Ein Autohändler zahlt bei einer Zwangsversteigerung in Bad Cannstatt 175 000 Euro für den Supersportwagen. Andere Bieter haben Zweifel, ob der Wagen zu diesem Preis noch ein Schnäppchen ist.
Am Samstagvormittag wurde auf dem Hof des Abschleppdiensts Meixner in der Cannstatter Elwertstraße ein Lamborghini Aventador zwangsversteigert. Gründe für die Pfändung des Supersportwagens nannte Sabine Müller, die Obergerichtsvollzieherin des Amtsgerichts Bad Cannstatt, zwar nicht, dafür erklärte sie ausführlich die Regeln, die bei einer solchen Präsenzauktion gelten. Unter anderem, dass der Höchstbietende den Betrag umgehend in bar bezahlen muss.
Diese Modalität hatte wohl nicht jeden Interessierten – fünf ernsthafte Bieter waren neben zahlreichen Neugierigen gekommen – erreicht, als kurz nach elf Uhr die Versteigerung startete. 105 000 Euro, die Hälfte des Schätzwerts des Fahrzeugs, wurden zunächst ausgerufen. Letztlich erhielt ein Autohändler aus der Region bei 168 000 Euro den Zuschlag. Wenig später gab Sabine Müller jedoch bekannt, dass er das Geld nicht dabei habe. „Der Wagen wird daher noch einmal ausgerufen.“ Zugleich merkte die Gerichtsvollzieherin an, dass der Höchstbietende der ersten Versteigerung eine mögliche Differenz ausgleichen müsse, sollte der Lamborghini im zweiten Durchgang für weniger Geld weggehen. Außerdem sei er von der Auktion ausgeschlossen.
Zweiter Durchgang startet bei 130 000 Euro
Lange zittern, dass er auch ohne ersteigerten Supersportwagen ordentlich zur Kasse gebeten wird, musste er nicht. In der zweiten Runde – die Gerichtsvollzieherin stieg dieses Mal bei 130 000 Euro ein – kletterten die Gebote bis auf 175 000 Euro an. Und dieses Mal hatte der Höchstbietende genügend Bargeld dabei – beziehungsweise ließ sich einen Teil davon kurz nach Ende der Versteigerung nach Bad Cannstatt liefern.
Ein Stuttgarter Immobilienmakler, der bereits Besitzer eines Lamborghinis ist und bis 150 000 Euro mitgeboten hatte, strich enttäuscht die Segel. „Ich hätte den Wagen schon gerne für meinen Privatbesitz gehabt, mir gefällt besonders die Keilform.“ Für 175 000 sei ihm der zehn Jahre alte Aventador aber einfach zu teuer gewesen. „Wenn bei solch einem Wagen etwas gemacht werden muss, kommen schnell 20 000 Euro zusammen. Und dann ist man so langsam in einem Bereich, wo man ein vergleichbares Fahrzeug auch mit Garantie bei einem Händler bekommt“, so der Autosammler. Unklar sei zum Beispiel, ob der Lamborghini, der rund 55 000 Kilometer gelaufen ist, unfallfrei ist. „Dass die Motorkontrollleuchte an ist, kann eine Kleinigkeit sein, muss es aber nicht.“ Laut eines Sachverständigen, der das Auto Ende Mai auf dem Hof des Abschleppdiensts unter Augenschein nahm, stehe aber „nur“ ein großer Kundendienst an.
„Gekauft, wie gesehen – und ganz ohne Probefahrt“, so der Autosammler. „So eine Aktion stellt immer ein gewisses Risiko dar.“ Zumal die Vorgeschichte des Fahrzeugs unklar sei. Anhand der Fahrgestellnummer müsse man davon ausgehen, dass es sich um einen Import aus den Vereinigen Arabischen Emiraten handelt. Mir waren es am Ende einfach zu viele offene Punkte, sodass ich lieber nicht mehr weiter mitgeboten habe.“