So sehen Siegerinnen aus: MTV Allianz Stuttgart ließ im Pokalfinale nichts anbrennen. Die emotionalsten Bilder in unserer Bildergalerie. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Stuttgarter Volleyballerinnen zeigen im Pokalfinale gegen den SC Potsdam eine Topleistung, erinnern an Tore Aleksandersen – und wollen nun das Triple.

Erfolgreiche Mannschaften haben oft auch beim Feiern große Qualitäten. Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart sind da keine Ausnahme. Nachdem sie beim 3:0-Erfolg (25:14, 25:19, 25:15) das Pokalfinale am Sonntag gegen den SC Potsdam dominiert hatten, machten sie die SAP-Arena in Mannheim zu ihrer Partymeile. Erst in einer Jubeltraube auf dem Spielfeld, dann in der Kurve mit den rund 1000 mitgereisten Fans, die lautstark „Oh, wie ist das schön . . .“ sangen. Und schließlich in der Kabine bei lauter Musik und ausgiebigen Sektduschen.

 

Jetzt fehlt nur noch der Meistertitel fürs Triple

Erfolgreiche Teams zeichnet allerdings auch aus, dass sie selbst im Moment wunderbarer Erfolge schon ans nächste Ziel denken. Dazu passte die Losung, die Maria Segura Pallerés noch in den Katakomben ausgab. „Jetzt“, sagte die Kapitänin von Allianz MTV Stuttgart mit einer großen Flasche Schaumwein in der Hand, „wollen wir das Triple.“

Den zweiten Titel der Saison nach dem Supercup hatten die Stuttgarterinnen zuvor auf eine Art und Weise gewonnen, die sogar für sie selbst ein bisschen überraschend kam. Souverän. Unangefochten. Total überlegen. „Wir haben dem SC Potsdam keine Chance gelassen“, sagte Trainer Konstantin Bitter, „unsere Qualität war in allen Elementen extrem hoch.“ Und das von Beginn an.

Sonderlob von Jolien Knollema

Krystal Rivers machte die ersten beiden Punkte des Spiels und gab damit die Richtung vor, am Ende kam die Diagonalangreiferin auf herausragende 25 Zähler. Ein Sonderlob vom Coach erhielt Jolien Knollema (16 Punkte). „Sie ist 21 Jahre alt, es war ihr erstes Finale“, sagte Bitter, „ich bin unglaublich stolz auf sie.“ Doch damit nicht genug: Zuspielerin Britt Bongaerts zog gewohnt kreativ die Fäden, der Block um Monique Strubbe und Eline Timmerman stand immer wieder perfekt, Libera Roosa Koskelo zeigte spektakuläre Abwehraktionen. „Wir sind sehr gut drauf, deshalb hatte ich ein positives Gefühl“, sagte der MTV-Coach, „unsere Effizienz im Angriff war unglaublich. Wir haben uns, von ein paar Aufschlägen im ersten Satz abgesehen, kaum Fehler geleistet.“

Entsprechend strahlend liefen, während die Potsdamerinnen um Kapitänin Kristina Guncheva („Wir sind nicht aufgetreten wie ein Team, das an sich glaubt“) erfolglos versuchten, ihren Frust zu bewältigen, die Spielerinnen und Verantwortlichen aus Stuttgart nach dem fünften Pokalsieg der Vereinsgeschichte durch die Halle. „Ich bin wahnsinnig stolz, wir haben konstant auf extrem hohem Niveau gespielt“, sagte

Bilder von Tore Aleksandersen im Gepäck

Monique Strubbe. „Es war von Beginn an eine unfassbare Teamleistung“, meinte Krystal Rivers. Und Maria Segura Pallerés erklärte: „Wir haben den SC Potsdam nicht atmen lassen.“ Auch Kim Renkema jubelte ausgelassen mit ihrem Team. „Das sind die Momente, für die wir alle hart arbeiten“, sagte die Sportdirektorin, „wir haben Spielerinnen, die Finals können. Es war eine wahnsinnig gute Vorstellung heute, total dominant.“ Und eine, deren emotionaler Wert über ein normales Pokalfinale hinausging.

Schon vor dem Endspiel hatte Konstantin Bitter erklärt, dass seine Mannschaft auch für den ehemaligen Trainer Tore Aleksandersen spiele, der Anfang Dezember den Kampf gegen den Krebs verloren hatte: „Er ist ein Teil von uns, unterstützt uns weiter.“ Einige Stuttgarterinnen hatten deshalb vor der Reise nach Mannheim Bilder von Tore Aleksandersen eingepackt, bei der Siegerehrung hielten sie eine Trainingsjacke des Norwegers in Händen. „Es ist das Team, das ich mit Tore gemeinsam zusammengestellt habe“, sagte Kim Renkema, „wir haben vor einem Jahr lange diskutiert, weil wir unseren Kader perfektionieren wollten – mit dem Ziel, gut genug zu sein, um das Triple zu holen. Das war unser gemeinsamer Traum.“ Der nun in Erfüllung gehen könnte.

Spielerinnen und Trainer ließen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass die Reise in dieser Saison noch nicht zu Ende ist. „Bei denjenigen, die so ein Pokalfinale verlieren, kann sich alles ins Negative drehen. Wir werde die Energie nutzen, die uns dieser Erfolg gibt“, erklärte Konstantin Bitter, „wir wollen definitiv mehr.“ Auch Krystal Rivers ist nach drei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen mit Allianz MTV Stuttgart alles andere als titelmüde. „Es ist nicht selbstverständlich, gegen den SC Potsdam auf einem so hohen Level zu spielen. Für unseren Gegner war das echt hart“, meinte die US-Amerikanerin, „jetzt sind wir bereit für die Play-offs.“

Der Potsdamer Trainer ist konsterniert

Für die Konkurrenz muss sich das nach diesem Pokalfinale anhören wie eine Drohung. Entsprechend bedient war Riccardo Boieri. „Wir hatten uns sehr viel vorgenommen“, sagte der enttäuschte Trainer des SC Potsdam, während in der MTV-Kabine die nächste Flasche Sekt verspritzt wurde, „aber die Stuttgarterinnen haben heute eine fast perfekte Leistung gezeigt.“

Erst auf dem Feld. Und dann beim Feiern.