Hennatrittle und Hahneschrittle Foto: dpa

Badenka und Mariä Lichtmess – zu diesen beliebten Themen sind wir allen „Auf gut Schwäbisch“-Freunden noch einige Leser-Beiträge schuldig.

Stuttgart - Badenka und Mariä Lichtmess – zu diesen beliebten Themen sind wir allen „Auf gut Schwäbisch“-Freunden noch einige Leser-Beiträge schuldig. Das gilt auch für das Thema Eilagreit, dem wir die morgige Spalte widmen.

Mariä Lichtmess, das am 2. Februar gefeiert wird, weckt bei Horst Mändle aus Unterensingen Erinnerungen an früher: „In meiner Jugend auf der Schwäbischen Alb war es an Lichtmess Brauch, dass sich die Schulklassen – getrennt nach Mädle und Buba – in einem Privathaus trafen. Zu essen gab es eine mitgebrachte rote Wurst und zu trinken eine Flasche Sprudel. Rote und Sprudel – das war damals etwas ganz besonderes. Die rote Wurst musste beim Metzger vorbestellt werden, denn es gab damals nicht, wie heute üblich, das ganze Jahr über Würste. Der Nachmittag klang stets mit einer großen Schneeballschlacht aus. Lichtmess war damals auch der Wandertag für die Mägde und Knechte. Zudem endeten an diesem Tag die Lichtstuben, in denen sich ledige Frauen zum Stricken, Häkeln und Schwätzen trafen.“

Ruth Spith aus Jettingen schreibt: „Zu Lichtmess sagte meine Mutter (Jahrgang 1928), es gelte die Regel: Bis Liachtmess Hennatrittle, ab Liachtmess Hahneschrittle. Der Hintergrund: Vom 21. Dezember bis zum 2. Februar ist es jeden Tag zwei Minuten länger hell. Vom 2. Februar an sind es täglich drei Minuten. Da ein Huhn kleinere Schritte als ein Hahn macht, ist der Vergleich treffend und lustig zugleich. Wir Kinder freuten uns immer über diesen Spruch, bedeutete es doch, dass der kalte Winter bald vorbei ist.“

Fritz Flattich aus Wiernsheim zitiert eine andere Bauernregel: „Meine Mutter, an Lichtmess 1913, also dieses Jahr am 2. Februar genau vor hundert Jahren geboren, pflegte uns Kindern diesen Spruch weiterzugeben: ,Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche, geht er noch vier Wochen zu Loche.‘ Das bedeutet: Wenn es an Lichtmess warm ist und die Sonne scheint, wird es nochmals richtig kalt.“

Zum Thema Badenka schreibt Jürgen Klingenberger aus Remshalden: „Ich bin Reingeschmeckter aus Essen und lebe seit den sechziger Jahren im Remstal. Im Gesangverein sangen wir die Silcher-Lieder. Der gesamte Text von ,I han jo koi Schätzele me‘ steht in der Friedrich Silcher-Sammlung unter dem Titel ,Untreue‘. Es heißt darin: Badenka = Schlüsseblumen, die Blumen der verschmähten Liebe.“

Auf eine andere Liedersammlung weist Hildegard Waniczek aus Schorndorf hin – „auf ein Textbüchlein zur Klavier-Ausgabe des Musikverlages Albert Auer, Stuttgart. Aus welchem Jahr diese Ausgabe ist, kann ich nicht feststellen, aber der Preis ist noch in Reichsmark angegeben. Die Bezeichnung ,Batenke‘ habe ich im Sprach-Brockhaus von 1940 gefunden: ,Der Batengel, die Batenke, M=Mundart, Schlüsselblume und andere Pflanzen. (schwäb.; Umbildung aus lat. Betonika).“ Eine Dankeschön auch an Georg Mayer aus Stuttgart für Hinweise auf den Liedtext.

Gottfried Quinzler aus Sindelfingen gibt zu bedenken: „Ich habe den Eindruck, dass es bei der Benennung der Schlüsselblumen sowohl örtlich als auch familiär große Unterschiede gibt. In Vorderweißbuch lernte ich, dass die dunkelgelben Schlüsselblumen ,Madenkela‘ heißen; meine Mutter sammelte sie immer zum Trocknen für Tee. Die hellgelben wachsen mehr im Wald und hießen einfach Schlüsselblumen (für Tee wurden sie nicht verwendet). Die ,lila Schlüsselblumen‘, von denen die Rede war, waren für uns farbige Schlüsselblumen oder ,Lungenkraut‘ (sie wachsen mehr am sonnigen Waldrand und wurden ebenfalls für Tee gesammelt).“

Ein Nachtrag noch zur gestrigen „Auf gut Schwäbisch“-Spalte („Putz au dei Rotzglock!“). Dazu schreibt Rolf Schippert aus Oberschlechtbach: „Wenn früher in den Wirtschaften ein paar Leute beisammen saßen, wurde immer gesungen. Gingen die Lieder aus, konnte einer fragen: ,Was sengat mr jetzt?‘ Dann sagte ein anderer: ,Mir sengat jetzt des Lied: ,I ha en Bolla Rotz em Hals‘ – noch dr Melodie ,Drei Spatza gaiglat em a Kuddroimer.‘“

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Fritz Flattich aus Wiernsheim: „D’Hauptsach isch, dass d’Hauptsach Hauptsach bleibt – des isch d’Hauptsach.“

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