Die Firma Intec in Besigheim (Landkreis Ludwigsburg) ermöglicht es Menschen mit Handicap eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuüben. Nun feiert die Firma 40-jähriges Jubiläum.
Als Mensch mit Handicap einen Job in der freien Wirtschaft zu finden ist schwer. Die Firma Intec in Ottmarsheim setzt sich seit nun 40 Jahren für die Inklusion von Menschen mit Handicap ein und bietet ihnen einen Arbeitsplatz, der zu ihrer Leistungsfähigkeit passt. Die Firma ist eins von 90 anerkannten Inklusionsunternehmen in Baden-Württemberg.
„Zurzeit beschäftigen wir 22 Mitarbeiter“, sagt Martin Link, der sich die Geschäftsführung mit Paul Möhrer teilt. 16 davon sind schwerbehindert. Der überwiegende Teil dieser Menschen habe ein seelisches Handicap. Mit einem solchen Unterstützungsbedarf bekomme man schlecht Zugang zum Arbeitsmarkt.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit Struktur gibt und die Menschen aus dem Gedankenkreisen herauskommen“, sagt der 62-Jährige. Es sei zwar ein täglicher Aufwand zur Arbeit zu gehen, doch auch ein riesen Erfolg für jeden Einzelnen, es immer wieder zu schaffen. „Am Anfang formulieren wir gemeinsam mit dem Mitarbeiter feste Zeiten und Regelungen, die zum Krankheitsbild passen“, sagt Link. Das beinhalte beispielsweise die Anpassung der Arbeitszeiten passend zur Leistungsfähigkeit. Alle Beschäftigten erhalten einen unbefristeten Arbeitsvertrag, der auf eine vollzeitliche Tätigkeit ausgerichtet ist.
Das Gehalt soll zum Leben reichen
„Wir befinden uns zwischen den Werkstätten, die vor allem fördern, und dem allgemeinen Arbeitsmarkt“, erklärt Link. Deshalb wird den Mitarbeitern wenigstens Mindestlohn bezahlt. Das Gehalt werde aber gemäß der erbrachten Leistungen angepasst. Dafür bekommt Intec auch Lohnkostenzuschüsse vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Die Gelder dienen dazu, die Leistungsminderung auszugleichen. „Die Unterstützung hilft uns sehr.“ Die geringe Fluktuation zeigt, dass dieses Konzept funktioniert. In den letzten Jahren hätten nur zwei Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Edon Demi arbeitet seit fast sechs Jahren im Betrieb. Zur Zeit verschraubt er Leitungen für einen Adapter. „Alle paar Monate mache ich etwas anderes“, sagt er. So bleibe der Job vielseitig. „Intec hat mir die Chance gegeben zu arbeiten.“ Die Tätigkeit mache ihm viel Spaß. „Auch das Team ist super“, sagt Demi. Drei neue Mitarbeiter nehmen demnächst ihre Tätigkeit im Unternehmen auf.
Der Diakonische Gedanke zieht sich durchs Unternehmen
Besonders wichtig sei der Geschäftsführung der diakonische Gedanke. „Wir sehen jeden Menschen als Geschöpf Gottes an“, erklärt Link. Jeder habe ein anderes Leistungsvermögen. „Das ist wie auf einem Tandem. Wer mehr Kraft hat, tritt für den Schwächeren mit.“ Dieses Motto zeigt sich auch in der Werkstatt der Firma. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam an den anstehenden Projekten.
„Wir verstehen die Geschäftsführung nicht als Dirigent“, sagt Link. Möhrer und er arbeiten mit den Beschäftigten im laufenden Betrieb mit. „Ein Mitarbeiter unterstützt mich auch ein bis zweimal die Woche in der Verwaltung.“ Das sei für beide eine Bereicherung. „Wir wollen Gemeinschaft leben“, sagt Link. Jeden Tag gibt es ein gemeinsames Mittagessen im Pausenraum. In jeweils einer Woche kommt das Essen von einem Caterer. „In der anderen Woche kocht meine Ehefrau gute Hausmannskost für uns.“
Das Unternehmen stellt Produkte im Bereich Elektronik und Elektro- und Datentechnik her. „Wir haben beispielsweise ein autarkes Multimediagerät entwickelt“, sagt Link und zeigt auf einen Fernseher, der auf einem Ständer moniert ist. „Wir arbeiten für regionale und überregionale Kunden.“ Auch im Industriegebiet in Ottmarsheim sitzen Kunden des Betriebs. „Wir fertigen beispielsweise den Motor für einen Pinselreiniger, der die Firma Hopf herstellt“, sagt Link. „Aber auch Kabel aller Art für Lautsprecher für die Firma TW Audio in Ludwigsburg.“
Angefangen hat alles in einer kleinen Werkstatt in Mundelsheim
Angefangen hat alles 1984 in Mundelsheim. Einige junge Männer aus der CVJM-Jugendarbeit hatten sich zum Ziel gesetzt, Arbeitsplätze für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu schaffen. Der Fokus sollte auf Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen liegen. „Wir wollten den Kreislauf zwischen Therapie, Rückfall und erneuter Therapie durchbrechen“, berichtet Martin Link, Geschäftsführer. Mit einem Startkapital von damals 8000 Mark, ein bisschen Werkzeug und einem ersten Auftrag im Bereich der Elektrotechnik begann die Arbeit in einer Werkstatt in Murr.
1992 wandelte sich die Werkstatt in eine gemeinnützige GmbH. Der Förderverein Mundelsheimer Bruderschaft ist seitdem alleiniger Gesellschafter der Intec GmbH. Nachdem das Unternehmen durch Platzmangel im selben Jahr von Murr nach Ottmarsheim gezogen ist, konnte die Firma 2016 erneut erweitern und in den Neubau gleich nebenan einziehen.
40-jähriges Firmenjubiläum in Ottmarsheim
Tag der offenen Tür
Am Sonntag, 14. April veranstaltet die Firma einen Tag der offenen Tür. „Wir wollen die Türen für Interessierte und Angehörige öffnen.“ Nach dem Gottesdienst um 10 Uhr und dem gemeinsamen Mittagessen um 11.30 Uhr kann der Betrieb bis 15 Uhr besichtigt werden. Auch die einzelnen Arbeitsplätze werden gezeigt. Allerdings nicht von den Mitarbeitern. „Wir wollen keine Menschen ausstellen.“ Außerdem wird es ein Spendenprojekt für einen neuen Transporter, eine Hüpfburg und Kaffee und Kuchen geben.
Weitere Expansion?
Das aktuelle Betriebsgebäude ist auf 20 Personen ausgelegt. „Langsam sind wir an der Kapazitätsgrenze angelangt“, so Link. Momentan sei das Unternehmen auf der Suche nach der nächsten Geschäftsführergeneration. Im Anschluss kann über eine Erweiterung des Gebäudes nachgedacht werden. „Unsere Auftragslage ist sehr gut. Wir sind gut ausgelastet.“