Anoushka Shankar Foto: Jamie James Medina

Bei den Stuttgarter Philharmonikern ist die Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar aufgetreten.

Stuttgart - Da liegt sie, die Schöne, sorgsam zur Schau gestellt auf einem feinen Teppich: Die vielsaitige Sitar ist schon vor Beginn des Konzerts der Stuttgarter Philharmoniker der Star des Abends. Ein paar Konzertbesucher drängeln sich vor der Bühne, um die indische Langhalslaute mit ihrem Smartphone zu verewigen. Der Andrang im Beethovensaal ist groß, überall leuchten bunte Stoffe. Schließlich feiert das Konzert die Städtepartnerschaft, die Stuttgart seit 50 Jahren mit der indischen Metropole Mumbai verbindet. Und da hat sich das Leitungsteam der Philharmoniker etwas ganz Besonderes ausgedacht: Mendelssohns „Hebriden“-Ouvertüre und Brahms’ Vierte Sinfonie rahmen das zweite Sitar-Konzert „Raga Mala“ von Ravi Shankar, dem 2012 mit 82 Jahren verstorbenen indischen Komponisten und Sitar-Virtuosen.

Es steckt viel gespannte Freude im Applaus, als Shankars charismatische Tochter Anoushka die Bühne betritt, sich barfüßig und in modernem Sari auf dem Teppich platziert. Dann, nach kurzer Orchestereinleitung, erklingt es endlich, dieses charakteristische sirrende, seufzende, säuselnde Singen, das von sanft klirrenden Bordunsaiten begleitet wird. In Shankars viersätzigem Konzert wird die Sitar von europäischen Instrumenten umgarnt. Die feinen Improvisationen der 36-Jährigen, ihre virtuosen Eskapaden, die einige der unendlich vielen traditionellen Raga-Melodien verarbeiten, werden beantwortet durch oft rasend schnelles Streicher-Unisono, von wilden Kapriolen der Blech- und Holzbläser, von unterschiedlichsten Schlagwerk-Rhythmen. Dann wieder wird es plötzlich meditativ: Harfenrauschen, Streicherzupfen, Ewigkeitsglocken.

Die indische Musik ist rhythmisch sehr komplex

Die indische Musik ist harmonisch und melodisch einfach, dafür ist sie rhythmisch äußerst komplex. Am Dirigierpult sorgt der 29-jährige Yoel Gamzou dafür, dass die zyklisch angeordneten, unterschiedlichen Zeittakte korrekt über die Bühne gehen. Mit über einer Stunde ist dieses Solokonzert für indische Verhältnisse noch recht kurz. Manchmal spielen die Philharmoniker die Wechsel im kreisenden Wesen der indischen Metrik etwas zu zackig und die mikrointervallischen Verzierungen etwas zu langsam. Aber auch hier beeindruckt, was den Werken von Mendelssohn und Brahms große Intensität verleiht: der unbedingte Gestaltungswillen des Orchesters, das dem körperlich sich völlig verausgabenden jungen Dirigenten gerne folgt. Und nicht nur das wird am Ende begeistert bejubelt.

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