Christopher (David Thewlis) und Susan (Olivia Colman) in „Landscapers“ Foto: Sky/HBO

Ein Ehepaar mit Hollywood-Visionen auf der Flucht, eine gruslige polizeiliche Ausgrabung: Die tragikomische, sehr britische Krimiserie „Landscapers“ schwankt zwischen anrührend und absurd.

Stuttgart - Die Tagträumerin Susan ist verliebt in Gary Cooper. Sie sieht sich in Schwarz-Weiß in dessen Armen wie die junge Grace Kelly in Fred Zinnemans Westernklassiker „High Noon“ („Zwölf Uhr mittags“, 1952). In der Realität sind es die Arme ihres liebevollen Mannes Christopher. Die beiden sind auf der Flucht, gestrandet in Paris, als die Polizei in Nottingham die Leichen von Susans Eltern entdeckt, vergraben im Garten eines Reihenhauses.

 

Aus einem realen Fall aus dem Jahr 1998 haben die Briten Ed Sinclair (Drehbuch) und Will Sharpe (Regie) die fiktive vierteilige Serie „Landscapers“ gestrickt, eine Koproduktion von HBO und Sky. Die lebt von herausragenden Hauptdarstellern, dem Mut zum Einsatz filmischer Mittel und einem starken Kontrast zwischen übertriebener britischer Höflichkeit und derbem, britischem Humor.

David Thewlis gibt einen umständlichen Gentleman

Olivia Colman („The Favourite“, „Frau im Dunkeln“) macht aus Susan eine ganz wunderbare Neurotikerin, deren Stimmung binnen Sekundenbruchteilen umschlagen kann: Gerade schwelgt sie noch in Hollywood-Visionen, da wirft sie schon mit wertvollen Fanartikeln um sich. David Thewlis („Harry Potter“) brilliert als umständlicher Gentleman Christopher, dem seine mangelnden Französischkenntnisse ebenso im Weg stehen wie seine makellosen Manieren.

Neben den schwarz-weißen Hollywood-Traumsequenzen streuen Sinclair und Sharpe auch surreale Theatermomente ein, in denen etwa Christopher bei einer Verkündigung der Polizei in Nottingham im Publikum steht und einen kleinen Monolog hält. Diese Polizei ist eine sehr britische Persiflage auf mittelmäßig funktionale Ordnungshüter, geschlagen mit einem fürchterlich fluchenden Chef und konfrontiert mit einem Panoptikum skurriler Zeugen.

Eine tragikomische Melange

Zusammengenommen ergibt sich daraus eine tragikomische Melange. Anrührende und absurde Momente wechseln sich ab, fließen ineinander, erzeugen Reibung. Zwischendurch schauen Olivia Colman und David Thewlis einander in die Augen, und er redet beider Elend schön wie ein Echo aus einer heilen Welt: „Alles wird gut, ich versprech’s!“

Landscapers. Ab 10.2. auf Sky.