Anderen helfen, Menschen retten, Sachstände sichern – Jungen und Mädchen aus dem gesamten Bundesgebiet haben in Neuhausen im Ausbildungszentrum des Technischen Hilfswerks (THW) dafür geübt.
Eine Woche lang haben 54 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aus dem Bundesgebiet den Event „/now“ (gesprochen Slash now) am Ausbildungszentrum des Technischen Hilfswerks (THW) in Neuhausen besucht. Neben vielen praktischen Übungen standen auch Diskussionen zu jugendrelevanten Themen sowie eine Übernachtung im Zelt auf dem Programm. Das zentrale Thema der Jugendveranstaltung aber war die Gemeinschaft.
„Nur zusammen sind wir stark“, fasst Zoe Breymeier zusammen. Die 19-Jährige ist Mitglied der Ortsgruppe Ehingen und seit neun Jahren beim THW. Sie empfindet das THW als eine „große blaue Familie“. Dass man anderen helfen kann, ist für sie die stärkste Motivation. Sie möchte speziell Frauen ermuntern, beim THW mitzuarbeiten. „Es hat sich einiges getan, die Mitarbeit von Frauen ist mittlerweile Standard bei uns“, betont Breymeier. Leon Trapp kommt aus Lampertheim in Rheinland-Pfalz und ist ein THWler seit seinem siebten Lebensjahr. „Als Mini bin ich gestartet“, schildert er seinen Werdegang. Mit ihm waren damals etliche Gleichaltrige eingestiegen, doch er sei der einzige, der dabei geblieben sei. Er bedauert, dass viele nicht wüssten, was das THW so macht. Trapp mag das Teamwork, das Hand-in-Hand-Arbeiten in der Gruppe und die Kooperation mit anderen Rettungskräften – und letztlich die handwerklichen Fähigkeiten, die man als THWler erwirbt.
Schon der Vater war ein THWler
Bei der 14-jährigen Nathalie Böhme aus Erfurt liegt das THW sozusagen in der Familie. Ihr Vater ist THWler, habe oft von seinen Einsätzen erzählt und Fotos gezeigt. Seine Tochter fand es schließlich ebenfalls reizvoll, sich für andere Menschen zu engagieren. Seit einem Jahr ist sie dabei und absolviert ihre Grundausbildung. „Man lernt Teamarbeit, eignet sich Kommunikationsskills an, das sind spannende Sachen, mit denen andere in meinem Alter nicht in Kontakt kommen“, sagt sie.
Die jungen Leute wissen von zunehmender Respektlosigkeit bis hin zu Gewalt gegenüber Rettungskräften. Erlebt haben sie das persönlich noch nicht. Das habe wohl auch mit der Stellung und Reputation des THW zu tun, vermutet Breymeier. Das THW sei bundesweit aktiv, während die Feuerwehren auf kommunaler Ebene agierten. „Wenn wir kommen, kommen gleich ganz viele, das schafft Respekt und wir sind so strukturiert, dass wir aus anderen Ortsverbänden sowohl Leute als auch Material anfordern können“, sagt Breymeier. Andererseits ist sie realistisch: Das THW führe ein Schattendasein, eben weil die Präsenz auf kommunaler Ebene fehle.
Ein Zeltlager und ein Besuch im Landesparlament
Die praktischen Übungen, die die Jungen und Mädchen innerhalb von „/now“ zu absolvieren hatten, forderten Fachkenntnisse und Disziplin ein. So stand ein Zeltlager im Neuhausener Waldgebiet Sauhag an. Die Campingstelle musste ohne Hilfe eines Mobiltelefons gefunden werden, allein mit der Fähigkeit, UMT- also Koordinatenkarten lesen zu können. Die Jugendlichen bauten zudem sogenannte Trümmerstege und schiefe Ebenen und bewegten sich mit einer Puppe auf einer Trage durch einen Übungsparcours, der ein Modell für unwegsames Gelände mit Engstellen und dunklen Passagen darstellt. Dazwischen gab es einen Ausflug nach Stuttgart ins Landesparlament, Gespräche mit Abgeordneten und Diskussionen über aktuelle Themen wie den Klimawandel. Breymeier, Trapp und Böhme sind bereits begeisterte THWler. Sie wünschen sich, dass sich andere junge Menschen von ihrer Liebe für das ehrenamtliche Engagement anstecken lassen. Breymeier erinnert sich an ihren ersten Kontakt zum THW, als sie noch ein Kind war: „Da war dieser große blaue Lastwagen, das hat mich wahnsinnig fasziniert.“
Eines von drei Ausbildungszentren befindet sich in Neuhausen
Organisation
Die Bundesanstalt THW wurde 1953 in Deutschland gegründet und dem Bundesinnenministerium unterstellt. Seine Aufgaben sind technische und humanitäre Hilfen weltweit. Das THW untersteht wie das Rote Kreuz und andere Rettungsorganisationen dem Schutz der Genfer Konvention. Das THW hat 88 000 Mitglieder, 2000 davon sind Hauptamtliche. Im Jahr 1984 wurde die Jugendorganisation gegründet. Das THW agiert in 668 Ortsverbänden, 66 Regionalstellen und acht Landesverbänden. Seit September 2023 steht mit Sabine Lackner erstmals eine Frau als Präsidentin an der Spitze.
Ausbildungszentren
Eines der drei Ausbildungszentren liegt in Neuhausen. Es wurde 1995 aus der Katastrophenschutzschule Baden-Württemberg gegründet, wo bereits Helfer des THW ausgebildet worden waren. In Neuhausen wird schwerpunktmäßig Ausbildung für Führungskräfte oberhalb der Gruppenführerebene angeboten sowie für hauptamtliches Personal, das in Leitungs- und Koordinierungsstäben eingesetzt wird. Darüber hinaus ist die Ausbildung für Einsatzkräfte, die im Ausland tätig werden, in Neuhausen konzentriert. Weiterhin sind das Sprengwesen und die Ausbildung im Bereich Atemschutz und Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen dort angesiedelt.