Wege mit dem Rauchen aufzuhören gibt es viele – entscheidend ist aber der Wille Foto: dpa-tmn

Mit Studien versuchen Mediziner und Psychologen herauszufinden, was beim Rauchstopp helfen kann. Fest steht aber: Ohne den Willen aufzuhören, bringt auch das beste Hilfsmittel nichts..

Wien - Schluss damit – wenn es doch nur so einfach wäre. Suchtexperten wissen um die Angst der Raucher vor der eigenen Courage, ihrem Laster zu entsagen. Im Nikotin-Institut Wien, das Raucher bei der Entwöhnung unterstützt und Wege aus der Nikotinsucht erforscht, setzt man daher auf verhaltenstherapeutische Ansätze: „Ein fester Wille ist notwendige Voraussetzung für den erfolgreichen Ausstieg“, sagt der wissenschaftliche Leiter Ernest Groman, der zudem Dozent an der Medizinischen Universität Wien ist. Er rät daher Rauchern, ihrem Laster bewusster nachzugehen. „Sie sollen sich fragen, wann, wo und wie oft man raucht und aus welchem Grund.“ So lässt sich schnell erkennen, welche Hilfsmittel beim Rauchstopp eingesetzt werden können. Grundsätzlich gilt: „Wer den Zigaretten entsagen will, sollte sein Vorhaben planen.“

Nikotinpflaster/-kaugummis

Die Glut glimmt auf, ein tiefer Zug – und schon durchströmen den Körper 3000 Substanzen, von denen mindestens 30 nachweislich Krebs erregen. Und das sind meist die, die beim Verbrennen des Tabaks entstehen. Kein Wunder also, dass den Medizinern es lieber ist, die Raucher würden wenigstens auf Ersatzprodukte umsteigen, die dem Körper das Nikotin ohne schädlichen Qualm zuführen – per Pflaster, per Kaugummi oder Sprays. Da diese die Entzugserscheinungen vermindern und das Verlangen zu rauchen lindern, werden diese Hilfsmittel bei der Rauchentwöhnungen in Kombination mit Verhaltenstherapien erfolgreich eingesetzt, so auch im Nikotin-Institut Wien. Diese Mittel können laut Studienlage die Wahrscheinlichkeit für einen Rauchstopp um 50 bis 70 Prozent erhöhen. „Nachteile haben die Ersatzprodukte aber für Raucher, die den schnellen Kick brauchen“, sagt Groman: Während der Nikotinspiegel beim Rauchen sofort steigt, dauert es beim Pflaster oder beim Kaugummikauen rund eine Viertelstunde, bis auch hier der Effekt eintritt. „Der Geschmack ist zudem gewöhnungsbedürftig“, sagt Groman. Insbesondere Sprays lösen bei vielen Probanten Schluckauf aus.

Medikamente

Die Pille um gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen, wurde noch nicht erfunden. Aber an einer Impfung wurde schon fleißig geforscht: Das Serum soll das Immunsystem dazu anregen, bestimmte Antikörper zu bilden. Diese docken an den Suchtstoff Nikotin an, der im Blut zirkuliert, und hindern ihn so daran, ins Gehirn zu gelangen. Man verhindert so, dass das Nikotin wirkt – allerdings nur bei den Patienten, deren Immunsystem besonders viele Antikörper gebildet hat.

Es gibt aber weitere medikamentöse Unterstützung: etwa den Wirkstoff Bupropion, der unter anderem den entzugsbedingten Mangel des Botenstoffs Dopamin ausgleicht. Was wichtig ist, denn Dopamin ist unter anderem für das menschliche Wohl­befinden verantwortlich. „Allerdings gelingt das nicht bei jedem Patienten“, sagt Groman. Tatsächlich haben vor wenigen Jahren kanadische Forscher herausgefunden, dass auch Bupropion ein Wirkstoff ist, bei dem es bestimmter genetischer Vor­aussetzungen   bedarf,  damit  dieser   wirkt.

Der weitere Wirkstoff Vareniclin blockiert im Gehirn die Andockstellen, an denen sonst das Nikotin sich anhaftet. So werden die Entzugssymptome gemindert und neues Nikotin kann nicht mehr wirken. Der Raucher empfindet kein befriedigendes Gefühl, wenn er dennoch zur Zigarette greift. „Wir haben in den Therapieprogrammen zur Rauchentwöhnung gute Erfahrungen mit den Medikamenten gemacht“, sagt Groman. Auch wissenschaftlich sind die Erfolgs­ausichten gut belegt. Wer sich allerdings für eine Therapie mit den beiden verschreibungspflichtigen Medikamenten Vareniclin und Bupropion entscheidet, sollte die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schlafstörungen nicht unterschätzen. Auch hier empfiehlt es sich, die Medikamente mit einer Verhaltenstherapie zu kombinieren.

Akupunktur

Die chinesische Medizin wird gern zur Suchtbekämpfung eingesetzt – fraglich jedoch bleibt, ob Akupunktur auch die Lust am Rauchen vertreiben kann. Zwar gibt es zahlreiche Aussagen von Ex-Rauchern, die von einer erfolgreichen Akupunktur berichten. Einen wissenschaftlichen Beleg gibt es aber nicht. Da diese Methode aber keine Nebenwirkungen hat, empfehlen Suchtforscher wie Groman sie als unterstützende Maßnahme bei einer Nikotinentwöhnung.

Hypnose

Als Raucher unter Hypnose gesetzt, als ­Ex-Raucher wieder in der Realität gelandet. Kann man so einfach mit dem Rauchen aufhören? Zumindest von wissenschaftlicher Seite wird man dazu keine klare Antwort ­bekommen. Die Rauchentwöhnung per Hypnose wird daher von Experten skeptisch betrachtet. Die Wirksamkeit zu überprüfen sei einfach zu schwierig, so Groman.

E-Zigaretten

Die Meinungen, ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnungen helfen können, wird unter Experten scharf diskutiert: Das Deutsche Krebsforschungsinstitut in Heidelberg lehnt die E-Zigarette sogar rundum ab. Schließlich enthalten einige Flüssigkeiten nach Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geringe Mengen an giftigen Substanzen wie tabakspezifische Nitrosamine und Diethylenglykol. Beim Dampfen entstehen zudem chemische Verbindungen, die Krebs auslösen können. Außerdem können feine Partikel die Lungenentwicklung beeinträchtigen.

Andererseits hat eine Studie des University College London mit rund 6000 ausstiegswilligen Rauchern ergeben, dass 20 Prozent von denen, die es mit einer E-Zigarette als Übergangslösung versucht hatten, tatsächlich am Ende Nichtraucher waren. Für Suchtforscher wie Groman ist die E-Zigarette daher das kleinere Übel: „Natürlich haben sie auch schädliche Stoffe, aber sie sind weniger schädlich als Tabakzigaretten.“ Seiner Meinung nach könnte die E-Zigarette in Kombination mit anderen Therapiemethoden durchaus als Ausstiegsmethode taugen – sofern es sich um kontrollierte und zertifizierte Produkte handle. „Als Arzt und Mediziner steckt man da in einem ­Dilemma.“ Denn gesund ist beides nicht.

Einfach aufhören

„Ich habe einfach aufgehört“ – wer diesen Satz von Rauchern hört, der sollte skeptisch sein, rät Groman. „Das war keine Entscheidung, die spontan gefällt wurde.“ Meist ­waren die Raucher mit ihrem Laster zwei bis drei Jahre zuvor unzufrieden. Der abrupte Rauchstopp endet dann meist erfolgreich, wie ein Forscherteam aus Australien herausfand: Die Chancen auf eine dauerhafte ­Abstinenz sind so beinahe doppelt so hoch wie nach einem schrittweisen Entzug.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: