Das Hauptgebäude der Firma Köhler öffnet sich mit einer breiten Treppe dem Besucher. Foto:factum/Weise Foto:  

Die Firma Karl Köhler in Besigheim hat seit drei Jahren ein neues Verwaltungsgebäude. Es zeigt, was mit dem Baustoff Beton heutzutage alles möglich ist. Und der Ausblick für die Mitarbeiter ist spitze.

Besigheim - Im Winter ist der Blick auf die Umgebung häufig durch Nebel getrübt. Dafür seien die Aussichten im Sommer umso besser, sagt Horst Köhler. Der Geschäftsführer des Bauunternehmens Karl Köhler in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) ist froh, dass seine Firma seit rund drei Jahren in einem neuen Hauptgebäude sitzt. Für eine Firma, die ihr Geld mit dem Bauen von Gebäuden verdient, ist ein solcher Sitz mehr als nur Repräsentation. Er ist ein Aushängeschild. „Es gab schon Kunden, die wollten genau dieses Gebäude ebenfalls haben“, sagt Köhler.

Für die Mitarbeiter sollte das neue Gebäude den Vorteil haben, dass alle wieder unter einem Dach vereint sind. Denn in den Jahren zuvor war die Firma so stark gewachsen, dass selbst der aufgestockte und erweiterte Flachbau aus den Sechzigern nebenan nicht mehr für alle ausreichte. Und schön sah er obendrein nicht aus. „Wie ein Sarg“ habe das unscheinbare Ziegelgebäude ausgesehen, das Dachgeschoss wie ein Sargdeckel.

Bei seinen Kunden kommt das Gebäude gut an

Horst Köhler, nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem ehemaligen Bundespräsidenten, führt zusammen mit seinem Bruder Karl in dritter Generation die Geschicke des Besigheimer Bauunternehmens, das auf Betonbauten spezialisiert ist. Köhler ist verblüfft, wie gut das Gebäude bei seinen Kunden ankommt. Denn als schwäbischer Unternehmer hatte er Bedenken. Sieht es nicht zu schön, sprich, zu teuer aus? Doch im Gegenteil, auf die meisten Kunden wirke es vertrauensfördernd – nach dem Motto: Die müssen was vom Betonbau verstehen.

Mit dem Firmengebäude wollte Köhler zeigen, was man mit Beton bauen kann. „In Deutschland hat Beton nämlich ein schlechtes Image“, sagt er. Streng, sachlich und zeitlos war die Devise, mit der die Köhlers zu einem Planungswettbewerb unter ihnen bekannten Architekten aufriefen. Auch die Zahl der Baustoffe war vorgegeben: Sichtbeton, Glas, Crailsheimer Muschelkalk und Industrieparkett.

Das Gebäude scheint zu schweben

Am Ende setzte sich das Architekturbüro Wittfoht in Stuttgart mit seinem Entwurf durch. Er besticht von außen durch großzügige Fenster und einen zurückgesetzten Sockel. So scheint der scharfkantige Betonkubus knapp über dem Boden zu schweben. Im Inneren beeindruckt vor allem das zentrale zweigeschossige Atrium. Um diese kommunikative Mitte herum gruppieren sich die Büros. Der Architekt Jens Wittfoht erklärt es folgendermaßen: Das Atrium ermögliche eine Ausrichtung der Arbeitsplätze zur gemeinsamen Mitte hin.

Wie hier geplant wurde, zeigen viele Details. Elektronik, Heizung, Kühlung, alles ist in den Beton integriert. Damit geöffnete Türen bündig mit der Wand abschließen, sind Vertiefungen für deren Beschläge und Griffe schon beim Betonieren mitvorgesehen worden. Es entsteht so der Eindruck eines Gebäudes aus einem Guss. Das Firmenlogo – vier Dreiecke, die so angeordnet sind, dass sie zusammen zweimal den stilisierten Buchstaben K ergeben – ist vor dem Eingang gut sichtbar in die Wand eingelassen. Es besteht aus lichtdurchlässigem Beton, in den Guss sind 7189 Lichtleitfasern eingelassen. Ein Beton, der bei Dunkelheit strahlt – und damit das Unternehmen im richtigen Licht zeigt. Im Inneren sind unterschiedliche Betonqualitäten in den Treppenhäusern verbaut, so dass Horst Köhler den Kunden bei einem Besuch die Unterschiede zeigen kann. Der Jury des Hugo-Häring-Preises war dieses ausgeklügelte Gebäude eine Auszeichnung wert.

Beste Aussicht auf dem Dach

Annett Stiehler hat ihr Büro direkt am Eingang des neuen Gebäudes. Sie ist für den Empfang sowie für die Rechnungen zuständig. „Früher war es kuscheliger“, sagt sie über die Zeit im alten Verwaltungsgebäude. Nun haben aber alle mehr Platz. Die Arbeitsatmosphäre sei ruhiger, sagt sie. Und das Atrium beeindrucke auch recht viele Besucher. Für viele Mitarbeiter hat sich auch die Aussicht verbessert: Statt in das schnöde Lager des Bauhofs hinein kann man nun den Blick über die Felsengärten, die „schwäbischen Dolomiten“, schweifen lassen – gutes Wetter vorausgesetzt. Und zur Mittagspause können die Mitarbeiter nun auf das Dach. Dort bietet sich ihnen eine noch viel schönere Aussicht.

Der Bauherr baut selbst

Entstehung
2013 plante das Bauunternehmen Köhler eine Erweiterung mit neuem Bürogebäude, das Arbeitsplatz und Aushängeschild zugleich sein sollte. Die Firma rief einen Planungswettbewerb aus, den das Architekturbüro Wittfoht in Stuttgart gewann. Der Bauherr war dann Köhler selbst – laut dem Firmenchef Horst Köhler ein großer Vorteil: „Keiner stört einen bei der Entfaltung seiner Ideen.“ 2015 bezog die Firma das Gebäude.

Würdigung
2017 gewann die neue Firmenzentrale eine Hugo-Häring-Auszeichnung. Das Gebäude war damit eines von 23 Objekten in Baden-Württemberg, die eine sechsköpfige Jury unter 108 Einreichungen ausgewählt hatte.

Begründung
Der Jury gefiel vor allem das zentrale zweigeschossige Atrium. „Die Qualität der Außenhülle spiegelt sich in gleicher Weise im Innenraum wider im Sinne einer durchgehend stimmigen Haltung“, heißt es in der Begründung. Die Qualität in Planung und Ausführung sei ein gelungenes Beispiel für zeitgemäßen Verwaltungsbau.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: