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Wir gehen auf Spurensuchen nach Claudia Kohde-Kilsch, die im Doppel zwei Grand-Slam-Titel holte.

Was machen Sportler heute, die vor vielen Jahren Geschichte(n) geschrieben haben? In unserer Serie gehen wir auf Spurensuche. Heute: Claudia Kohde-Kilsch (46), die im Doppel zwei Grand-Slam-Titel holte und 1985 Weltranglisten-Vierte wurde.

 

SAARBRÜCKEN. Als Claudia Kohde-Kilsch vor einem Jahr in einer Zeitungskolumne über das Loch nach dem Leistungssport schrieb, hatte sie es hinter sich - das Loch. Hineingefallen war sie Mitte der 1990er Jahren. Da war ihre Profikarriere zu Ende. Vorbei war es mit den Tagen, die von morgens bis abends durchgeplant sind.

Da war die blonde Frau auf sich allein gestellt. Und sie überlegte, was man in seinem Leben noch machen kann - außer Tennis spielen. In der Zeitungskolumne schreibt sie, dass dort, wo sonst Training war, auf einmal Leere war. Und dass Tennisprofis ihre Karriere schon hinter sich haben, wenn andere Menschen erst damit anfangen. Sie rät jungen Sportlern, schon früh an das Ende der Karriere zu denken. Denn bei ihr begann 1995 eine Suche nach sinnvoller Beschäftigung - es scheint, als suche sie immer noch.

Denn es gibt viel, das Claudia Kohde-Kilsch gerne macht. Schreiben, zum Beispiel. Im Jahr 2000 heiratet sie den Musiker Chris Bennett. Da begann sie, Liedtexte zu zu verfassen. 2004 bekam sie sogar eine Auszeichnung für den Titel "Sometimes". "Silbermond bekam den zweiten Preis", sagt Claudia Kohde-Kilsch immer, wenn sie davon erzählt. Es geht in dem Lied um das Ende. Nicht das einer Tenniskarriere. Der Text handelt davon, wie es ist, wenn die Liebe weg ist. "It's over now - can't see you anymore", heißt es da. (Auf Deutsch: "Es ist vorbei - ich kann dich nicht mehr sehen.")

Bei Claudia Kohde-Kilsch war die Liebe noch da, als sie das Lied geschrieben hat. Weg war sie erst fünf Jahre später. Chris Bennett und sie trennten sich. Das war vor einem Dreivierteljahr. Das sei nicht leicht gewesen, sagt Claudia Kohde-Kilsch. Seit fünf Monaten jedoch hat sie wieder einen Freund. Er heißt Christian und ist acht Jahre jünger, sagt sie. Im Musikverlag von Chris Bennett macht sie fast nichts mehr.

Sie hat jetzt ihre eigene Eventfirma in Saarbrücken. Claudia Kohde-Kilsch veranstaltet Tenniswochenenden in teuren Hotels. Neben anderen Trainern steht Claudia Kohde-Kilsch selbst auf dem Platz. Sie sagt, dass sich die Menschen darüber freuen würden. Außerdem bietet sie Tennis in allen möglichen Kombinationen an. Tennis und Benimmkurse zum Beispiel. Dafür hat sie einen Coach engagiert. Er heißt Uwe Fenner und sei in Deutschland sehr bekannt, sagt sie. Es gibt auch Kurse, die heißen Tennis und Kochen oder Tennis und Schnee.

Wenn sie keine Kurse gibt, kümmert sich Claudia Kohde-Kilsch um ihre Internetseite und macht Werbung für ihre Veranstaltungen. Außerdem ist da noch ihr neunjähriger Sohn Fynn. Der Junge ist hochbegabt - hat einen IQ von 145 - spielt Tennis und Fußball und muss viel herumgefahren werden. "Ich weiß gar nicht, woher er die Hochbegabung hat", sagt Claudia Kohde-Kilsch, die nach ihrer Karriere Journalistik studierte (und mit "hervorragend" abschloss) und die Dinge sagt wie: "Wenn man einmal Hochleistungssport gemacht hat, dann möchte man immer die Beste sein." Ihre Kolumne endet mit den Worten "Ich habe das Loch überstanden." Vielleicht ist für sie die Suche das Ziel.

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