In Altdorf wird ein Kinderhaus errichtet mit Holz aus dem eigenen Gemeindewald. Die rund 200 Festmeter Altdorfer Nadelholz machen das Projekt zu einem Vorbild an Nachhaltigkeit.
Altdorf - „Keine zwei Kilometer entfernt von hier geschlagen“, blickt Architekt Achim Schäfer vom bald fertigen Dach des Anbaus ans Altdorfer Kinderhaus Buchenweg nach Süden, „so nachhaltig habe ich noch nie gebaut.“ Und auch Bürgermeister Erwin Heller ließ es sich am Donnerstagnachmittag zusammen mit Kinderhausleiterin Astrid Wagner nicht nehmen, dem einzigartigen Rohbau in Holzständerbauweise endlich aufs Dach zu steigen.
Seit Mitte Januar ist es so weit: Die Zimmerleute um Zimmerer- und Dachdeckermeister Frank Schmid haben angefangen mit dem Aufschlagen der Holzkonstruktion und kommen dabei zügig voran – immer aufmerksam beobachtet von den Jungs und Mädchen des Kinderhauses, für die es seit dem ersten Spatenstich im August vergangenen Jahres nichts Spannenderes geben kann als die Baustelle direkt vor den eigenen Fenstern. Und obwohl es derzeit wegen der geltenden Coronabeschränkungen kein großes Richtfest geben kann, hat die Verwaltung ihre Zustimmung wenigstens zu einem kleinen Fest nur für die Kinderhaus-Kinder und ihre Betreuer signalisiert.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Anbau mit Holz aus dem Gemeindewald
Weil Bauholz Mangelware ist und die Holzpreise insbesondere im vergangenen Jahr explodiert sind, hat sich die Gemeinde Altdorf dazu entschlossen, für den dringend notwendigen Anbau ans 1971 entstandene Kinderhaus Holz aus dem eigenen Forst zu verwenden. Das ist nicht nur kostengünstiger, sondern ergibt unter dem Strich auch eine vorbildliche CO2- und Energiebilanz. Im Juni 2021 wurden die erforderlichen 200 Festmeter Nadelholz geschlagen, im September abtransportiert und seitdem in Kooperation mit verschiedenen lokalen Partnerfirmen aufgearbeitet und zu vorgefertigten Elementen montiert.
Zuschüsse von Bund und Land
Die Kosten des Vorhabens, zu dem neben dem Neubau von zwei Krippengruppen mit Büro- und Funktionsflächen auch die energetische Sanierung des Bestandsgebäudes gehört, sind auf 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Durch Bund und Land gibt es im Rahmen des Programms „Soziale Integration im Quartier“ 620 000 Euro Zuschuss. Außerdem sind für den Einbau einer Biomasse-Holzanlage 56 000 Euro fest zugesagt. Mit der Fertigstellung wird im Sommer 2023 gerechnet.