Robert Capa hat 1945 dokumentiert, wie Alfred Hitchcock (re.) mit Capas damaliger Geliebten Ingrid Bergman „Berüchtigt“ inszenierte. Foto: Magnum Photos/

Ungeschminkte Filmstars und Regisseure bei der Arbeit gab es nicht immer zu sehen. Der Einstünder „Filmikonen“ auf Arte erzählt von einem schönen Wandel. Am Anfang stand eine Affäre.

Hollywood - Der Glanz von Göttinnen will gepflegt sein. Weshalb Hollywood die arrivierten und kommenden Stars für Standfotos so sorgsam herausputzte wie für Filmaufnahmen. Penibel geschminkt, makellos ausgeleuchtet, in kalkulierte Posen gebogen – nur so ließ man Stars vor die Linse. Der knapp einstündige Dokumentarfilm „Filmikonen – Magnum Photos und das Kino“ erzählt von einem gar nicht so kleinen Erdrutsch in der Kinowelt – vom Einschleusen spontanerer, freierer, eigensinnigerer Augenzeugen in die Studios.

Schuld daran war – und das könnte nun wirklich aus einem Drehbuch der goldenen Traumfabrik-Ära stammen – die Liebe. Zwischen der Schauspielerin Ingrid Bergman, verheiratet und unerfüllt, und dem Fotografen Robert Capa, der mit seinen Bildern im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg bereits zu Lebzeiten eine Legende war, hatte es 1945 gefunkt. Um Bergman nahe sein zu können, nistete sich Capa in Hollywood bei den Dreharbeiten zu Alfred Hitchcocks „Berüchtigt“ ein, unter dem Vorwand, er müsse für das Magazin „Life“ eine Fotoreportage über Hitchcock bei der Arbeit liefern.

Eine neue Leidenschaft

Capa schmachtete mit der Kamera hinter Bergman her, die flirtete mit dem Bildapparat. Aber nebenher fiel Robert Capa auf, dass es da eine irrsinnige Diskrepanz gab zwischen dem, wie er fotografierte, und wie die offiziellen Studiofotografen ihre Arbeit betrieben.

Zwei Jahre später war die Affäre zwischen ihm und Bergman längst vorbei, aber eine ganz andere Leidenschaft am Brennen: Capa hatte zusammen mit namhaften Kollegen die Fotoagentur Magnum, gegründet, die vor hatte, die Branche umzukrempeln. Fotografen sollten nicht länger als dienstbare Knechte der Wortjournalisten behandelt werden, die im Notfall verzichtbares Schmuckwerk für Buchstabenkolonnen lieferten, sondern als eigenständige Journalisten, die souveräne Geschichten in Bildform lieferten. Die Bezahlung sollte besser werden, die Rechte sollten bei den Fotografen bleiben, der Umgang mit den Bildern nicht mehr der bloßen Willkür anderer unterworfen sein.

Ungeschminkte Bilder

Die großen Auftraggeber bockten, Magnum hatte anfangs Mühe sich durchzusetzen, und attraktive Themen waren gefragt, zu denen Magazine nicht Nein sagen konnten. Da kamen Filmstars, aber eben auch das ganze Treiben hinter den Kulissen als Thema gerade recht. Die Magnum-Fotografen schwärmten aus, um ungeschminkte, menschliche Bilder vom im Propagandaschaden gehüllten Filmolymp zu liefern. Die Idee zündete.

Sophie Bassaler hat für ihren Film eigene Interviews geführt, hat Erinnerungen von Magnum-Größen aus dem Archiv geholt, füllt den Bildschirm aber – eine kluge Entscheidung – über weite Strecken mit den Fotos selbst, mit ikonischen und mit weniger bekannten Aufnahmen, zum Beispiel von Marilyn Monroe, Marlene Dietrich, James Dean und Alfred Hitchcock. So bleibt es keine bloße Behauptung, dass diese Bilder uns einen ganz eigenen Eindruck verschaffen, dass sie gleichrangig neben den Filmen bestehen. Es wird unmittelbar erfahrbar, in einer schönen Stunde der Huldigung an die sehr menschliche Götterwelt des Kinos.

Ausstrahlung: Arte, 15. Mai 2019, 21.50 Uhr. Bis 23. Mai in der Videothek des Senders.

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