An der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg hat unlängst eine Tankstelle dicht gemacht. Was war der Grund? Und wie stehen die Tankstellen im Südwesten generell da?
Es war eigentlich immer vergleichsweise wenig los an der Aral-Tankstelle – zumindest gefühlt. So ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass die Filiale an der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg seit einigen Wochen geschlossen ist, Benzin fließt keines mehr aus den Zapfsäulen, die sind längst abgebaut. In dieser Woche rückten die Bagger und begannen mit dem Abriss des Gebäudes.
Warum wurde die Tankstelle geschlossen? Klare Aussagen zur Schließung macht Aral nicht, in der Antwort der Pressestelle muss man zwischen den Zeilen lesen. Veränderungen im Tankstellennetz gehörten „auf Basis wirtschaftlicher Erwägungen bei rund 2400 Stationen in Deutschland zur Normalität“, heißt es. Das gelte auch für die Tankstelle in der Schwieberdinger Straße. Heißt höchstwahrscheinlich: das Geschäft hat sich an der Stelle nicht rentiert.
Welche Rolle spielt die große Konkurrenz in der Nähe? Inwiefern es eine Rolle gespielt haben könnte, dass mehr oder weniger direkt auf der anderen Straßenseite eine weitere Aral um Autofahrer mit leeren Tanks buhlt, dazu äußert sich der Konzern nicht. Dass es weiter die Straße hinunter Richtung Autobahn eine Esso und im Industriegebiet dahinter eine Jet gibt, dürfte aber nicht unwesentlich für den Erfolg gewesen sein. Die Pressestelle von Aral schreibt dazu lediglich: die Versorung der Kunden sei mit der Station gegenüber „gesichert“.
Was passiert jetzt mit dem Gelände? Das Grundstück ist inzwischen verkauft, der Projektentwickler Makay mit Sitz in Ostfildern hat es sich gesichert. Über den Kaufpreis gibt man dort keine Auskunft, über die weiteren Pläne nur vorerst nicht. „Bis Mai dauert das bestimmt noch“, sagt ein Mitarbeiter. Fest stehe aber: mit einer neuen Tankstelle werde man es nicht noch einmal versuchen. Dabei scheint das Unternehmen gerade auf die Entwicklung eben dieser spezialisiert zu sein, wie ein Blick ins Portfolio auf der Internetseite zeigt. Das Makay etwas anderes vor hat, das spricht ebenfalls für das schwierige Umfeld und den geringen Erfolg der alten Aral.
Die Arbeiten auf dem Grundstück werden noch einige Wochen dauern, denn die alten Kraftstofftanks müssen aus der Erde ausgebuddelt werden.
Hat sich das Kundenverhalten geändert? Schließen vermehrt Tankstellen? Aral, der größte Betreiber in Deutschland, beantwortet Fragen „zum generellen Kundenverhalten und Absatzzahlen aus kartellrechtlichen Gründen nicht“ und verweist auf den Wirtschaftsverband Fuels und Energie, in dem die Tankstellenbetreiber zusammengeschlossen sind.
Auch deren Sprecher Alexander von Gersdorff muss bei dieser Anfrage passen. Der Verband führe nur bundesweite Statistiken, keine separate für Baden-Württemberg. Demnach gab es im Jahr 2021 – das sind die aktuellsten Zahlen – in Deutschland rund 14 459 Tankstellen. Im Vorjahr waren es zehn weniger gewesen, die Zahl ist über die vergangene fünf Jahre annähernd konstant geblieben. „Baden-Württemberg dürfte hier keine Ausnahme machen“, so von Gersdorff. Von einem Tankstellensterben im Südwesten habe der Verband jedenfalls nichts gehört.
Wann sind Tankstellen erfolgreich? Auskünfte zu einem Erfolgsrezept sind in der Branche nicht zu bekommen. Die Lage einer Tankstelle dürfte selbstverständlich eine Rolle spielen, die Preise an der Zapfsäule auch. Dass es inzwischen Apps gibt, die dem Kunden zeigen, wo er billiger tankt, ist auch den Betreibern nicht verborgen geblieben. Von Gersdorff nennt den Markt „hochtransparent“, der Wettbewerb sei hart, die regionalen Stationen „kämpfen um jeden Autofahrer“. Der Verbandssprecher beschreibt die Preissprünge im Laufe des Tages als „herunterkonkurrieren“ – zum Wohle der Autofahrer passiere das. Ob das wirklich so ist, ist fraglich. Das Bundeskartellamt hatte bereits 2011 festgestellt, dass es zwischen den Mineralölkonzernen eigentlich keinen Wettbewerb gibt – gegen Gesetze verstoßen die großen Player dennoch nicht, urteilten die Wettbewerbshüter damals. Grund zum Hinschauen hatten sie auch im vergangenen Jahr, als trotz Tankrabatts und zeitweise sinkender Rohölpreise der Kraftstoff so teuer wie noch nie war. Hinweise auf illegale Praktiken wie Preisabsprachen fand das Bundeskartellamt aber nicht.
Welche Rolle spielen die Angebote, die nichts mit Benzin zu tun haben? Eine nicht unerhebliche. Laut der Aral-Pressestelle kommen Kunden längst nicht mehr nur zum Tanken. „Über 60 Prozent aller Transaktionen haben heute nichts mehr mit Kraftstoffen zu tun“, heißt es. Die Partnerschaft mit dem Supermarkt Rewe will man ausbauen, der Convenience-Bereich gehöre zum „Wachstumsmarkt“. Offenbar kaufen selbst junge Menschen zwischen zehn und 27 Jahren – die „Generation Z“ – öfters an Tankstellen ein, obwohl viele gar kein Auto besitzen. In einer repräsentativen Umfrage der MSC-Gruppe, einem Lieferanten für Snacks, Getränke und Co., gaben 58 Prozent der Befragten, die zu der Gruppe zählen, an, mindestens einmal im Monat in einer Tankstelle einzukaufen.
Wie sehen die Tankstellen die Zukunft? Dass ab dem Jahr 2035 in der EU nur noch Neuwagen mit Verbrennermotor zugelassen werden, die beim Fahren CO2-frei sind, treibt die Tankstellen durchaus um. Sie investieren deshalb in E-Ladeinfrastruktur. Aral will bis 2025 beispielsweise über 5000 Ultra-Schnellladepunkte aufbauen, momentan sind es 1200. Aber: „Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden noch eine ganze Weile auf Deutschlands Straßen unterwegs sein“, heißt es aus der Pressestelle.