Die Großprojekte auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal machen Fortschritte, allerdings ist die Anbindung des neuen Stadtteils an das übrige Bad Cannstatt immer noch mangelhaft.
Die Aufsiedlung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals zwischen Wasen, Daimlerstraße und den Bahngleisen ist neben dem Rosensteinquartier das größte Städtebauprojekt der Landeshauptstadt. Wenig Verkehr, viel Grün, ein eigenes Regenwassermanagement und eine nachhaltige Energieversorgung sowie eine Gewerbebebauung als Lärmschutz – viele Themen in diesem extrem komplexen Baugebiet, das aus 29 Einzelquartieren besteht und für das es vier Bebauungspläne brauchte, haben die Stadtplaner schon lösen können. Doch eine „Baustelle“ bekommen sie seit gut zwei Jahrzehnten nicht in den Griff: die mangelhafte fußläufige Anbindung des neuen Stadtteils, in dem einmal bis zu 5000 Menschen wohnen und arbeiten werden. Der sogenannte Seelbergdurchlass, eine knapp 200 Meter lange, düstere Unterführung unter den Bahngleisen hindurch, steht seit Jahren in der Kritik.
Großer Handlungsbedarf
Im Rahmen seiner Sommertour durch die Stadtbezirke nahm jetzt OB Frank Nopper in Begleitung von Bezirksbeiräten und rund 40 Bürgerinnen und Bürgern die Problemröhre in Augenschein. Sein Fazit: „Wenig einladend, unübersichtlich, fast schon beängstigend.“ Keine Frage, auch er finde, dass hier gehandelt werden muss. Vor allem nachdem er gehört hatte, dass der Durchlass bei Starkregen schon einmal bis zu einem Meter tief unter Wasser steht und dann nicht mehr passierbar ist. Allerdings wurde Stuttgarts Rathauschef auch schnell klar, dass das Problem nicht von heute auf morgen zu lösen ist.
Nicht nur die verwinkelte Bauweise und die Länge von gut 200 Metern, vor allem die Anbindung des Tunnels an die Deckerstraße sind baulich ein ganz dickes Brett. Es gibt dort zwar eine Treppe und eine Rampe, die ist jedoch nur fahrradtauglich und für Rollstuhlfahrer mit einer Länge von fast 30 Metern ein unüberwindbares Hindernis. Ein Aufzug könnte zwar eine Lösung sein. „Doch der wird angesichts der versteckten Lage mehr kaputt als in Betrieb sein“, erklärte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel-Löffler, als er OB Nopper die ziemlich lange Vorgeschichte des Seelbergdurchlasses erzählte.
Kosten gehen in die Millionen
Denn Pesch & Partner, der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für das Güterbahnhof-Areal, hatten bereits 2007 vorgeschlagen, einen neuen Durchgang durch den Bahndamm zu bauen. Doch erste Studien zeigten, dass ein neuer Tunnel nicht nur bautechnisch schwierig ist, sondern auch richtig teuer. Alles in allem gingen die Schätzungen damals von mindestens 16 Millionen Euro aus. Heute dürften die Kosten für einen neuen Tunnel zwischen Seelberg und Neckarpark doppelt so hoch sein. Ein weiteres Problem sind die Besitzverhältnisse: Die Röhre ist im Eigentum der Stadt, das Gelände darüber gehört der Deutschen Bahn.
Wie kann und soll es also weitergehen? OB Frank Nopper will das Thema mit dem zuständigen Referat besprechen. „Eine Lösung des Problems wird es geben, aber sicher keine schnelle“, sagte er. Somit werden auch die Nutzerinnen und Nutzer des neuen Bildungszentrums, das in knapp 200 Meter Entfernung zum Seelbergdurchlass für fast 100 Millionen Euro errichtet wird, noch einige Jahre mit der finsteren Röhre vorlieb nehmen müssen. Dazu zählen auch etliche Kinder. Denn in dem Gebäudekomplex wird auch eine vierzügige Grundschule integriert, die zum Schuljahr 2025/26 den Lehrbetrieb aufnehmen will. Bis dahin wird es mit Sicherheit noch keine adäquate Lösung geben.