an. Wahrscheinlich haben sich so früher die Herrschaften beim Aderlass gefühlt. Ich werde mit Spenden erst aufhören, wenn ich nicht mehr darf.

Namen und Termine

Die Spender
Der älteste der vier Geschwister ist Armin Trinkner. Er ist 57, arbeitet als Steuerungsfachmann und lebt in Bönnigheim. Thomas Trinker ist 52, ist Möbelschreiner und lebt wie die restlichen Trinkners in Löchgau – wobei die Schwester Margit seit ihrer Heirat Modenese heißt. Sie ist 50 Jahre und arbeitet im Pharmagroßhandel. Volker Trinkner ist 42 und selbstständiger Elektrotechnikermeister.

Die Aktionen
An diesem Mittwoch, 16. Mai, sammelt das DRK in Hessigheim Blut. Die Gemeindehalle ist von 15.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. Am Donnerstag, 24. Mai, ist es von 16 bis 20 Uhr in der Besigheimer Kelter im Einsatz.

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