Der Arzt Jens Künzel arbeitet seit 2006 am Airport Medical Center. Foto: Julia Bosch

Am Flughafen in Stuttgart werden nicht nur Corona-Abstriche, sondern auch Tests auf Antikörper angeboten. Zahlen muss man diese selbst. Und wer etwas mehr Geld in die Hand nimmt, erhält das Ergebnis beinahe sofort.

Filder - Als vor wenigen Tagen eine Maschine aus der Türkei am Stuttgarter Flughafen landete und kurz darauf 30 Reisende vor seiner Praxis standen und spontan einen Corona-Test wollten, musste Jens Künzel abwinken. Wer sichergehen möchte, ob er sich mit dem neuartigen Virus infiziert hat oder sogar bereits Antikörper gebildet hat, also eine Infektion hinter sich hat, muss sich vorher am Airport Medical Center anmelden (Telefonnummer: 0711/97 46 92 23). Dann kann aber alles ganz schnell gehen: Bei einem Schnelltest erhält man innerhalb von 15 Minuten sein Ergebnis.

Wie bei einem Schwangerschaftstest

In der Arztpraxis im Terminal 1 des Stuttgarter Flughafens werden vier unterschiedliche Corona-Tests angeboten. Zum einen gibt es den klassischen Abstrich auf Sars-CoV-2, wie er auch in den Corona-Abstrichzentren durchgeführt wird. Der Person wird kurz ein Holzstäbchen in den Rachenraum geführt. Dieses wird dann an ein Labor geschickt, und innerhalb von ein bis zwei Tagen erhalten die Personen das Ergebnis. Derselbe Test ist auch im Schnellverfahren möglich: Dann wird die Probe direkt in der Praxis ausgewertet, und man hat nach einer Viertelstunde Gewissheit.

Der Test auf Antikörper funktioniert anders: Dabei wird etwas Blut abgenommen, das dann untersucht wird. Entweder geschieht dies in einem Labor, dann erhalten die Personen innerhalb von 48 Stunden Bescheid, oder man nutzt den Schnelltest und erfährt innerhalb von 15 Minuten, ob man eine Infektion bereits hinter sich hatte. „Man kann sich das wie bei einem Schwangerschaftstest vorstellen“, erläutert der Arzt Jens Künzel. „Nach kurzer Zeit erscheint das Ergebnis: positiv oder negativ.“

Schnelltest kostet mehr als Labortest

Ein Antikörper-Test kostet rund 60 Euro, ein Abstrich etwa 170 Euro, der Schnelltest ist jeweils ein paar Euro teurer. Immer mehr Leute würden dies aber gerne bezahlen, um das Testergebnis sofort zu erhalten, sagt Jens Künzel. Außerdem habe sich die Nachfrage in den vergangenen Wochen verändert: Anfangs wollten mehr Menschen eine Abstrichuntersuchung, „inzwischen führen wir häufiger Antikörper-Tests durch“.

Insgesamt etwa 1000 Tests wurden am Airport Medical Center seit Ende April durchgeführt, davon waren etwa 70 Prozent Tests auf Antikörper, 30 Prozent Abstrichuntersuchungen auf eine aktuelle Infektion. Wie viele von den rund 1000 durchgeführten Tests positiv und wie viele negativ waren, kann Jens Künzel nicht sagen. „Wir haben keine Statistik geführt.“

Auch Babys und Greise werden getestet

Die Gründe, warum jemand einen Corona-Test verlange, seien ganz unterschiedlich, berichtet der Arzt. „Wir bekommen zum einen viele Anfragen von Firmen, die ihre Mitarbeiter auf Antikörper testen wollen, um herauszufinden, ob und wie sie die Belegschaft wieder einsetzen können.“ Aber auch viele Privatpersonen würden sich auf Antikörper testen lassen wollen: „Manche haben Angehörige, die zur Risikogruppe gehören oder schwer erkrankt sind. Da wollen die Leute wissen, ob sie das Coronavirus möglicherweise bereits überwunden haben und ihre Verwandten unbesorgt treffen können.“ Babys, Kinder, Jugendliche, Erwachsene – die Altersstruktur derjeniger, bei denen er Antikörper-Tests durchführe, sei völlig durchmischt, sagt Künzel. Kürzlich seien auch zwei Greise gekommen, die bereits um die 90 waren: „Da stand ein Familientreffen an, und sie wollten wissen, ob sie hingehen können.“

Wobei Jens Künzel betont: Wissenschaftlich ist noch nicht geklärt, ob eine überwundene Infektion mit dem Coronavirus tatsächlich Immunität erzeugt – und vor allem für wie lange Zeit. „Das wird man wohl erst in den nächsten Jahren herausfinden, das sage ich den Patienten auch immer. Wie die dann damit umgehen, müssen sie für sich selbst entscheiden.“ So würde er gegenüber den Patienten keine Empfehlungen abgeben, wie man mit den Konsequenzen eines Testergebnisses umgehen solle oder etwa, dass man derzeit generell noch keine großen Reisen unternehmen solle. „Die Bevölkerung ist mittlerweile gut über das Coronavirus aufgeklärt“, betont der Arzt.

Quarantäne umgehen mit negativem Testergebnis

Seitdem die ersten Flugzeuge vom Stuttgarter Flughafen aus wieder starten und landen, erfährt auch der Abstrichtest wieder mehr Beliebtheit. Das liegt an der neuesten Verordnung des Landes Baden-Württemberg. Bisher müssen Menschen, die aus einem Nicht-EU-Land – also etwa der Türkei – nach Baden-Württemberg einreisen, für zwei Wochen in Quarantäne. Die kann man umgehen, wenn man einen negativen Corona-Abstrich vorweisen kann, der nicht älter als zwei Tage ist. Das war auch der Grund, warum vor wenigen Tagen plötzlich 30 Flugreisende aus der Türkei vor der Tür des Airport Medical Centers standen.

Obwohl die Mitarbeiter aus der Praxis am Flughafen bereits viele Abstriche durchgeführt haben, die sich anschließend als Corona-positiv herausgestellt haben, hat sich noch niemand aus dem Team selbst mit dem Virus infiziert. „Daran merkt man, dass unsere Schutzmaßnahmen funktionieren.“ Wer einen Corona-Test macht, wird über eine separate Tür in ein speziell dafür eingerichtetes Zimmer geführt. Der Arzt trägt währenddessen von oben bis unten Schutzkleidung. „Sorgen gemacht, dass ich mich infiziere, habe ich mir tatsächlich noch nie“, sagt Jens Künzel. „Uns Ärzten ist klar: Wir arbeiten mit Infektionskrankheiten, dann kommen auch Leute zu uns, die Infektionskrankheiten haben.“

Wer allerdings akut Corona-Symptome habe, sollte nicht ins Airport Medical Center kommen. Dann seien die Abstrichzen­tren und die Infektionsambulanzen in den Krankenhäusern die richtige Adresse, betont Jens Künzel.

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