Die Massiven Töne (oben) haben zur Eröffnung im Stadtpalais ihre Stuttgart-Hymne „Mutterstadt“ gesungen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

200 Stühle standen bereit – für 1000 Gäste. Zum Start hat das Stuttgarter Stadtpalais am Freitagabend einen Ansturm erlebt. Die Begeisterung war groß – vereinzelt gab es aber auch sachte Kritik.

Stuttgart - Die Nachbarschaftsliebe lebt. Schnellen Schrittes und sichtbar erfreut betritt Cornelia Ewigleben, Direktorin des Landesmuseums Württemberg, das neue Stadtpalais. Nur wenige Schritte von ihrem Arbeitsplatz sind es zum „Museum für Stuttgart“ im einstigen Wilhelmspalais, das voller Geschichten und Überraschungen steckt. Die Archäologin Ewigleben ist so begeistert, dass sie im zweiten Stock des neuen Hauses einer jungen Frau fast um den Hals fällt – um den Hals einer Büste der Königin Olga.

„Die ist auch bei uns“, sagt die Landesmuseums-Chefin. Die Gruft mit Sarkophag der Königin Olga befindet sich bei ihr im Alten Schloss. „Kann eine russische Zarentochter Stuttgarterin werden?“, wird im Stadtpalais gefragt. Beim Anblick der weißen Büste bemerkt Cornelia Ewigleben: „Die Olga ist immer dünner geworden, sie war vergrämt, weil die Ehe mit ihrem dicker werdenden Karl eine Qual war.“

„S’ goht nix über Stuegert“, singt der Galileo-Schulchor

Die Achse der Museen steht. Auf Kooperationen freut sich die Chefin aus der Nachbarschaft. Sie stimmt eine Hymne an auf das erweiterte kulturelle Herz, das in der City nun quasi mit mehreren Kammern schlägt. Hymnen sind an diesem ersten Abend für geladene Gäste vielfach zu hören – in Wort und Gesang. „Vom Traum zum Raum“ sei man gelangt, jubiliert Wolfgang Müller von der Initiativgruppe Stadtgeschichte. „S’ goht nix über Stuegert“, singt der Schulchor der Galileo Grundschule die alte Stadthymne des 2003 gestorbenen Schauspielers Oscar Müller. „Stuegert isch a Stadt, wo’s oifach älles hat“, heißt es darin. Der Text deckt sich mit dem, was Stadtpalais-Chef Torben Giese kurz vor dem Festakt dreimal in drei verschiedene Mikrofone von drei verschiedenen Sendern sagt. Was anders sei am neuen Museum, wird er stets gefragt. „Alles“, lauten Gieses Antworten unisono, „wir sind offen für alle.“

Doch die Verlegerin Jolanta Gatzanis macht aus ihrer – optischen – Enttäuschung keinen Hehl. „Die Farbe der Wände ist beige“, klagt sie, „das wirkt altbacken, da fehlen Frische und Buntheit.“ An der Fassade draußen werden in dieser Nacht jedoch optische Glanzpunkte gesetzt. Die Lichtinstallation mit kletternden Männchen zeigen weithin, dass sich hier was Neues tut. Der Schwulenchor Rosa Note singt ein eigenes Stuttgart-Lied, und die Massiven Töne stimmen „Mutterstadt“ an. In keinem anderen Musikstil gibt es so viele Hymnen auf Stuttgart wie im HipHop.

„Jeder wird seinen Lieblingsplatz finden“

Im neuen „Palast“, in dem sich Bettina Klett vom Förderkreis Museum für Stuttgart, „wie eine Prinzessin“ vorkommt, ist Musik. Auf weitere Rhythmen hofft Johannes Milla von der Agentur Milla und Partner. „Der Vorplatz muss schöner werden“, findet er, „und das Neue Schloss gegenüber sollte die Seitenflügel zu einem Bürgerschloss öffnen.“ Kaum hat sich ein Traum erfüllt, entstehen neue Träume.

Einen großen Trumpf des neuen Museums hebt Landtagspräsidentin Muhterem Aras hervor: „Es ist toll, dass der Eintritt für die Dauerausstellung frei ist.“

Die vielen Lobeshymnen zum Start werden das Interesse in der Stadt wecken. Die Menschen von Stuttgart können ab sofort ihr Haus in Besitz nehmen und immer wieder Neues entdecken. Die Massen werden strömen. „Jeder wird seinen Lieblingsplatz finden“, ist Bettina Klett überzeugt – und sie strahlt wie eine Prinzessin.

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