Jannik Schröder (links) und Oliver Gocht nutzen die Chance, die ihnen die Kooperation der beiden Schulen bietet. Foto: Kutzer

Der Abschluss als Techniker an der IT-Schule in Stuttgart-Möhringen kann in Wales als Teil eines Bachelor-Studiums angerechnet werden. Möglich macht das eine Partnerschaft mit der Glyndwr University im walisischen Wrexham.

Möhringen - Die Umgebung der IT-Schule (ITS) ist nicht eben malerisch. Das Gebäude mit den orangefarbenen Signalstreifen an der Fassade steht an der Breitwiesenstraße und damit mitten im Industriegebiet. Nun stehen Software-Entwickler, Datenbankmanager und Netzwerkadministratoren ja ohnehin im Verdacht, mehr auf den Bildschirm, als aus dem Fenster zu sehen. Gute Aussichten für die Zukunft haben sie in der Einrichtung zur beruflichen Aus- und Weiterbildung obendrein: Wer die Schule als staatliche geprüfter Techniker verlässt, kann den Abschluss als Teil eines Bachelor-Studiums anrechnen lassen und den akademischen Grad während eines einjährigen Studiums im Ausland auch tatsächlich erwerben: Möglich macht das eine Partnerschaft mit der Glyndwr University im walisischen Wrexham.

Oliver Gocht (27) hat den Aufenthalt in Großbritannien bereits fest eingeplant. Nach dem Abitur hat er zunächst als Fachinformatiker im Bereich Systemintegration gearbeitet. Jetzt drückt er wieder die Schulbank. „Ich hatte schon länger vor, die Firma zu wechseln“, blickt der Stuttgarter zurück. Er ergänzt: „Aufgrund von Hochschulreife und Berufserfahrung hatte ich die Möglichkeit, hier binnen eines Jahres meinen Techniker zu machen. Dass sich jetzt noch die Chance bietet, den Bachelor dranzuhängen, ist natürlich toll.“

Eine Landschaft wie in den Harry-Potter-Filmen

Zumal die Gegend um Wrexham schön ist. „Wir fühlten uns bei unserem Besuch dort immer wieder an die Kulissen der Harry-Potter-Filme erinnert“, zeigt sich Jannick Schroeder begeistert. Der Göppinger ist nach der Mittleren Reife und Jahren in der Berufspraxis wieder an seine frühere Schule nach Möhringen zurückgekehrt, um sich dort weiterzubilden. „Man muss sich das Lernen erst wieder beibringen“, sagt der 24-Jährige und ergänzt: „Es ist nicht einfach, sich wieder daran zu gewöhnen, dass man am Feierabend pauken muss. Das geht aber allen so. Aus unserer Klasse stand schließlich jeder schon einmal im Berufsleben.“

Einen Tag in der Woche haben die Techniker-Anwärter schulfrei, um sich ihrer Abschlussarbeit und -präsentation zu widmen. Jannik tüftelt an einem computerbasierten Bestellsystem für die Gastronomie einer Tanzschule. Oliver widmet sich einer Lösung zur Raumklima-Analyse, die autark, also unabhängig von Wlan oder Stromnetz, funktioniert. „Damit ließe sich beispielsweise feststellen, ob ein Rohbau schon trocken genug ist, um eine Klimaanlage zu installieren“, erklärt er. Das sei eine Marktlücke. Entsprechend will er im Frühjahr mit einem eigenen Start-up an den Markt gehen.

Die Randbereiche des Stundenplans sind besonders spannend

„Die Präsentation der Techniker-Arbeit findet im Idealfall bereits vor einem ausgewählten Interessentenkreis statt“, ergänzt Erhard Volz, der an der ITS Softwareentwicklung unterrichtet. „Unsere Absolventen sollen frühzeitig wertvolle Kontakte knüpfen können. Der staatlich geprüfte Techniker ist zwar noch ein recht junger Abschluss, aber er umfasst ein breites Spektrum an Qualifikationen, die auch auf eine spätere Tätigkeit im mittleren Management vorbereiten.“

Jannick Schroeder findet gerade die Randbereiche im Stundenplan spannend: „Als Wahlpflichtfach kann man hier auch den Ausbilderschein machen. In der Vorbereitung lernt man viel über Kommunikation, Motivation, Konfliktbewältigung und damit über sich selbst.“ Neue Erfahrungen verspricht sich auch Oliver Gocht, wenn er an den Wales-Aufenthalt denkt: „Das Studium dort ist so aufgebaut, dass man genügend Zeit für die Bachelorarbeit hat“, so seine Einschätzung. „Städte wie Manchester oder Liverpool liegen in Tagesausflugsnähe – ich denke, auch abseits des Fachlichen wird der Aufenthalt ein prägendes Erlebnis werden, von dem ich später im Berufsleben profitieren kann.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: