Stauwarnschild auf der B 27 bei Echterdingen. Foto: Thomas Krämer

Dass die Bundesstraße B  27 zwischen Aichtal und Echterdingen-Nord sechsspurig ausgebaut werden soll, ist beschlossene Sache. Nun hat das Regierungspräsidium mögliche Varianten und Kosten vorgestellt.

Aichtal - Für viele Berufspendler dürfte es eine gute Nachricht sein: Die Planungen für den Ausbau der B 27 zwischen den Anschlussstellen Aichtal und Echterdingen-Nord, also auf 9,5 Kilometern zwischen der Einleitung der B 312 im Süden und dem Echterdinger Ei, schreiten voran. Dass die autobahnähnliche Trasse von vier auf sechs Spuren erweitert werden soll, ist längst beschlossen. Am Mittwoch hat das Regierungspräsidium (RP) konkrete Daten vorgelegt. Tatsächlich liebäugeln die Planer sogar mit einer temporären Freigabe der Seitenstreifen. Zu den Stoßzeiten könnte es also in jede Fahrtrichtung vier Fahrstreifen geben.

 

Fakt ist: Die B 27 ist stauträchtig. Jürgen Holzwarth, der Leiter des RP-Referats Straßenplanung, sprach von der am höchsten belasteten deutschen Bundesstraße. Verkehrszählungen haben 2018 bis zu 91 600 Fahrzeuge täglich registriert, bis 2035 könnten noch mal 15 bis 25 Prozent dazukommen. Schon jetzt verlieren Pendler morgens in Richtung Stuttgart bis zu zwölf Minuten. „Sie stehen im Stau oder suchen sich andere Wege“, sagte Frank Gericke vom Planungsbüro Modus Consult. Effekt: Kolonnen drücken sich durch Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.

Der sechsspurige Ausbau seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft

Nicht zuletzt deswegen ist der sechsspurige Ausbau seit 2016 im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft, rangiert also auf höchster Stufe. Das Projekt ist jedoch komplex. Vier Anschlussstellen müssen zwischendrin ebenfalls umgebaut werden, außerdem muss bei Echterdingen ein Tunnel abgerissen und neu gebaut werden. Lärmschutzwände, etwa auf Höhe von Bernhausen, stehen auch auf der Agenda.

Das RP hat drei Varianten erarbeitet. Denkbar ist Variante 1, die symmetrische Verbreiterung, indem in jeder Fahrtrichtung seitlich angebaut wird. Variante 2 sieht eine einseitige Verbreiterung vor. Während hierbei die bestehende B 27 zunächst unberührt bleibt, wird östlich davon der neue Mittelstreifen und eine komplett neue Fahrbahn in Richtung Stuttgart gebaut. Später wird alles zusammengeführt, zudem wird am westlichen Rand überschüssige Straßenbreite zurückgebaut.

Im Vergleich schneidet die Variante 3 am besten ab

Außerdem gibt es noch Variante 3, eine optimierte Version von Variante 2. Hierbei wird gleich zu Beginn ein seitliches Stück der Bundesstraße abgeknapst und für den Bau verwendet. In Fahrtrichtung Stuttgart ergibt dies schmalere Spuren während der Bauphase, dafür wird in Summe gut fünf Meter weniger ins Grünland eingegriffen.

Im Vergleich schneidet die Variante 3 am besten ab. Mit 236 Millionen Euro (V1 = 248 Millionen, V2 = 237 Millionen) ist sie die günstigste, der Flächenbedarf ist mit 890 000 Quadratmetern (V1 = 903 000, V2 = 907 000) der geringste. Die Varianten 2 und 3 haben zudem deutlich kürzere Bauzeiten und lassen den Verkehr weitgehend unbehelligt weiterfließen, während nebenan geschafft wird. Bei Variante 1 müssten Autofahrer während des Baus Tempo 60 in Kauf nehmen, auch wären eine provisorische Umfahrung und eine längere Sperrung bei Filderstadt-Ost vonnöten. Allerdings hat die Variante 1 beim Ackerlandverbrauch die Nase vorn. Bei ihr würden knapp über 141 000 Quadratmeter umgewandelt (V2 = knapp 216 000, V2 = knapp 197 000). Etliche Landwirte wetterten während der Präsentation des RP gegen den drohenden Verlust der guten Filderböden.

Ausschreibung und Bau ließen sich bis 2030 realisieren

Im Frühjahr soll sich das Bundesverkehrsministerium für eine Variante entscheiden. Dann geht es in die weiteren Planungen. „Wenn alles super und optimal läuft, könnten wir Ende 2025 Baurecht haben“, sagte Nicole Brucker, die Sachgebietsleiterin Landschaftsplanung beim RP. Ausschreibung und Bau ließen sich dann in etwa fünf Jahren, also bis 2030, realisieren.