Innenminister Reinhold Gall Foto: dpa

Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall will die rechte Szene noch genauer beobachten, um Ausschreitungen wie am Sonntag in Köln zu verhindern.

Stuttgart/Köln - Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall will die rechte Szene noch genauer beobachten, um Ausschreitungen wie am Sonntag in Köln zu verhindern. „Wenn wir wissen, wer sich mit wem trifft und mit welcher Absicht, dann können wir besser planen“, sagte der SPD-Politiker unserer Zeitung. In dieser Woche soll eine Expertenrunde prüfen, wie gewalttätige Auseinandersetzungen verhindert werden können.

Bei einer Hooligan-Kundgebung gegen gewaltbereite Salafisten am Sonntag in Köln waren 44 Polizisten verletzt worden. 17 mutmaßliche Gewalttäter kamen in Gewahrsam. Auch in Baden-Württemberg ließen sich solche Ereignisse nicht „grundsätzlich ausschließen“, sagte Gall. Im vergangenen halben Jahr war es in Mannheim mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Hooligans und Salafisten gekommen.

„Wir müssen davon ausgehen, dass jedenfalls am Sonntag der Kampf gegen gewaltbereiten Salafismus ein Vorwand war und dass es im Kern darum ging, Gewalt auszuleben“, sagte CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach unserer Zeitung. „Dabei soll der Eindruck erweckt werden, als sei der Staat gegen religiösen Fanatismus und gegen religiös motivierte Gewalt macht- und hilflos. Und deswegen brauche es den starken Arm der Rechtsradikalen, um Ordnung zu schaffen.“ Genau das dürfe ein demokratischer Rechtsstaat nicht dulden, erklärte Bosbach.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen sich fünf bis zehn gewaltbereite Hooligans aus Stuttgart an den Ausschreitungen in Köln beteiligt haben. Schätzungen des Innenministeriums zufolge gibt es im Südwesten 1800 Problemfans. Der Verfassungsschutz hält die Schnittmenge von Rechtsextremisten und gewaltbereiten Fußballfans aber für gering.

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