Die Brauerei Alpirsbacher wirbt mit dem Schwarzwald – der Konkurrent Rothaus aber auch Foto: dpa

Das private Brauunternehmen Alpirsbacher Klosterbräu sieht sich vom landeseigenen Konkurrenten Rothaus unter Druck gesetzt – zuletzt beim Engagement für einen Wildtierpark am Rand des Nationalparks Schwarzwald.

Alpirsbach - Wo die Tannen grünen, ist Rothaus nicht weit: Die badische Staatsbrauerei macht sich die Marke „Schwarzwald“ seit jeher zunutze und wirbt mit deren Attraktivität. Dass die Zäpfle eigentlich aus dem tiefen Süden des Mittelgebirges stammen, spielt in den Szenekneipen von Berlin und Frankfurt keine Rolle.

In der Alpirsbacher Klosterbrauerei sieht man da schon etwas genauer hin, wie jetzt ein heftiger Disput um das Engagement von Rothaus beim Nationalpark zeigt. Denn auf den zugigen Gebirgshöhen werden nicht nur Tier-, sondern auch Bier-Reviere verteidigt. Oder besser: Sponsorenreviere.

Ein paar Wildpferde, Hirsche und Luchse sollten es schon sein

Eigentlich geht es gar nicht direkt um den Nationalpark, sondern um einen an dessen Rand geplanten Wildtierpark. Die Idee dazu stammt von dem Bad Peterstaler Gastronomen Meinrad Schmiederer (Hotel Dollenberg), der es etwas zu dürftig fand, dass ­Nationalparkgäste lediglich Borkenkäfer zu Gesicht bekommen sollen. Ein paar Wildpferde, Hirsche und Luchse sollten es schon sein, meint der erfahrene Hotelier, der dieses Ziel seit Monaten mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit verfolgt.

So ist es dem CDU-Mann auch gelungen, die grün-rote Regierungskoalition mit ins Gehege zu holen: In Gestalt von SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel hat der „Wildtierpark Alexanderschanze“, wie das Projekt offiziell heißt, einen prominenten Fürsprecher. Kurzum: Am vergangenen Mittwoch hat sich im Dollenberg der Förderverein für den Tierpark gegründet.

Mit von der Partie war auch der Chef der Staatsbrauerei, Christian Rasch. „Der hat uns von sich aus angesprochen, ob Rothaus Gründungsmitglied werden kann“, sagt Schmiederer. Natürlich hatten die Südbadener auch ein Gastgeschenk mitgebracht, eine „überschaubare Starthilfe“, wie Schmiedel sagt: Das Gehalt für einen jungen Tierarzt, der das Konzept erarbeiten soll.

Doch diese Konkurrenz vor der eigenen Haustür kam, wie gesagt, in Alpirsbach gar nicht gut an. „Da hätte man uns ja mal ­anrufen können“, schäumt der Geschäftsführer der Klosterbrauerei, Markus Schlör. Er sei zu keinem Zeitpunkt um Mitwirkung gefragt oder um Unterstützung gebeten worden. Dabei engagiere sich sein Unternehmer, das im Gegensatz zu Rothaus in privater Hand ist, seit vielen Jahren in der Nationalparkregion.

"Die Politik hat uns da ausgebootet“

„Haben wir nicht den defizitären Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau unterstützt, der jetzt im Tierpark aufgehen soll?“, fragt Schlör. Fördere man nicht seit langem die Jugendarbeit im Naturschutzzentrum auf dem Ruhestein? Und ist nicht die Gemeinde Alpirsbach überhaupt das Tor zum Nationalpark – während Rothaus hundert Kilometer weiter südlich damit gar nichts zu tun hat? Es sei jedenfalls nur schwer nachvollziehbar, dass man ausgerechnet seine Brauerei von einem solchen Projekt ausschließe.

Möglicherweise sei es ja so, dass die Politik über das landeseigene Unternehmen Fördergelder platziere, wie dies in anderen Fällen auch immer wieder vorkomme, mutmaßt der Brauereichef: „Ich glaube, die Politik hat uns da ausgebootet.“ Und dann zeigt sich, dass sich da einiges an Frust angesammelt hat über die staatliche Konkurrenz: „Oft dürfen wir kein Bier liefern, wenn es sich um landeseigene Gebäude handelt“, schimpft Schlör. Das sei doch Wettbewerbsverzerrung.

Die Alpirsbacher sind mit ihrer Kritik übrigens nicht allein. Auch im Gemeinderat von Freudenstadt – dessen Oberbürgermeister Julian Osswald wurde zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt – wunderte sich so mancher. „Warum konnte es gelingen, eine regionale Brauerei auszubooten?“, wurde der OB gefragt. Rothaus habe mit dem Kreis Freudenstadt doch gar nichts zu tun.

„Die kamen halt auf uns zu, und wer zuerst kommt, malt zuerst“, sagt SPD-Fraktionschef Schmiedel, der den stellvertretenden Vorsitz des Fördervereins übernommen hat. Schließlich werde bereits seit Monaten lang und breit in den Medien über das Projekt berichtet, und Rothaus, das sich bewusst als Schwarzwaldbrauerei positioniere, habe eben reagiert. Im Gegensatz zu Alpirs­bacher, fügt der Sozialdemokrat hinzu, die seien „erst jetzt aufgewacht“.

So wartet man also in der Klosterbrauerei, bis der Förderverein die Arbeit aufgenommen hat. „Man hat uns mitgeteilt, dass man auf uns zukommt“, sagt Schlör. Wie groß die Lust der Alpirsbacher dann aber noch sein wird, Wildpferd, Hirsch und Luchs mitzufinanzieren, muss sich erst noch zeigen. Sponsoren aber braucht der Wildtierpark unbedingt. Die Mitgliedsbeiträge – 100 Euro im Jahr – werden dafür nicht reichen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: