Die Beatles – portraitiert von Armin Mueller-Stahl. Foto: Leif Piechowski

Nur wenige deutsche Schauspieler haben in Hollywood den Durchbruch geschafft und es bis zur Oscar-Nominierung gebracht. Doch Armin Mueller-Stahl ist das gelungen. Weniger bekannt, aber nicht minder anerkannt ist der 83-Jährige als Künstler: Jetzt sind seine Bilder in Nürtingen zu sehen.

Nur wenige deutsche Schauspieler haben in Hollywood den Durchbruch geschafft und es bis zur Oscar-Nominierung gebracht. Doch Armin Mueller-Stahl ist das gelungen. Weniger bekannt, aber nicht minder anerkannt ist der 83-Jährige als Künstler: Jetzt sind seine Bilder in Nürtingen zu sehen.

Nürtingen - Kommt er, oder kommt er nicht? Der Nürtinger OB Otmar Heirich und Galeristin Brigitte Kuder-Bross hoffen, dass der Weltstar die Gelegenheit nutzen und sich die Ausstellung seiner Arbeiten ansehen wird, wenn ihm am 17. Januar der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2014 verliehen wird. Ansonsten hätte Armin Mueller-Stahl einen weiten Weg: Die meiste Zeit lebt er in Kalifornien. Und wenn er in Deutschland weilt, dann ganz im Norden, bei Lübeck.

Doch interessieren dürfte Armin Mueller-Stahl die Ausstellung in der Nürtinger Kreuzkirche schon. Es ist die bislang umfangreichste in Süddeutschland. 152 Exponate, durchweg Originale, hängen in dem ehemaligen Gotteshaus. Einen Schwerpunkt bilden Porträts. Und während man sich umsieht, scheint man plötzlich alle zu kennen: Willy Brandt blickt von exponierter Stelle herüber, weiter drüben sind die Beatles zu sehen, in jungen Jahren, als Pilzköpfe. „John Lennon kannte er persönlich“, sagt Galeristin Kuder Bross, die die Ausstellung konzipiert und umgesetzt hat. Paul McCartney ist er ebenfalls begegnet. Joe Cockers Konterfei ist auf diese Weise jetzt nach Nürtingen gekommen und Michael Jackson, und auch Mick Jagger sind dabei.

Doch Mueller-Stahl, der in der ehemaligen DDR Konzertgeige studiert hat, liebt auch die Klassiker. Johannes Brahms hat er ebenso porträtiert wie Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert. Nach diesen „Menschenbildern“ ist die Ausstellung in Nürtingen benannt.

Gerade bei den Porträts greift Armin Mueller-Stahl viel zu Schwarz und Grau. „Das ist für ihn nicht trist, das sind seine Lieblingsfarben“, sagt Kuder-Bross. Doch ein gewisser Ernst geht von allen Köpfen aus – lächelnd hat der Hollywoodstar niemanden verewigt. Das gilt auch für Friedrich Hölderlin, Nürtingens berühmten Sohn, den Armin Mueller-Stahl eigens für die aktuelle Ausstellung auf Leinwand gebannt hat. Für 6000 Euro kann die Stadt das Bild erwerben – was in einem Gesamtbudget für die Ausstellung von mittlerweile rund 100 000 Euro wohl noch enthalten ist. Eine Original-Lithografie in limitierter Ausgabe von Hölderlin gibt es für 270 Euro.

Doch so wenig farbig die Porträts sind, so leuchtend sind viele Bilder in Mischtechnik. Oft legt Mueller-Stahl eine Zeichnung zugrunde und koloriert sie in kräftigen Tönen. Mueller-Stahl beherrscht alle Techniken: Unter den Exponaten sind Ölbilder, Farbradierungen, (Farb-)Lithografien und Giclée-Drucke.

Der 83-Jährige outet sich nicht erst durch diese Ausstellung als kreativer Kopf. Vielleicht ist es sogar die Musik, die bei ihm an erster Stelle steht. Als Geiger wollte er zunächst seine Brötchen verdienen, kam erst dann zur Schauspielerei und zuletzt zur Malerei. Doch Malen, Musik und Schauspielerei gehörten für ihn zusammen, hat er einmal gesagt – und das Schreiben. Eine Gemeinschaftsausstellung mit Günter Grass (Skulpturen), wie von Brigitte Kuder-Bross zunächst angedacht, hat Mueller-Stahl dennoch abgelehnt.

Für Nürtingen ist die Ausstellung Armin Mueller-Stahl ein Experiment. Denn erstmals in der Ausstellungsreihe werden Werke eines noch lebenden Künstlers ausgestellt. Vorher waren Hundertwasser, Chagall, Dalí, Miró, Picasso und letztes Jahr HAP Grieshaber an der Reihe. Sie alle zogen Tausende von Besuchern in die Stadt – „manchmal so viele, dass es fast zu viel war“, sagt OB Otmar Heirich. Picasso und Hundertwasser kratzten an der 15 000-Besucher-Marke. Ob der in Tilsit geborene Hollywoodstar da mithalten kann, bleibt für Heirich und Kuder-Bross spannend. Auf jeden Fall wird er ein ganz neues Publikum ansprechen – Menschen, die ihn als Schauspieler schätzen und nun wissen wollen, was er sonst noch kann, die sonst aber selten Kunstausstellungen besuchen.

Weil sich bei Mueller-Stahls Bildern ganz besonders gut nachvollziehen lässt, wie ein Werk entsteht, hoffen die Initiatoren auf viel junges Publikum – explizit auf Schulklassen und Kindergartengruppen. 77 Führungen sind schon gebucht, „doch es gibt noch Luft nach oben“, sagt Projektleiterin Bärbel ­Igel-Goll. Motivation, selbst zum Farbkasten zu greifen, soll ein Malwettbewerb sein. Auch Armin Mueller-Stahl wurde schon als Kind mit bildender Kunst konfrontiert: ­Seine Großmutter und seine Tante waren Malerinnen.

Zum Rahmenprogramm gehören literarische Führungen, Kunst- und Wein-Abende und Workshops, eine Matinee und das Projekt Kunst und Kino: Der Film zum Bild. Die Ausstellung ist bis 23. Februar zu sehen, dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr.

www.nuertingen.de

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