„Schildkröten werden klein und niedlich gekauft“, sagt der Amtstierarzt Thomas Stegmanns. Aber wenn sie tellergroß geworden sind, „finden das die Leute nicht mehr so witzig“. Foto: red

Im Bären- und im Feuersee leben zahlreiche ausgesetzte Schildkröten. Die Fremdlinge fühlen sich da wohl und dürfen auch bleiben. Angler sehen die Schildkröten jedoch mittlerweile als Problem an.

S-West - Bei schönem Wetter recken sie ihre Panzer in die Sonne. Dann bleiben an den Ufern des Bären- und des Pfaffensees die Spaziergänger stehen und zücken ihre Handykameras. Denn Schildkröten in freier deutscher Wildbahn sind noch immer ein Facebook-Posting wert. Dabei sind die archaischen Viecher in Stuttgarter Gewässern längst keine Rarität mehr – „leider“, wie der Amtstierarzt Thomas Stegmanns bemerkt. Allein im Bärensee dürften um die 20 bis 50 Schildkröten zu Hause sein – hauptsächlich Rotwangen- und Gelbbauch-Schildkröten, sagt Stegmanns. Das seien die im Tierhandel am häufigsten verkauften Unterarten.

Als Fünf-Mark-Stück sind sie noch süß und niedlich

Beide Schmuckschildkröten sind in Nordamerika beheimatet und können in Deutschland in der Natur überleben. „In der Regel handelt es sich um Tiere, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden“, weiß Stegmanns, der die Dienststelle Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz und Veterinärwesen bei der Stadt leitet. „Die Schildkröten werden klein und niedlich gekauft. So lange sie die Größe eines Fünf-Mark-Stücks haben, sind sie süß – ganz nach Kindchenschema. Wenn sie aber mal die Größe eines Suppentellers haben, finden das die Leute nicht mehr so witzig.“ Nicht bloß, dass die Schildkröten dann bis zu 30 Zentimetern lang und 1,5 Kilo schwer werden können und immer größere Aquarien benötigen, „sie setzen große Mengen an Kot ab, und man braucht immer stärkere Filter, um das Wasser sauber zu halten“, so der Dienststellenleiter.

Obendrein sind die besonders beliebten Rotwangen- und Gelbbauch-Schildkröten auch noch langlebig und erfreuen sich an bis zu 40 Lenzen. „Mancher, der sich ein Tier kauft, weiß gar nicht, worauf er sich einlässt und welche Verantwortung er übernimmt. Die Leute sind oft nicht informiert.“ Und so fahren sie ihr lästig gewordenes Haustier eines Tages an den Bärensee, den Feuersee oder an sonst ein Gewässer, in dem sie es aussetzen. Juristisch betrachtet, handelt es sich um eine Straftat.

Für die Angler werden die Schildkröten zum Problem

Dass die Fremdlinge großen Schaden anrichten, kann der Amtsarzt aber nicht erkennen, obschon die Allesfresser auch kleine Fische und Amphibien vertilgen. Da es aber im Bärensee bislang keinen Hinweis darauf gebe, dass sich die Schmuckschildkröten vermehrten, „ist das kein Riesenproblem. Aber es ist halt eine Formenverfälschung“. Der Angelverein, der Fischrecht im Feuersee hat, sieht die Sache deutlich kritischer. Verschiedentlich beklagten die Angler, dass die Schildkröten Fische fressen oder mit ihren scharfen Krallen verletzen. Mitunter rissen ihnen die Reptilien sogar die Köder vom Angelhaken.

Stegmanns Dienststelle wird die Schmuckschildkröten weiterhin im Bärensee belassen. Sie zu fangen, wäre auch gar nicht so einfach: „Das sind Wildtiere, die tauchen ab, sobald man sich nähert.“ Das städtische Veterinärwesen wird sich auch nicht um die paar chinesischen Dreikielschildkröten kümmern oder um die Höckerschildkröten, denen ein Zackenkamm auf dem Panzer eine angesagt saurierhafte Anmutung verleiht. Man belässt sie im Bärensee. Diese Tiere vertragen das hiesige Klima schlecht und werden den nächsten harten Winter sicher nicht überleben.

Weitere Informationen zum Haustier Schildkröte:

Kauf
Schildkröten, insbesondere Wasserschildkröten, sind heikel in der Haltung. Kunden sollten sich fachlich beraten lassen oder ein Fachbuch lesen. Die Preise für ein Reptil beginnen bei 100 Euro. Zubehör wie Terrarium, Wärmepumpe, UV-Licht oder Pflanzen eingerechnet, kommt man rasch auf 1000 Euro. Zu bedenken ist beim Kauf, dass die Schildkröten im Handel 60 Jahre und älter werden.

Haltung
Lebensweise , Haltungsbedingungen, Lebensraum und Ernährung sind von Art zu Art sehr unterschiedlich. Eine falsche Ernährung ist der häufigste Fehler bei der Haltung. Grundsätzlich darf man Schildkröten nicht einfach mit Salat, Gemüse, Obst, Küchenabfällen, Brötchen, Katzen- oder Hundefutter füttern. Langfristig führt dies zum Tod. Ein weiterer häufiger Fehler ist das Ignorieren der Winterstarre. Im Winter verbraucht die Schildkröte kaum Energie und nimmt weder Futter noch Wasser zu sich.

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