US-Terrorismusexperte Sebastian Gorka lehrt amerikanische Sicherheitskräfte: „Deutschland muss sich endlich seinen Möglichkeiten gemäß engagieren. Foto: StN

Der US-Terrorismusexperte Sebastian Gorka kritisiert, dass die USA den Kampf gegen den Terror 15 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 noch immer weitgehend alleine führen – ohne Deutschland und ohne muslimische Verbündete.

Herr Gorka, wovor haben Sie mehr Angst: vor Ihrer Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton oder vor dem Islamischen Staat?
Ganz ehrlich? Hillary Clinton beunruhigt mich deutlich mehr. Aus meiner engen Zusammenarbeit mit den US-Spezialeinheiten und dem FBI weiß ich, dass wir die Fähigkeiten haben, Amerika zu beschützen. Wir können den islamistischen Terrorismus besiegen, wenn wir unseren Experten erlauben würden, ihren Job zu machen.
Aber was stört Sie konkret an der Präsidentschaftskandidatin?
Sie und ihr Ehemann, der frühere Präsident Bill Clinton, haben Millionen Dollar in die eigene Tasche gewirtschaftet, indem sie ­Privatleben und Politik miteinander vermischten. Zudem ist es kein guter Plan, unsere nationale Sicherheit einer Oberbefehlshaberin anzuvertrauen, die von ihren Soldaten, Beamten und Polizisten Professionalität im ­Umgang mit vertraulichen Informationen erwartet, sich selbst aber auf diesem Gebiet als Amateurin präsentiert.
Lassen Sie uns kurz spekulieren: Wie wird sich die Wahl Clintons oder Donald Trumps zum US-Präsidenten am 8. November auf den Kampf der USA gegen den Terror auswirken?
Bei Clinton fehlt mir da jede Idee. In den vergangenen 30 Jahren hat sie als Politikerin eindrucksvoll bewiesen, dass sie vor allem an einem interessiert ist: an Hillary Clinton. Ihre Antiterror- und Außenpolitik wird deshalb die Geisel dessen sein, was für sie zweckmäßig und profitabel ist . . .
. . . und Trump?
Er hasst es, politisch korrekt zu sein. Er glaubt, dass wir uns im Krieg befinden, und will ihn gewinnen. Er dürfte als Präsident gerade mit den Nato-Mitgliedern brechen, die ihren Verpflichtungen nach dem Nato-Vertrag weder finanziell noch militärisch beispielsweise mit Truppen nachkommen. Ich befürchte, dass er deshalb die ökonomischen wie militärischen Möglichkeiten der USA im Bündnis zurückführen wird.
Ein Land, das seine Verpflichtungen gegenüber der Nato nicht erfüllt, ist Deutschland. Was erwarten Sie von Deutschland, um im Kampf gegen den Terror erfolgreich sein zu können?
Zwei Dinge: dass es darauf verzichtet, immer politisch korrekt agieren zu wollen. Vor allem dann nicht, wenn Härte notwendig ist. Zweitens: dass sich Deutschland endlich in dem Maß finanziell und militärisch engagiert, wie es seinen Möglichkeiten und seiner strategischen Position als europäische Vormacht entspricht.
15 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 – wo stehen wir heute im Kampf gegen den Terrorismus?
Wir sind „taktische Supermänner“, aber gleichzeitig „strategische Spatzenhirne“. Lassen Sie es mich konkret machen: Die amerikanischen Eliteeinheiten haben sich seit 9/11 zu einer globalen Tötungsmaschinerie entwickelt. Die Tötung des Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden bietet ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Allerdings führen die USA diese Art Krieg weitestgehend alleine – ohne die Unterstützung durch ihre Verbündeten. Dabei haben die Franzosen, die Belgier und auch die Deutschen jüngst erst auf tragische Weise erfahren, was es heißt, ins Fadenkreuz des internationalen Terrorismus zu geraten.
Die Anführer von Terroristen zu töten heißt lange noch nicht, den Krieg zu gewinnen . . .
. . . da haben Sie recht. Deshalb müssen wir beginnen, die totalitäre Ideologie des Dschihadismus in derselben Art zu bekämpfen, wie dies Ronald Reagan und Magaret Thatcher getan haben. Oder in Deutschland Helmut Schmidt und Helmut Kohl, indem sie konsequent den Nato-Doppelbeschluss getragen und umgesetzt haben. Nur wenn die Idee des Dschihad als Marke unpopulär wird, können wir gewinnen. 80 Prozent dieses Krieges werden mit Informationen, Propaganda und Gegenpropaganda geführt.
Wie kann der Dschihad besiegt werden?
Indem wir unsere wirklichen muslimischen Verbündeten im Mittleren Osten – Ägypten, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate – dabei unterstützen, eine Art Mini-Nato im Kampf gegen den Terror zu bilden. Dieser Kampf darf nicht länger ein amerikanischer – oder mit Abstrichen ein europäischer – sein. Er muss einer der Muslime werden, die unsere Freunde und Partner sein wollen.
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