Beim Alkoholgehalt des Glühweins ist gesetzlich eine enorme Spannbreite erlaubt. Die Behörden messen regelmäßig nach. Was steckt wirklich drin?
Wie viel Alkohol steckt in einer Tasse Glühwein? Das kann man am Weihnachtsmarkt kaum herausfinden. Die Stände machen dazu meist keine Angaben. Außerdem verdampft der Alkohol teilweise, wenn der Glühwein über längere Zeit auf mehr als 70 Grad erwärmt wird. Vor allem ist gesetzlich eine enorme Spannbreite erlaubt, Glühwein darf zwischen 7 und 14,5 Prozent Alkohol enthalten.
Wie viel Alkohol ist tatsächlich in den auf baden-württembergischen Weihnachtsmärkten ausgeschenkten Glühweinen? Das untersuchen regelmäßig die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA). Im vergangenen Jahr nahmen sie landesweit insgesamt 51 Proben und untersuchten sie im Labor. Im Mittel betrug der Alkoholgehalt 9,3 Prozent. Der stärkste Glühwein enthielt 12,4 Volumenprozent, es war aber auch einer mit nur sechs Prozent dabei – dieser Glühwein wurde zu stark erhitzt, die Probe offiziell beanstandet. In solchen Fällen kann es bei einer Verwarnung bleiben, die örtliche Lebensmittelüberwachungsbehörde kann aber auch ein Bußgeld verhängen.
Die Glühweinproben sind Ländersache, zusammengeführt werden die Messergebnisse nicht. Doch die Messungen finden immer wieder den Weg in die Medien. 2007 beanstandete etwa die niedersächsische Behörde bei jedem fünften Glühwein den Alkoholgehalt. In Bayern stellten die Behörden bei zwei von 78 untersuchten Proben auf den Jahren 2016 und 2017 fest, dass sie weniger als 7 Prozent Alkohol enthielten. In Hessen war das 2010 bei sechs von 147 untersuchten Glühweinen der Fall. Dass weniger Alkohol als vorgeschrieben in der Tasse ist, kommt also vor – bei den Stichproben liegt der Anteil aber meist im einstelligen Prozentbereich, bei den jüngsten Messungen in Baden-Württemberg waren es zwei Prozent.
Im Supermarktglühwein ist mehr Alkohol drin
Die CVUA untersucht auch verpackten Glühwein, wie man ihn etwa im Supermarkt kaufen kann. Die untersuchten Proben enthielten im Mittel gut einen Volumenprozentpunkt mehr Alkohol (10,2%) als der offen ausgeschenkte Glühwein am Weihnachtsmarkt (9,3%). Eine mögliche Erklärung ist, dass sich trotz der mittlerweile häufig verwendeten Durchlauferhitzer bei den offenen Glühweinen während des Erhitzens ein Teil des Alkohols verflüchtigt.
Auf welchem Weihnachtsmarkt der stärkste Glühwein ausgeschenkt wird, kann man nicht sagen. Details zu den Messungen veröffentlichen die CVUA sowie das für sie zuständige Verbraucherschutzministerium nicht. „Die Proben wurden bei einzelnen Ständen sowohl bei lokalen kleinen als auch bei größeren Weihnachtsmärkten in Städten erhoben“, erklärt ein Sprecher, „sie sind daher nicht repräsentativ für einen einzelnen Weihnachtsmarkt, sondern geben in der Gesamtheit einen Überblick“.
Der TÜV warnt
Wegen des Alkohol- und Zuckergehalts sollte man sich am Glühweinstand ohnehin eher zurückhalten. Der Alkoholgehalt von Glühwein werde oft unterschätzt, schreibt der TÜV Thüringen in einem aktuellen Beitrag. Schon ein Becher könne bei einem 80 Kilo schweren Mann zu einem Blutalkoholgehalt von 0,3 Promille führen, wird die Verkehrspsychologin Marie-Christin Perlich zitiert.
Wer mit dem Auto zum Weihnachtsmarkt gelangt, sollte also höchstens eine Tasse Glühwein trinken oder gleich zur alkoholfreien Alternative greifen. Die darf aber nicht als „alkoholfreier Glühwein“ bezeichnet werden, da der Alkoholgehalt von Wein ja vorgeschrieben ist. „Eine mögliche Bezeichnung wäre ‚alkoholfreier Glühpunsch’“, schreibt die CVUA.
Neben Alkohol und Zucker wies die Anstalt in den Vorjahren auch auf andere Stoffe im Glühwein hin. 2017 und 2018 wurde mehrfach zu viel Zinn und Kupfer im Glühwein vom Weihnachtsmarkt gefunden – vor allem an solchen Ständen, die den Glühwein in „nostalgischen Kesseln“ erhitzen, schreibt die CVUA.