Das zugemauerte Portal des alten Rosensteintunnels mit der überwucherten Galerie Foto: Lichtgut/Michael Latz

Bei Führung durch den alten Rosensteintunnel wird die einzigartige Atmosphäre des historischen Bauwerks lebendig. Doch der Plan eines Vereins, die Röhre unter dem Schloss Rosenstein wieder zu beleben, stößt beim Land auf Skepsis.

Stuttgart - Wie geht es weiter mit dem alten Rosensteintunnel? Der Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten hat jetzt Kontakt mit dem Land aufgenommen, um über die Zukunft der 363 Meter langen Röhre direkt unter dem Schloss Rosenstein zu reden. Der Verein will, dass das Portal des 1846 erbauten Tunnels wieder hergerichtet und die Röhre zumindest teilweise als Veranstaltungsort zugänglich wird. Das Landesfinanzministerium hält eine öffentliche Nutzung allerdings für „außerordentlich schwierig“, sagte eine Sprecherin. Es habe aber bisher noch keine weiterführenden Gespräche mit dem Verein gegeben. Das Land ist seit 1993 Besitzerin des ältesten Eisenbahn-Bauwerks Württembergs.

Der von Carl Etzel gebaute und Ende September 1846 erstmals befahrene Tunnel war noch in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in Betrieb – als Verbindung von Bad Cannstatt zum Stuttgarter Bahnhof an der Bolzstraße. Nach Angaben des Landes wurde er 1914 außer Dienst gesetzt und entwidmet. Für ihn wurde in den Jahren 1912 und 1913 der heute genutzte Rosensteintunnelgebaut. Durch diesen neuen Rosensteintunnel wurde zusammen mit der 1915 fertig gestellten Eisenbahnbrücke über den Neckar der neue Bonatz-Bahnhof an der Schillerstraße angefahren, der im Oktober 1922 in Betrieb ging. Im stillgelegten Tunnel wurden anschließend bis 1965 Champignons gezüchtet. Seitdem steht er leer.

Das historische Portal wurde – ziemlich unschön – zugemauert, um ungebetene Übernachtungsgäste fernzuhalten. Den Zugang versperrt eine verschlossene Tür, Graffitis verunstalten seit Jahren das historische Bauwerk. Nur bei Führungen ist der Tunnel zu besichtigen, das nächste Mal am Tag des offenen Denkmals, am 10. September.

Streit endet mit Vergleich

Die Besitzverhältnisse an dem unterirdischen Bauwerk waren jahrelang unklar. Zuletzt stritt sich die Bundesbahn mit dem Land sogar vor dem Landgericht Stuttgart. Dort einigte man sich 1992 auf einen Vergleich. Seitdem hat „die damalige Bundesbahn beziehungsweise ihre Rechtsnachfolgerin keine eigentumsähnlichen oder eigenbesitzähnlichen Rechte mehr“, bestätigt die Sprecherin des Finanzministeriums. Ein Kaufpreis sei nicht entrichtet worden, da „das Land bereits Eigentümer des durch den Tunnel unterbauten Grundstücks war“ – sprich dem Rosensteinpark mit dem Schloss.

Allerdings habe die Bahn einen Baukostenzuschuss im „mittleren sechsstelligen Euro-Bereich“ bezahlt, der die Kosten für die Verfüllung des Tunnels zur Hälfte gedeckt hätte. Seitdem ist das Land für den Unterhalt und die Sicherung des Tunnels verantwortlich. Eine Verfüllung fand übrigens nicht statt, warum ist unklar.

Sanierung des Portals wichtig

Der Vorsitzende Frank Schweizer und der Verein wollen, dass zumindest das Tunnelportal mitsamt der überwucherten Galerie, von der aus die jungen Herzöge die Züge beobachteten und Philipp von Württemberg sogar Fotos machte, wieder hergerichtet wird. Aber auch eine Nutzung der Röhre als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum müsse diskutiert werden, fordert Schweizer. Aber es gibt noch weitere Ideen. So könne am Portal auch einen Außengastronomie eingerichtet werden. Zudem sei denkbar, das zugemauerte Portal wieder zu öffnen und mit einer Glaswand den Innenraum von außen sichtbar zu machen.

In der Röhre selbst könnte beispielsweise die Geschichte der württembergischen Eisenbahn dargestellt werden. Das Bauwerk könne aber auch bei der im Rosensteinquartier geplanten Internationalen Bauausstellung (IBA) eine Rolle spielen. Schweizer: „Die unbeleuchtete Röhre eignet sich natürlich auch für Lichtinstallationen“. Einzigartig ist die Atmosphäre auf jeden Fall.

Das Land äußert sich dazu aber zurückhaltend. Zwar habe der Stuttgarter Verein bereits mit dem beim Finanzministerium angegliederten Landesbetrieb Vermögen und Bau, das die Liegenschaften verwaltet, Kontakt aufgenommen. „Weiterführende Gespräche gab es bislang nicht“, sagt die Sprecherin. Dass das Naturkundemuseum über einen direkten Abgang aus dem Schloss Rosenstein die Röhre für Ausstellungen nutzt, wie vor Jahren einmal vorgeschlagen, sei aber nicht mehr aktuell. Und auch einer anderen öffentlichen Nutzung begegnet man im Finanzministerium mit großer Skepsis. „Das ist wegen des Alters und des baulichen Zustands des Tunnels außerordentlich schwierig“, sagt die Sprecherin. Schweizer hofft jetzt auf die Landtagsabgeordneten.

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