Eine Flagge hat die Künstlerin Anja Luithle mit Kindern der Anne-Frank-Förderschule in Wendlingen gestaltet. In dem kreativen Prozess sind echte Kunstwerke entstanden.
Wendlingen - Wir segeln unter gemeinsamer Flagge – unter diesem Motto steht das Projekt „Kunst.Klasse.“, für das sich Schülerinnen und Schüler der Wendlinger Anne-Frank-Schule gemeinsam mit der Künstlerin Anja Luithle in unterschiedlichste druckgrafische Techniken eingearbeitet haben. Im Wendlinger Rathaus zeigen die Klassen nun auf zwei Stockwerken Hoch- und Tiefdruckarbeiten, Radierungen, Monotypien und natürlich die titelgebende große Fahne, die künftig den Eingangsbereich der Schule zieren wird und für das Miteinander in der Schulgemeinschaft steht: Dafür wurden die schönsten der auf Stoff gedruckten Arbeiten als Collage zusammengenäht.
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Für die Klassenlehrerin Katharina Bader und die Wendlinger Künstlerin Anja Luithle war es wichtig, die Hemmschwelle für die erste Begegnung mit den verschiedenen Drucktechniken möglichst niedrig zu halten. Deshalb wurde anfangs einfach drauflos gearbeitet, ohne den komplexen technischen Hintergrund ausführlich zu erklären. Beim gemeinsamen Tun haben sich die Schüler – anfangs beim Hochdruck in der Schule, später beim Tiefdruck in Anja Luithles Atelier an der großen Druckerpresse – dann nach und nach so viel Wissen angeeignet, dass tolle Werke entstanden sind.
Immer sicherer in den Techniken
Während zu Beginn nach Vorlagen gearbeitet wurde und ein ganzes Menü aus Lieblingsspeisen, ein Zoo aus Tieren vom Eisvogel bis zum Koalabär und ein Garten aus Blüten, Dolden, Blättern und Bäumen entstanden, wurden die Jugendlichen immer sicherer in den einzelnen Techniken. Mutig lösten sie sich von den Vorlagen. Sie begannen, frei zu arbeiten und sich kreativ auszutoben. „Sie haben eigene Bildideen entwickelt, es sind völlig eigenständige Entwürfe und wirklich erstaunliche Sachen herausgekommen“, gibt es viel Lob von Anja Luithle. Da wurde mit Schrift gearbeitet, die beim Druck seitenverkehrt wiedergegeben wird. Ein Schüler hat seinen eigenen Schattenriss in Schaumstoff zu einem Druckstempel verarbeitet.
Eine Radierung entführt den Betrachter in die unendlichen Weiten des Weltalls. Bei einem Ausflug zur ehemaligen Textilfabrik Heinrich Otto und Söhne durften sich die Schüler aus der Musterkollektion Stoffe aussuchen, um später eigene Drucke darauf zu verwirklichen. Mal intuitiv, mal wohl kalkuliert sind dabei echte Hingucker entstanden, wie etwa jener florale Stoff, bei dem zwischen bunten Blüten ein gedrucktes Lama herausschaut. Dann entstanden auch abstrakte Kunstwerke: „Die Schüler waren wirklich bildnerisch tätig. Und wir kamen ins Diskutieren: Was ist schön? Was ist hässlich? Welche Kriterien haben wir dafür, wie etwas aussieht?“, erklärt Anja Luithle. Sie freut sich sehr, dass aus einem anfänglichen „Ich weiß nicht, ob ich das kann“ bei manch einem Nachwuchskünstler im Laufe der Zeit ein „Oh, das sieht aber gut aus“ wurde: „Der Lernprozess hat das Selbstbewusstsein gestärkt“, ist Anja Luithle überzeugt. Gemeinsam mit Klassenlehrerin Bader hat sie besonderen Wert darauf gelegt, dass sich alle Schüler in ihrem künstlerischen Können individuell entwickeln.
Nach den ersten Treffen in den Lockdown
Dabei hat die Corona-Pandemie das Projekt ganz schön gebeutelt: Nach dem allerersten Treffen ging es direkt in den Lockdown, ein geplanter Ausstellungsbesuch fiel flach, die Ausstellung im Rathaus musste dreimal verschoben werden, und die Zusammensetzung der Gruppe änderte sich immer wieder. Und so waren von den Sechst- bis zu den Neuntklässlern der Abschlussklasse verschiedene Altersgruppen beteiligt. Katharina Bader war es, die die Anne-Frank-Schule für Kinder mit besonderem Förderbedarf beim Förderprogramm „Kunst.Klasse.“ der Stiftung Ravensburger Verlag für dieses Projekt angemeldet hat. Es wird alle zwei Jahre finanziert, um Kindern die Chance zu geben, in Zusammenarbeit mit einem Künstler oder einer Künstlerin ohne Leistungsdruck kreativ zu sein und sich ohne Notenzwang zu entfalten: „Und es ermöglicht Schulen, auch innovative Vorhaben des künstlerisch-ästhetischen Erfahrens zu realisieren, für die im üblichen Rahmen keine Zeit bleibt“, heißt es auf der Webseite.
Anja Luithle hat einen mit vielen Fotos illustrierten Projektbericht gestaltet, der auch in der Ausstellung zu sehen ist. Er wird demnächst auch auf der Webseite der Stiftung zu sehen sein.
Kooperation für die Schülerkunst
Forschung und Bildung
Die gemeinnützige Stiftung Ravensburger Verlag wurde im Jahr 2000 durch die Unternehmensgruppe Ravensburger errichtet. Ihre Zwecke und Projekte orientieren sich an den Zielen und Programmen von Ravensburger. „Im Fokus stehen Kinder und Familien, Bildung und Erziehung“, heißt es auf der Homepage. Die Stiftung fördert Initiativen und entwickelt mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis selbst Forschungs- und Bildungsprojekte. Deren Ergebnisse sollen Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen. Zugleich möchte die Stiftung Familien- und Bildungspolitik anregen und kritisch begleiten.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist bis zum 18. November im Rathaus Wendlingen zu sehen. Geöffnet ist die Schau in den Fluren montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Das Projekt wird auch auf der Plattform der Stiftung Ravensburger Verlag unter www.kunstklasse.com vorgestellt.