Bei dem Wetter ist so ein Alpaka-Fell ziemlich praktisch. Foto: Frank Eppler

Einmal mit Alpakas zusammen die Natur entdecken: Ein Angebot in Murrhardt-Hinterbüchelberg macht’s möglich. Wir haben die Familienwanderung ausprobiert.

Murrhardt - So ganz geheuer ist Santiano die Sache noch nicht. Die Herde, mit der er unterwegs ist, besteht heute aus wuselnden Zweibeinern mit bunten Regencapes. Da hält sich der einjährige Alpakahengst lieber an seine flauschigen Artgenossen. Die älteren unter ihnen sind die Tour schon öfter gegangen als er – und lassen sich deshalb auch nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Nur als ein Radfahrer mit Hund vorbeikommt, recken sich die ohnehin schon langen Hälse in die Höhe – sicher ist sicher.

Zweimal im Jahr tut sich die Familie Haas, die in Murrhardt-Hinterbüchelberg eine Alpaka-Zucht betreibt, mit der Naturparkführerin Ruth Bohn zusammen. Auf den Familienwanderungen geht vor allem für die Kinder einmal der Traum in Erfüllung, mit dem vielleicht flauschigsten Weggefährten der Welt die Natur zu entdecken. Am Sonntag war es wieder soweit – für die Naturparkführerin war es der Abschluss des Ferienprogramms.

Die Wolle ist weicher, stabiler und dicker als bei Schafen

Wobei die Alpaka-Besitzerin Gabriela Haas mit ein paar Mythen um ihre bis zu 70 Kilogramm schweren Schützlinge aufräumen musste. Denn auch wenn die drolligen Alpakas vielleicht so aussehen: „Es sind keine Kuscheltiere. Streicheln ist zwar schon in Ordnung – nur am Kopf mögen sie das nicht so.“ Schade eigentlich, gerade dort sind die Tiere doch besonders fluffig. Aber auch am Rücken und am Hals ist das Fell der Tiere sehr, sehr weich.

Unterwegs erfahren die jungen und älteren Teilnehmer einiges über ihre Begleiter. Zum Beispiel, dass sie zu den Neuweltkameliden gehören (auch wenn ein kleiner Junge sich deswegen „Chamäleons“ merkt). Dass die Alpakas in ihrer Heimat, Peru, Bolivien und Chile, begehrte Wolllieferanten sind. Die Wollfasern seien länger, stabiler und gleichzeitig feiner als Schafwolle, erklärt Haas. Und natürlich superwarm – kein Wunder: „In den Anden wird’s bitterkalt.“

Angesichts des kühlen Spätsommerwindes, der den menschlichen Wanderern um die Ohren weht, wünscht sich vielleicht auch mancher von ihnen einen Pelz. Die Haare der Alpakas werden in den kommenden Monaten jedenfalls immer länger und dichter – „wir scheren sie einmal im Jahr, meist im Mai“, erklärt Haas. Aus dem Fell der Neuweltkameliden aus dem Schwäbischen Wald werden Rohwolle, Strickwolle, Decken und Kissen.

Aus zwei Alpakas sind in Murrhardt inzwischen 20 geworden

In ihrer Heimat werden Alpakas auch geschlachtet und gegessen. Santiano und seine Artgenossen in dem Murrhardter Weiler dürfen dagegen alt werden. Bis zu 20 Lenze schafft ein Alpaka, wenn man es gut behandelt. Im Jahr 2004 hat die Familie mit der Zucht begonnen – was mit zwei Stuten begann, umfasst inzwischen 20 flauschige Viecher, sowohl Deckhengste als auch Weibchen. Der Weg der Familienwanderung führt auch an der Weide vorbei, wo ein paar Alpaka-Mamas mit ihren Jungen grasen.

Gegen Ende der Tour geht auch Santiano locker im Pulk mit. Zuhause angekommen, müssen die Alpakas mal. Das tun sie übrigens äußerst reinlich, in zwei von ihnen dafür ausgesuchten Ecken. Das ist ziemlich praktisch für Familie Haas – denn Alpakas können nicht nur Wolle, sondern auch Dünger.

Hier gibt es weitere Infos zu den Alpaka-Wanderungen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: