Die Arme hoch – Stuttgarts Spielerinnen feiern den ersten Sieg in den Play-offs. Foto: Baumann

Stuttgarter Bundesliga-Volleyballerinnen gelingt gegen den 1. VC Wiesbaden ein überzeugender Auftakt in die Play-offs. Zweites Spiel am Mittwoch.

Stuttgart - Die Stuttgarter Volleyballerinnen haben einen perfekten Auftakt in die entscheidende Phase der Saison hingelegt. Nach dem 3:0 (25:18, 25:17, 25:17) gegen den VC Wiesbaden kann das Team von Trainer Giannis Athanasopoulos schon an diesem Mittwoch (20 Uhr/Sport 1 live) in Wiesbaden den Einzug ins Play-off-Halbfinale schaffen. Was auch mit dem starken Auftritt des Mittelblocks zu tun hatte, der für die Gäste am Sonntag in der Scharrena kaum zu überwinden war. „Die Erleichterung ist groß“, sagte Sportchefin Kim Renkema, „wir haben von der ersten Minute gezeigt, dass wir die bessere Mannschaft sind.“

Vor 1449 Fans hatte Athanasopoulos fast über die volle Spielzeit von nur 69 Minuten auf seine erste Sieben gesetzt. Und die Rechnung gegen den Achten der regulären Saison ging auf. Libera Roosa Koskelo agierte in der Abwehr gewohnt umsichtig, Jana-Franziska Poll und Sarah Wilhite verwerteten die Zuspiele von Pia Kästner sicher, Krystal Rivers machte 21 teils spektakuläre Punkte. „Wir haben in der einwöchigen Trainingsphase einige Dinge verbessert und eine konzentrierte Leistung gezeigt“, sagte der Coach, „die Pause hat uns gut getan.“

Kurze Schwächephase

Das galt auch für die Mittelblockerinnen des MTV. Zuletzt hatte es etwas an Präzision im Zuspiel auf Molly McCage und Paige Tapp gefehlt, diesmal lief es deutlich besser. Nach einem überlegenen ersten Satz standen die beiden US-Amerikanerinnen immer dann im Mittelpunkt, wenn sich der VCW mal herankämpfte. McCage und Tapp zeigten eindrucksvoll, welche Bedeutung sie für das Stuttgarter Spiel haben. Beim Stand von 18:15 in Satz zwei beendete das Duo eine kurze Schwächephase der Stuttgarterinnen, ließ nur noch zwei Wiesbadener Punkte zu. Durchgang drei, ähnliches Bild: die angriffsstarken Gäste probierten beim Stand von 15:17 verschiedene Varianten, fanden aber keinen Weg vorbei am Block. „Das war ein wichtiger Faktor für den Sieg“, sagte Trainer Athanasopoulos.

Diese Bedeutung hatte der Mittelblock, zumindest was die offensiven Aktionen angeht, in der Hauptrunde nicht immer. Während die damalige Zuspielerin Femke Stoltenborg in der vergangenen Saison häufig kurze Anspiele auf die Mittelblockerinnen wählte, suchen Pia Kästner und Madison Bugg zumeist Diagonalangreiferin Krystal Rivers. Diese taktische Neuorientierung schlägt sich in der Statistik deutlich nieder. Molly McCage war im Vorjahr mit 231 Punkten noch neuntbeste Angreiferin der Bundesliga, diesmal kam die US-Amerikanerin in der Bundesliga-Hauptrunde auf rund 100 Punkte weniger. Zwar erhöhte Paige Tapp ihre Ausbeute um 40 Zähler, die mitunter fehlende Flexibilität im Angriff wurde aber vor allem im Pokalfinale und im verlorenen Heimspiel gegen den SSC Schwerin deutlich: Hatte der Meister Krystal Rivers im Griff, ging nicht mehr viel – auch weil es den Stuttgarterinnen nicht gelang, ihre Mittelblockerinnen effektiv ins Angriffsspiel einzubinden. „Diese Saison haben wir viel über Krystal agiert“, sagte Paige Tapp, „aber nun haben wir gegen Wiesbaden gezeigt, dass wir auch variabel spielen können.“

Bleiben Tapp und McCage?

Klar ist schon jetzt: Sollte es in der Finalserie zum erwarteten Duell zwischen Allianz MTV Stuttgart und SSC Schwerin kommen, benötigt der Bundesliga-Erste nicht nur einen stabilen, sondern auch einen angriffslustigen Mittelblock. Und eine Molly McCage in Topform. Wie in der Vorsaison, als die 25-Jährige drittbeste Punktesammlerin der Play-offs war. „Im Mittelblock sind wir sehr abhängig von unseren Mitspielerinnen“, meinte sie nach dem Sieg gegen den VC Wiesbaden, „heute hat das sehr gut funktioniert, aber wir müssen sicher noch zulegen.“

Ob die beiden Mittelblockerinnen auch im nächsten Jahr in Stuttgart aufschlagen, ist übrigens noch nicht geklärt: „Ich habe bisher keine Entscheidung getroffen“, sagte Paige Tapp. Und Molly McCage meinte: „Ich bin vollkommen offen, nach den Play-offs mache ich mir meine Gedanken.“ Dann vielleicht ja als deutsche Meisterin.

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