Der Angeklagte muss sich wegen dreifacher, sein Kumpel wegen einfacher Körperverletzung verantworten. Foto: Gottfried Stoppel

Auf dem Fellbacher Herbst will der Polizist einen Streit schlichten. Auch seine Frau wird bei dem Vorfall am Arm verletzt.

Waiblingen - Ausgerechnet dem Fellbacher Revierleiter hat Mario Gittone (Namen geändert) eine blutige Nase verpasst. Erschwerend kam hinzu, dass der blindwütig um sich prügelnde Waiblinger nicht nur Klaus Auer verletzte, sondern auch noch dessen Frau: Brigitte Auer bekam von dem 38-Jährigen einen heftigen Schlag auf den Oberarm und litt fast zwei Wochen unter den Nachwirkungen.

Der Kumpel löst den ganzen Ärger beim Fellbacher Herbst aus

Angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung war im Amtsgericht Waiblingen jedoch nicht nur Mario Gittone, sondern auch noch Martin Kittel. Der hatte nämlich den ganzen Ärger beim Fellbacher Herbst 2015 erst ausgelöst. Der 34-Jährige war mit Kumpels unterwegs und hatte in einem Festzelt Mario Gittone entdeckt. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen knallte Kittel dem Sitzenden mit voller Wucht die Hand ins Gesicht, sodass der rückwärts von der Bierbank fiel. Während Kittel des Zeltes verwiesen wurde, steigerte sich Mario Gittone immer mehr in seine Rachegedanken hinein.

Bis dahin war der Herbst für das Ehepaar Auer noch völlig friedlich verlaufen. Sie waren mit zwei befreundeten Ehepaaren aus der Partnerstadt Meißen unterwegs und hatten nur am Rande mitbekommen, dass es wohl Zoff gegeben hatte. Jedenfalls stand Martin Kittel mit seinen Begleitern draußen, die Lage schien sich beruhigt zu haben. Doch plötzlich schoss Mario Gittone aus dem Zelt. Er sprang „Kung-Fu-mäßig“ ab, so beschrieben die Auers den Angriff, mit den Beinen nach vorne und landete im Bauch seines Kontrahenten. Dann gab es kein Halten mehr, es setzte eine wilde Prügelei ein zwischen Gittone auf der einen Seite sowie Kittel und seinen drei Kumpels auf der anderen Seite. Klaus Auer, der nur schlichten wollte, geriet in einen der wilden Schwinger des 38-Jährigen und zog sich eine blutende Nase zu. Und Brigitte Auer, die ihren Mann aus der Gefahrenzone ziehen wollte, bekam von Mario Gittone auch noch eine verpasst. Beide Zeugen hielten dem Angreifer jedoch zugute, dass er nicht gezielt auf sie losgegangen sei. „Er hat auf alles eingeschlagen, was sich bewegt hat“, sagte der Revierleiter. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Beide Angeklagte sind schon mehrfach vorbestraft

Ohne die unschuldig involvierten Besucher wäre es eine Prügelei nach dem Motto gewesen „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“. So jedoch musste sich Mario Gittone wegen dreifacher und Martin Kittel wegen einfacher Körperverletzung verantworten. Erschwerend kam hinzu, dass beide Angeklagte schon mehrfach vorbestraft sind – zum Teil auch einschlägig. Angesichts dieser erneuten „massiven Gewaltausbrüche“ hielten es die Rechtsvertreter nicht für gerechtfertigt, es – wie von den Verteidigern vorgeschlagen – bei Geldstrafen zu belassen. Amtsrichter Dautel verurteilte Mario Gittone zu fünf Monaten Haft bei einer dreijährigen Bewährungszeit. Außerdem muss der Hartz-IV-Empfänger hundert gemeinnützige Arbeitsstunden absolvieren.

Martin Kittel erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Monaten und darf sich ebenfalls drei Jahre lang nicht das Geringste zuschulden kommen lassen. Der 34-Jährige, der eine Umschulung macht, muss zudem 40 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Damit wurde dem Gesetz Genüge getan. Der Image-Schaden jedoch – immerhin wurden partnerschaftliche Fellbacher-Herbst-Gäste mit der Prügelei konfrontiert – bleibt ungeahndet.

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