Die SSB möchte die Stadtbahn bis nach Markgröningen fahren lassen. Foto: Horst Rudel

Wer für Ludwigsburg eine Niederflur-Straßenbahn oder ein Schnellbussystem fordert, verhindert nur eine schnelle Umsetzung der Stadtbahn, findet unser Kommentar Rafael Binkowski.

Ludwigsburg - Natürlich kann man von einer eigenen Ludwigsburger Niederflur-Stadtbahn wie in Straßburg träumen, mit einem kommunalen Ludwigsburger Straßenbahnchef und einer futuristischen Elektrobahn, die Eglosheim mit der Weststadt und dem Schloss verbindet. Doch solche Träume passen vielleicht zum widerspenstigen, kleinen gallischen Dorf aus „Asterix“, sind aber keine weitsichtige Strategie. Es ist kein Betreiber in Sicht, den die Stadt als Partner zwingend bräuchte. Mit nur 17 Kilometern Strecke wäre es eines der kleinsten Netze in Deutschland und kaum wirtschaftlich zu betreiben. Zudem müssten ein Betriebshof und eine Werkstatt gebaut, Reparaturfahrzeuge angeschafft und das Wissen erworben werden.

Es wäre zudem nahezu absurd, die in der Region erfolgreich und komfortabel fahrende Stadtbahn der SSB ausgerechnet in der zweitgrößten Stadt auszubremsen, und in diesem Ballungsraum eine schwer zugängliche Insel im regionalen Ozean des Verkehrsverbunds zu schaffen. Der Kunde wäre durch die Vielzahl an Angeboten und den damit verbundenen Umstiegen verwirrt und genervt. Mit der Niederflurbahn käme ein weiteres, nicht kompatibles System im ÖPNV-Dschungel hinzu.

In Fellbach und Ostfildern hat sich die Stadtbahn bewährt

Es ist daher die einfachste, wirtschaftliche und sinnvollste Variante, die ausgestreckte Hand der SSB zu ergreifen. Das Modell, die Stadtbahn in Mittelzentren der Region fahren zu lassen, hat sich bewährt. Das zeigen Beispiele wie Fellbach, Ostfildern und nicht zuletzt Remseck. Auf all diesen Strecken sind rund drei Mal mehr Fahrgäste mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs als vorher. Eine Stadtbahn würde ohne Umstiege die zentrale Entwicklungsachse des Landkreises von Markgröningen bis Aldingen abdecken, in der laut Prognosen in den nächsten zehn Jahren noch einmal Tausende von Menschen hinzuziehen werden. Das entlastet die Straßen, schafft für die Nachbarkommunen attraktive Verbindungen und bringt nicht zuletzt der Barockstadt Ludwigsburg zusätzliche Kunden und Touristen. Und Urbanität. Eine angehende Großstadt ohne Straßenbahn wäre nachgerade provinziell.

Sicher muss noch die Frage geklärt werden, wie die Stadtbahn am Ludwigsburger Bahnhof über die Zuggleise kommt. Doch das sind technische Probleme, die lösbar sind. Hochbahnsteige in der Wilhelmstraße oder vor der Schlosskulisse sind nicht notwendig. Und es gibt die Option, später weitere Linien anzubinden, etwa Richtung Schwieberdingen oder Waiblingen.

Die SSB bringt 140 Jahre Erfahrung mit

Die Hochflurbahn hat den entscheidenden Vorteil: Sie ist die einzig realistische Lösung. Sie wird von allen Anliegerkommunen, dem Landkreis und von allen Verkehrsexperten gewünscht.

Bis eine eigene Niederflurbahn in Ludwigsburg mit der nötigen Infrastruktur aufgebaut wäre, gingen Jahre ins Land. Ob es dann noch Zuschüsse gäbe, ist fraglich. Die SSB hingegen bringen 140 Jahre Erfahrung und einen prall gefüllten Baukasten mit, in dem in dem für fast alle Probleme einer Linienausweitung fertige Lösungen liegen. Wer dem Traumschloss einer Ludwigsburger Niederflurbahn oder Schnellbuslinien nachhängt, wird am Ende nichts in der Hand haben und eine echte Lösung verhindern. Die Ludwigsburger sollten daher ihre Verweigerungshaltung aufgeben und sich konstruktiv in die Planung der Stadt einbringen. Das wäre für die Stadt, den Kreis und die Region ein Jahrhundertprojekt, von dem alle profitieren.

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